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01.03.2016

19:25 Uhr

Anleihemarkt

Japan versteigert Anleihe mit Minus-Rendite

Bei der Versteigerung zehnjähriger Anleihen mit Minus-Renditen hat Japan umgerechnet knapp 20 Milliarden Euro verdient. Experten gehen davon aus, dass negative Renditen auch in anderen Industriestaaten folgen könnten.

Japan genießt nach wie vor eine hohe Kreditwürdigkeit, weshalb die Staatsanleihen besonders in einem unsicheren Umfeld gefragt sind. dpa

Die japanische Zentralbank in Tokio

Japan genießt nach wie vor eine hohe Kreditwürdigkeit, weshalb die Staatsanleihen besonders in einem unsicheren Umfeld gefragt sind.

Tokio/LondonAls erste der sieben führenden Industrienationen (G7) hat Japan mit der Versteigerung zehnjähriger Staatsanleihen Geld verdient. Bei der Auktion nahm das Land am Dienstag 2,4 Billionen Yen ein, umgerechnet rund 19,5 Milliarden Euro. Die niedrigste Rendite lag bei minus 0,015 Prozent.

Statt Zinsen für ihr Geld zu kassieren, zahlten die Investoren damit eine Art Gebühr auf ihren Leihbetrag. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt genießt trotz zuletzt schwächelnder Konjunktur nach wie vor eine hohe Kreditwürdigkeit, weshalb die Staatsanleihen besonders in einem unsicheren Umfeld gefragt sind.

Experten gehen davon aus, dass auch in anderen Industriestaaten negative Renditen Schule machen könnten. „Deutschland wird da als nächstes dran sein“, sagte Analyst Steve Barrow von der Standard Bank in London. Am Markt liegt die Rendite für die zehnjährige Bundesanleihe bei nur noch 0,1 Prozent, während alle Papiere mit kürzerer Laufzeit bereits in den negativen Bereich gefallen sind.

Derzeit summiert sich der Wert der Staatsanleihen mit einer negativen Rendite weltweit auf rund 5,9 Billionen Euro, wie Berechnungen der Großbank JP Morgan ergeben haben. Angesichts der Turbulenzen an den Aktienmärkten im Zuge des Ölpreisverfalls und der schwachen Weltkonjunktur kaufen Anleger weiter Anleihen, die als vergleichsweise sicheres Investment gelten. Deutsche Bundesanleihen etwa genießen beinahe Bargeldcharakter, da sie aufgrund des riesigen Marktes jederzeit problemlos verkauft und zu Geld gemacht werden können.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Bleiben die Renditen negativ, dürften sich die vorwiegend heimischen Käufer japanischer Anleihen bald im Ausland umsehen und dort vermehrt Geld anlegen, erwarten Experten. „Institutionelle Anleger, die zehnjährige Papiere mit negativer Rendite akzeptieren, gibt es nur wenige“, sagte Analystin Naomi Muguruma von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities.

„Es bleibt daher abzuwarten, ob die kommende Auktion einer Zehnjährigen auf so große Nachfrage treffen wird.“ Denn trotz des negativen Zinses hätte die Regierung in Tokio auch drei Mal so viel bei der Versteigerung einnehmen können, so groß war das Interesse der Geldgeber.

Von

rtr

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