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10.10.2012

10:05 Uhr

Anleihemarkt

Draghi hat den Finger am Abzug

Es kann losgehen: Die Europäische Zentralbank steht kurz vor dem Start ihres Anleihekaufprogramms. Alle Details seien ausgearbeitet, heißt es. Bundesbankpräsident Weidmann wiederholt seine Warnung.

EZB-Chef Mario Draghi: "Werden alles tun, um den Euro zu retten." dpa

EZB-Chef Mario Draghi: "Werden alles tun, um den Euro zu retten."

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) ist nach Aussage ihres Vizepräsidenten Vitor Constancio jederzeit bereit, mit dem Kauf von Anleihen notleidender Staaten zu beginnen. Die betreffenden Staaten müssten allerdings den damit verbundenen Auflagen zustimmen, sagte Constancio am Mittwoch in einem Interview in Tokio hinzu.

Der Prozess zur Bewilligung von Anleihekäufen innerhalb der EZB stehe. „Wir haben intern alle Details ausgearbeitet, um einen angemessenen Weg zu haben, jeden Tag die Entscheidung treffen zu können“, erklärte der EZB-Vizepräsident. „Wir schauen uns einen kleinen Satz von Variablen an, um über die Auflagen für unsere konkreten Interventionen zu entscheiden.“

EZB-Präsident Mario Draghi hatte Anfang September ein neues Programm zum unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen verkündet. Es ist jedoch Staaten vorbehalten, die Hilfen bei Euro-Stabilitätsfonds ESM beantragt und sich dabei zur Umsetzung von Sparanstrengungen zur Reduzierung ihres Haushaltsdefizits verpflichtet haben.

Staatspleiten sind die Regel

Argentinien

Jahr der Unabhängigkeit: 1816

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit* 1800: 32,5 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

*Die Berechnungen der Länder, die vor 1800 unabhängig wurden, sind von 1800-2006.

Quellen: Berechnungen von Flossbach und Vorndran (2012), sowie Standard & Poor's, Purcell und Kaufmann (1991), Reinhart, Rogoff und Savastano (2003) und darin zitierte Quellen.

Australien

Jahr der Unabhängigkeit: 1901

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Brasilien

Jahr der Unabhängigkeit: 1822

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 25,2 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 9

Deutschland

Jahr der Unabhängigkeit: 1618

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 13 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Finnland

Jahr der Unabhängigkeit: 1917

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Frankreich

Jahr der Unabhängigkeit: 943

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Griechenland

Jahr der Unabhängigkeit: 1829

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 50,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

Großbritannien

Jahr der Unabhängigkeit: 1066

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Italien

Jahr der Unabhängigkeit: 1569

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 3,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

Kolumbien

Jahr der Unabhängigkeit: 1819

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 36,2 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

Mexiko

Jahr der Unabhängigkeit: 1821

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 44,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Niederlande

Jahr der Unabhängigkeit: 1581

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 6,3 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

Norwegen

Jahr der Unabhängigkeit: 1581

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Österreich

Jahr der Unabhängigkeit: 1282

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 17,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

Portugal

Jahr der Unabhängigkeit: 1139

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 10,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 3

Russland

Jahr der Unabhängigkeit: 1457

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 39,1 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

Schweden

Jahr der Unabhängigkeit: 1523

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Spanien

Jahr der Unabhängigkeit: 1476

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 23,7 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 13

Türkei

Jahr der Unabhängigkeit: 1453

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 15,5 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 6

USA

Jahr der Unabhängigkeit: 1783

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: Als Folge der Wirtschaftskrise von 1837 stellten acht amerikanische Bundesstaaten ihre Zahlungen ein. Mehr als 100 Banken gingen in daraufhin Pleite. Knapp 150 Jahre schlingert die US-Wirtschaft wieder: Am 15. August 1971 erklärte der amerikanische Präsident Richard Nixon die sofortige Aufhebung der Dollar-Konvertierbarkeit in Gold, also die Aufhebung der Verpflichtung der USA, jederzeit Dollar in eine bestimmte Menge Gold umzutauschen. Diese auch als Nixon-Schock bekannte Ankündigung bedeutete faktisch die Erklärung der Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise Zahlungsunwilligkeit, da die Aufhebung einseitig und unter Bruch bestehender Abmachungen (Bretton-Woods-System) erfolgte.

Venezuela

Jahr der Unabhängigkeit: 1830

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 38,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 10

Nach der Ankündigung Draghis hatte der Druck auf der Investoren auf die hochverschuldeten Staaten zunächst nachgelassen. Inzwischen steigen die Renditen aber wieder, die Kurse geben nach. Spanische und italienische Anleihen fielen am Mittwoch den dritten Tag in Folge. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Papiere stieg sieben Basispunkte auf 5,89 Prozent, italienische Zehnjährige rentierten einen Basispunkt höher mit 5,12 Prozent. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten knapp einen Basispunkt höher mit 1,48 Prozent.

Kommentare (25)

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10.10.2012, 10:26 Uhr

Wann legen die Völker Europas diesen ganzen Verbrechern von MErkel, über Schäuble, zu Draghi bis Monti und wie sie alle heissen, das Handwerk?

cotonhall

10.10.2012, 10:27 Uhr

Bleibt abzuwarten, ob er es wirklich macht: derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen Draghi wegen Untreu im Zusammenhang mit den bereits erfolgten Anleihekäufen ...

Account gelöscht!

10.10.2012, 10:34 Uhr

Paul Kirchhof zur Krise der EU: „Die EU steckt in der Krise, weil Recht mit Füßen getreten wurde und wird. Und wir spielen weiter mit dem Feuer: Eine Instabilität des Rechts wiegt schwerer als eine Instabilität der Finanzen.
Wer das nicht begreift, (der ist reif für die Klapsmühle - von der Red. geändert) dem hilft auch keine Zentralgewalt mehr. Der EZB ist es ausdrücklich untersagt, die Staatshaushalte zu finanzieren und dafür Staatsanleihen zu kaufen“. Wir benötigen keinen Vertragsbruch am Fließband, sondern einen Rechtsstaat!!
Anstatt bei den PIIG(F)S Steuern einzutreiben, plündert Graf Draghila lieber die Sparbücher der ehrlichen, aber stupid Nordländer.
Jetzt sollte man meinen, dass uns unsere Politiker vor diesen Raubzügen der EZB schützen. Falsch gedacht. Gerade unsere deutschen Hochverräter loben noch Graf Draghilas Gesetzesbrüche!! Frau Merkel ist sogar Herrn Weidmann demonstrativ in den Rücken gefallen, weil er die deutschen Sparer vor weiterer Ausplünderung schützen möchte. Was sollen wir mit Politiker machen, die ganz schamlos ihr eigenes Volk schädigen und in den Abgrund führen. In jedem anderem Land würde man Hochverräter an den Laternen baumeln lassen.

So bald die Deutschen physisch merken, dass sie Jahrzehnte umsonst geschuftet und gespart haben, nur damit Gangster und korrupte Kasten weiterhin in Saus und Braus leben können, dann wird Deutschland brennen und die Folgen für Europa werden schrecklich sein. Weltk*rieg II war dagegen eine kurze Episode der Geschichte.
Unsere Hochverräter an den Laternen baumeln sehen wäre Labsal für meine Seele. Kommt Zeit - kommt Rat.

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