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18.02.2014

12:37 Uhr

Anleihemarkt

Die Rückkehr Europas

VonJörg Hackhausen

Die Lage an den Märkten hat sich entspannt. Italien, Spanien oder Portugal zahlen so niedrige Zinsen wie seit Jahren nicht mehr. Die Euro-Retter erklären die Krise schon für beendet. Doch die Jubelmeldungen kommen zu früh.

Broker am Telefon - während der Auktion portugiesischer Staatsanleihen im Januar. AFP

Broker am Telefon - während der Auktion portugiesischer Staatsanleihen im Januar.

DüsseldorfDeutschland und Italien sind sich so nah lange nicht mehr – nicht unbedingt politisch, aber im Ansehen bei Investoren. Der Zins, den die Italiener am Kapitalmarkt für ihre Schulden zahlen müssen, ist in den vergangenen Wochen gesunken. Er liegt so niedrig wie zuletzt vor acht Jahren – gleichzeitig fällt der Risikoaufschlag von italienischen Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen deutlich geringer aus. Italien muss für seine Anleihen „nur“ knapp zwei Prozentpunkte mehr bieten als Deutschland. Das war lange Zeit anders.

Auch andere Krisenstaaten wie Portugal, Spanien oder Irland sind bei Investoren wieder begehrt. Die Anleiherenditen sind deutlich gesunken. Selbst Griechenland hofft auf eine Rückkehr an den Kapitalmarkt. Heißt das, dass die Euro-Krise überstanden ist? So möchten es die Politik gerne deuten. Vor wenigen Tagen erklärte EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso in London, die existenzielle Krise sei vorüber. Er habe den Eindruck, dass Deutschland in der Zukunft einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden zustimmen werde.

Auf den ersten Blick scheint sich die Lage tatsächlich entspannt zu haben: Nach einer Umfrage des Datenanbieters Bloomberg sind die meisten Finanzexperten der Meinung, die Euro-Zone habe das Schlimmste überstanden. 57 Prozent der knapp 500 befragten Investoren, Analysten und Händler gehen davon aus, dass sich die Lage an den europäischen Anleihemärkten nicht weiter verschlechtern wird. Es ist das erste Mal seit zwei Jahren, dass eine Mehrheit der Befragten ein Ende des Ausverkaufs sieht.

Die Erholung der Krisenstaaten

Anleiherenditen in Europa

Die Investoren kehren zurück nach Europa. In den vergangenen Monaten sind die Renditen von Anleihen der Euro-Krisenstaaten deutlich gesunken, ebenso die Risikoprämien gegenüber Bundesanleihen. Experten rechnen nur noch mit geringen Wahrscheinlichkeiten für Ausfälle der Bonds.
Stand: 17.02.2014
Quelle: Bloomberg

Deutschland

Rendite zehnjähriger Anleihen: 1,689 Prozent

Veränderung zum Vorjahr: +2 Basispunkte

Ausfallwahrscheinlichkeit*: 0,4 Prozent

*nach Berechnung von DB Research anhand von Credit Default Swaps (CDS)

Finnland

Rendite zehnjähriger Anleihen: 1,81 Prozent

Veränderung zum Vorjahr: - 6 Basispunkte

Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen: 12 Basispunkte

Ausfallwahrscheinlichkeit*: 0,4 Prozent

*nach Berechnung von DB Research anhand von Credit Default Swaps (CDS)

Niederlande

Rendite zehnjähriger Anleihen: 1,911 Prozent

Veränderung zum Vorjahr: + 5 Basispunkte

Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen: 22 Basispunkte

Ausfallwahrscheinlichkeit*: 0,6 Prozent

*nach Berechnung von DB Research anhand von Credit Default Swaps (CDS)

Irland

Rendite zehnjähriger Anleihen: 3,266 Prozent

Veränderung zum Vorjahr: -4 Basispunkte

Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen: 158 Basispunkte

Ausfallwahrscheinlichkeit*: 1,6 Prozent

*nach Berechnung von DB Research anhand von Credit Default Swaps (CDS)

Spanien

Rendite zehnjähriger Anleihen: 3,525 Prozent

Veränderung zum Vorjahr: -168 Basispunkte

Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen: 184 Basispunkte

Ausfallwahrscheinlichkeit*: 2,1 Prozent

*nach Berechnung von DB Research anhand von Credit Default Swaps (CDS)

Italien

Rendite zehnjähriger Anleihen: 3,613 Prozent

Veränderung zum Vorjahr: -72 Basispunkte

Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen: 192 Basispunkte

Ausfallwahrscheinlichkeit*: 2,5 Prozent

*nach Berechnung von DB Research anhand von Credit Default Swaps (CDS)

Portugal

Rendite zehnjähriger Anleihen: 4,824 Prozent

Veränderung zum Vorjahr: -72 Basispunkte

Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen: 314 Basispunkte

Ausfallwahrscheinlichkeit*: 3,9 Prozent

*nach Berechnung von DB Research anhand von Credit Default Swaps (CDS)

Griechenland

Rendite zehnjähriger Anleihen: 7,52 Prozent

Veränderung zum Vorjahr: -318 Basispunkte

Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen: 583 Basispunkte

Ausfallwahrscheinlichkeit*: k.A. Prozent

*nach Berechnung von DB Research anhand von Credit Default Swaps (CDS)

Frankreich

Rendite zehnjähriger Anleihen: 2,291 Prozent

Veränderung zum Vorjahr: +4 Basispunkte

Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen: 60 Basispunkte

Ausfallwahrscheinlichkeit*: 0,9 Prozent

*nach Berechnung von DB Research anhand von Credit Default Swaps (CDS)

