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20.09.2012

17:24 Uhr

Anleihemarkt

Spanien stabil? Nicht gut für die Euro-Zone ...

Ein Zinsexperte der Royal Bank of Scotland warnt, dass die Hilfen für Spanien die Krise in Griechenland verschärfen könnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Hellenen den Euro verlassen, sieht er bei 90 Prozent.

Griechische Euromünze. Wie lange wird in Athen noch mit dieser Währung bezahlt? dpa

Griechische Euromünze. Wie lange wird in Athen noch mit dieser Währung bezahlt?

LondonDie angestrebte Stabilität Spaniens und Italiens, ausgelöst durch die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Aufkauf von Staatsanleihen, ist eine “gefährliche Entwicklung” für die Verhandlungsposition von Griechenland und könnte zu einem Austritt des Landes aus der Eurozone beitragen. Davor hat der leitende Zins-Stratege Harvinder Sian von der Royal Bank of Scotland (RBS) in einem Interview mit Bloomberg Television gewarnt.
Er sieht die Wahrscheinlichkeit für einen Austritt Griechenlands noch immer bei 90 Prozent - mit sich verstärkenden Debatten im nächsten Jahr im Anschluss an die Troika- Begutachtung und den Wahlen in den USA. Die griechischen Haushaltspläne und die Reformagenda des Landes hält er für nicht “erreichbar”. Unterm Strich könne der Anleiheaufkauf durch die EZB für die Eurozone als Ganzes negativ sein, sollte dadurch der Griechenland-Austritt ausgelöst werden.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Der Euro ist am Donnerstag von schwachen Konjunkturdaten und einer enttäuschend aufgenommenen Anleiheauktion in Spanien belastet worden. Im Tief kostete die Gemeinschaftswährung 1,2920 US-Dollar und damit so wenig wie zuletzt vor einer Woche. Am späten Nachmittag lag der Euro bei 1,2950 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,2954 (Mittwoch: 1,3002) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7720 (0,7691) Euro.
Händler erklärten die Euro-Verluste von etwa einem Cent im Tagesverlauf mit der größeren Risikoscheu an den Märkten. Hierzu trugen zum einen schwache Konjunkturzahlen aus Asien und Europa bei. So deuten jüngste Zahlen zum japanischen Außenhandel und zur chinesischen Industriestimmung auf eine schwache Wirtschaftsentwicklung hin. Ähnliches gilt für den Euroraum. Dort gab der stark beachtete Einkaufsmanagerindex weiter nach, wenngleich der Rückgang vor allem auf schwache Zahlen aus Frankreich zurückgeht. In Deutschland hellte sich die Stimmung auf.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Kommentare (18)

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Nostradamus

20.09.2012, 17:47 Uhr

Warum weden die Behauptungen nicht begründet? Warum ist die Stabilisierung von Itakien und Spanien schlecht für Griechenland, und warum ist ein Austritt Griechenland schlecht für den Euro?

Rechner

20.09.2012, 17:58 Uhr

O-Ton Harvinder Sian von der Royal Bank of Scotland
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Unterm Strich könne der Anleiheaufkauf durch die EZB für die Eurozone als Ganzes negativ sein, sollte dadurch der Griechenland-Austritt ausgelöst werden.
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LOL!

Offensichtlich ist keine Meinungsäußerung so abstrus daß sie die Handelsblattredaktion nicht in einem Artikel unkritisch widergeben würde.

Denn ein "Austritt" Griechenlands wäre für die Eurozone natürlich positiv. Eine Kleoptokratie zu finanzieren ist nicht der Sinn eines Währungsverbunds, und schwächt seine Mitglieder dauerhaft.

+++

O-Ton Harvinder Sian von der Royal Bank of Scotland
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eine “gefährliche Entwicklung” für die Verhandlungsposition von Griechenland
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Daß die Griechen durch die Stabilisierung Italiens und Spaniens Erpressungspotential verlieren gefällt dem Dummzocker von der staatsgeretteten Libor-Betrüger- und Pleitebank nicht.

Vielleicht, WEIL es gut für den Euro, für Europa und für Deutschland ist?

Republikaner

20.09.2012, 18:04 Uhr

Die Schotten können weiter träumen: die Griechen bleiben drin - weil so beschlossen von Gremien und Institutionen, die wir nicht kennen und die wir nicht gewählt haben. Die Griechen haben den 12.9. geschafft und das wars - die können seit diesem Zeitpunkt auf unendliche Alimentierung setzen.

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