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21.12.2011

15:35 Uhr

Anleihemarkt

EZB-Tender beruhigt Anleihe-Anleger kaum

Anleger bezweifeln, dass die Geschäftsbanken mit dem frischen Geld aus dem EZB-Tender Bonds der Euro-Peripheriestaaten kaufen werden. Deswegen suchten viele den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen.

Verschiedene Banken aus dem Euro-Raum haben sich bei der EZB 489,2 Milliarden Euro geliehen. dpa

Verschiedene Banken aus dem Euro-Raum haben sich bei der EZB 489,2 Milliarden Euro geliehen.

FrankfurtDie Freude über den warmen Geldregen der Europäischen Zentralbank (EZB) ist am Mittwoch schnell der Ernüchterung gewichen. Aufgrund nachlassender Hoffnungen, dass das frische Geld zum Kauf von Bonds der Euro-Peripheriestaaten genutzt wird, nahmen viele Anleger wieder Kurs auf den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen. Die Geschäftsbanken der Euro-Zone liehen sich für drei Jahre 489 Milliarden Euro von der EZB.

„Angesichts der strengen Überprüfung des Anleihe-Engagements der Banken bezweifeln wir, dass das Geld für Bond-Käufe ausgegeben wird“, schrieb RBS-Analyst Nick Matthews in einem Kommentar. Ein anderer Börsianer äußerte sich ähnlich: Offenbar zögen Investoren einen kleinen, aber sicheren Gewinn einem größeren, aber mit Risiken behafteten vor. Daher steckten sie ihr Geld in Bundesanleihen.

Nach Bekanntgabe des Tenders endete vorerst die seit einigen Tagen zu beobachtende Kurs-Erholung der zehnjährigen italienischen und spanischen Papiere. Die Renditen zogen auf 6,862 beziehungsweise 5,295 Prozent an. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, legte 50 Ticks auf 138 Punkte zu. Die Ernüchterung der Investoren bekam auch der Euro zu spüren. Er kostete mit 1,3040 Dollar rund einen halben US-Cent weniger als zum New Yorker Vortagesschluss.

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Christian Schulz, Volkswirt der Berenberg Bank, sah dennoch Chancen für einen Anstieg der Nachfrage nach Peripherie-Bonds. „Dies ist eine Einladung zum Kauf vor allem für kleinere, nicht börsennotierte Banken, die nicht den Stresstests der europäischen Bankenaufsicht EBA unterliegen. Für größere, börsennotierte Banken, denen im kommenden Jahr ein neuer Stresstest bevorsteht, ist die Motivation eher gering. Denn sie fürchten, dass die EBA für Peripherie-Bonds höhere Eigenkapitalquoten verlangen wird.“

Für Chris Wheeler, Analyst beim Devisen-Spezialisten Caxton FX, vereint der Mega-Tender der EZB Licht und Schatten: Er verringere zwar die Verspannungen am Geldmarkt, wo sich die Banken untereinander immer weniger Geld leihen. „Aber es unterstreicht auch den Ernst der Lagen in der Euro-Zone“, betonte er. „Dem Markt bleibt wieder einmal nur die Erkenntnis, dass die Vertreter der EU die Symptome und nicht die Ursache der aktuellen Schuldenkrise behandeln. 

Von

rtr

Kommentare (6)

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Spartakus

21.12.2011, 16:07 Uhr

Erst wenn die deutsche Vakuumpumpe aufhört Kapital ins Nichteuroausland zu transferieren wird sich die Lage im Euroraum noramlisieren.
Die enorme Gewinne die deutsche Konzerne im Euroraum realisieren, sind fast allein ins Nichteuroausland reinvestiert worden.
Mir, als nicht Deutscher, ist es egal wer die Gewinne macht, Hauptsache die Wirtschaften der Euroländer brummen.
Das ist aber wegen der deutschen Vakuumpumpe, nicht der Fall.
Es ist eigentlich eine Kapitalflucht vom Euroraum ins Nichteuroausland, über den permanenten deutscher Leistungbilanzüberschuss, im Gange.
Und das dürfen wir uns Europäer aller Couleurs nicht gefallen lassen, mit allen Mitteln, legal ode illegal, muss das verhindert werden.

Adolf

21.12.2011, 16:25 Uhr

@ Spartakus
Dei Legitimität des Ziels macht die Mittel legitim!

Bericht der Budesbank von 05.10.2011
"Dank der guten Entwicklung der Weltwirtschaft nahm die finanzielle Verflechtung Deutschlands mit dem Ausland erneut kräftig zu. Deutsche Kreditinstitute, Unternehmen, Privatanleger und staatliche Stellen erhöhten ihre Auslandsaktiva um mehr als ein Viertel (25,8 Prozent) auf 6 342 Milliarden Euro. Mit einem Plus von 28,1 Prozent auf 5 391 Milliarden Euro legten die Auslandspassiva noch kräftiger zu". Bleiben nach Adam Ries 951 Milliarden Aktiva für Deutschland.
Die fehlen im Euroraum, also ran an den (deutschen) Speck.

VMC

21.12.2011, 21:36 Uhr

Die fehlen nicht dem Euro-Raum sondern der arbeitenden deutschen Bevölkerung durch jahrzehntelangen Lohnverzicht.

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