Österreich

Rendite zehnjähriger Anleihen: 1,977 Prozent

Veränderung zum Vorjahr: +0 Basispunkte

Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen: 29 Basispunkte

Ausfallwahrscheinlichkeit*: 0,7 Prozent

*nach Berechnung von DB Research anhand von Credit Default Swaps (CDS)

Sogar die viel gescholtenen Ratingagenturen scheinen Europa wieder wohlwollender zu beurteilen: Moody's stellte Italien gerade erst eine Heraufstufung in Aussicht. Die Bonitätswächter hoben den Ausblick „negativ“ auf „stabil“ an, auch wenn die Note für die Kreditwürdigkeit zunächst bei „Baa2“ blieb. Das südeuropäische Land habe finanzielle Stärke bewiesen, hieß es in einem Kommentar von Moody's am vergangenen Freitag.

Dass am selben Tag die italienische Regierung unter Enrico Letta zerbrach, störte die Investoren überhaupt nicht. Die Kurse der zehnjährigen italienischen Papiere legten zu, entsprechend fiel die Rendite. Sie lag zuletzt nur noch bei 3,61 Prozent. Der Risikoaufschlag gegenüber Bundesanleihen fiel auf 192 Basispunkte. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag die Rendite italienischer Papiere bei 4,5 Prozent, der Risikoaufschlag bei 266 Basispunkten.

Ministerpräsident Letta hatte nach einem wochenlangen Machtkampf mit dem Chef der Demokratischen Partei, Matteo Renzi, seinen Rücktritt erklärt. Renzi arbeitet nun an der Bildung einer neuen Regierung. „Der Konsens ist, dass eine Regierung unter Renzi die Möglichkeit wie auch den Willen haben wird, Reformen vom Parlament absegnen zu lassen“, kommentiert Chris Clark, Stratege beim Londoner Finanzkonzern ICAP.

Kommentare (50)

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Eddie

18.02.2014, 12:47 Uhr

Die Schulden-Zeitbomben sind eher gefährlicher geworden. Es scheint mal wieder Wahlbeeinflussung vor den Europawahlen zu sein. Die Bürger glauben das nicht mehr. Alles das gibt den europakritischen Parteien und Bewegungen massiven Auftrieb. Dieser Einheitseuro und diese Diktat-EU haben keine Übelebenschance. Europas Bürger hat man nie zu dem Kunstgebilde gefragt: Das kann sich jetzt rächen.

Anleihenspezialist

18.02.2014, 12:51 Uhr

Aus der täglichen aktuellen deutschen Presse:

Die Euro-Krise ist nicht tot, sie ist nur betäubt

Trotz aller Bemühungen steigen die Schulden in Südeuropa weiter an, Italien steckt in einer Regierungskrise. Doch Investoren ignorieren derzeit die Risiken. Die Frage ist: Wie lange noch?

In Spanien ist die Schuldenquote des Staates so hoch wie nie zuvor. Eigentlich Anlass genug für eine neue Panikwelle.

Denn es sieht weiterhin nicht gut aus in Italien und auch im südlichen Rest Europas – zumindest, wenn man nur auf die nackten, volkswirtschaftlichen Zahlen schaut: Innerhalb eines Jahres – im Zeitraum zweites Quartal 2012 bis zweites Quartal 2013 – stieg die Schuldenquote in der Euro-Zone von 89,9 auf 93,4 Prozent.

Besonders schlimm sieht es in den Krisenländern aus. Italiens Verschuldung kletterte binnen Jahresfrist von 126 auf 133 Prozent. Frankreichs von 91 auf 94 Prozent. Spaniens gar von 78 auf 92 Prozent. Und Portugals von 118 auf 131 Prozent. Griechenland – das größte Sorgenkind Europas – bleibt ein Desaster. Die Schuldenquote kletterte im Vergleichszeitraum von 150 auf fast 170 Prozent.


Ein Börsenchart geht um die Welt – und er verheißt nichts Gutes. Im Gegenteil: Er ist sogar ein echter Schocker. Er zieht eine direkte Parallele zwischen dem Börsencrash von 1929 und heute. Will sagen: Die jetzige Aktienhausse könnte genauso abrupt enden wie in der Großen Depression.

Eurowahn

18.02.2014, 12:55 Uhr

So kurz vor der Europawahl werden von Euroideologen, der Vorstandsetagen von Großkonzernen, von Bankstern alle Register gezogen umd die verlogene Euroideologie aufrecht zu erhalten. Gezielte Irreführung der Bürger. Überall in Europa ist alles so toll geworden - nur Erfolgsmeldungen überall. MAL DER WIRKLICHKEIT ins Gesicht schauen. Spanien hat gerade gestern einen neuen STATSSCHULDENREKORD gemeldet - Tendenz steigend. In Griechenland hat die Arbeitslosigkeit 2013 nochmals zugenommen - ca. 62 % Jugendarbeitslosigkeit. Die Staatsschulden sind überall in Europa explodiert Dank Bankenrettung. Griechenland bekommt nach der Europawahl bestimmt neue Milliardenhilfen. Vor der Wahl hat Frau Merkel die Aussicht auf weitere Rettungslliarden abgelehnt. Das könnte die AfD stärken sagte sie. Also vor der Wahl keine Hilfen, dafür aber nach der Wahl. Somit werden wir Bürger vorsätzlcih belogen. Das System ist am Ende - die Wirtschaftsaussichten trüben sich auch in Deutschland ein !! Dann geht es auch bei uns bergab !

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