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18.01.2011

14:41 Uhr

Anleihen

Anleger greifen bei griechischen Geldmarktpapieren zu

Griechenland will seine Schulden pünktlich tilgen, wie das Finanzministerium versichert. Der stellvertretende Regierungschef hatte noch über die Vorteile einer späteren Rückzahlung spekuliert. Investoren lassen sich nicht verunsichern und greifen bei Geldmarktpapieren mit kurzer Laufzeit zu.

FOKUS 3-Griechenland kommt trotz Schuldenwirren an frisches Geld= * Finanzministerium: Sprechen nicht über spätere Kredit-Rückzahlung * Stellvertretender Regierungschef bringt das ins Spiel * Ausländische Investoren greifen bei Geldmarktpapieren zu

HB ATHEN. Die Verwirrung um eine möglicherweise verspätete Rückzahlung griechischer Staatsschulden hat Investoren nicht abgeschreckt: Bei der Ausgabe von Geldmarktpapieren griffen Anleger am Dienstag gerne zu und liehen dem hoch verschuldeten südosteuropäischen Euro-Staat 650 Millionen Euro. Für Beruhigung sorgte, dass sich die griechische Regierung trotz anderslautender Aussagen des stellvertretenden Ministerpräsidenten zu einer pünktlichen Rückzahlung der Schulden bekannte: "Es steht nicht zur Debatte, dass wir unsere Schulden mit Verspätung zahlen", sagte ein Regierungssprecher.

Vize-Regierungschef Theodoros Pangalos hatte in der Nacht zum Dienstag gesagt, es könnte Griechenland in der Schuldenkrise helfen, seine Anleihen später zurückzuzahlen. Dabei gehe es nicht nur um die Hilfskredite von Europäischer Union (EU) und Internationalem Währungsfonds (IWF), sondern auch um die Titel im Besitz privater Anleger. "Herr Pangalos hat damit seine persönliche, politische Meinung ausgedrückt", sagte der Regierungssprecher. Ähnlich sehen es auch Marktexperten: "Es war ein verbaler Lapsus", sagte Bremer-Landesbank-Analyst Folker Hellmeyer. Das Thema stehe überhaupt nicht auf der Agenda, denn Griechenland mache Fortschritte auf seinem Reformkurs.

Auch Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou verwies auf die Erfolge. Sowohl die EU-Kommission als auch die Europäische Zentralbank (EZB) hätten sich positiv über die bisherigen Fortschritte Griechenlands bei der Haushaltssanierung geäußert, sagte er. "Die Haushaltskonsolidierung 2010 war bemerkenswert - ein Defizitabbau um sechs Prozent der Wirtschaftsleistung, das hat so noch niemand geschafft."

Die Investoren honorierten den Sparkurs: Bei der Emission von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von drei Monaten liehen sie Griechenland 650 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 4,1 Prozent und damit dem gleichen Zins wie bei der vorangegangenen Auktion im November. 80 Prozent der Anleihen ging in die Hände ausländischer Investoren, sagte der Chef der Finanzagentur, Petros Christodoulou. Noch 2011 wolle sich Griechenland wieder an den Kapitalmarkt wagen, sagte Papakonstantinou, das heißt, eine Anleihe mit einer Laufzeit von mindestens zwei Jahren auf den Markt bringen.

Experte Hellmeyer sieht Chancen für Griechenland im vierten Quartal: Bis dahin dürften die Reformen Erfolge zeigen. Allerdings sei wohl nicht damit zu rechnen, dass Griechenland sich mit einem lange laufenden Bond auf den Markt wage: "Ich rechne mit einer Laufzeit von zwei bis drei Jahren."

Griechenland hatte im Mai 2010 einen Hilfskredit über 110 Milliarden Euro von EU und IWF erhalten, um die Zahlungsunfähigkeit zu verhindern. Im Gegenzug sagte das Land zu, seinen Haushalt unter Kontrolle zu bringen und Reformen in der Wirtschaft einzuleiten. Die EU- und IWF-Hilfen haben eine Laufzeit bis 2013. Allerdings hatten sich die Euro-Staaten bereits 2010 auf eine Verlängerung der Laufzeiten geeinigt. Dies soll beschlossen werden, wenn über die Reform des Euro-Rettungsschirms EFSF entschieden wird.

Der Kurs des Euro ist am Dienstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3371 (Montag: 1,3311) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7479 (0,7513) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,83565 (0,83610) britische Pfund, 110,29 (109,91) japanische Yen und 1,2812 (1,2854) Schweizer Franken fest.

Kommentare (3)

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Ernst Leimann

18.01.2011, 17:40 Uhr

Was soll das Gerede "investoren lassen sich nicht verunsichern".Die groessten investoren sind die banken.bei den Zinssaetzen und dann auch noch garantiert vom europaeischen Steuerzahler.Einen besseren Deal gibt es doch garnicht.

Frank

19.01.2011, 19:24 Uhr

Lieber Ernst,

es steht auch Dir frei, Griechische Anleihen zu kaufen. Auch für Dich gibts die Zinsen garantiert vom Steuerzahler wie Du das so schön formuliert hast....

Bruno

21.01.2011, 08:26 Uhr

im Prinzip sind die Meinungen richtig; aber eben nur "im Prinzip!" bei den hohen Renditen ist eben doch eine "Zitterprämie" eingepreist. Wenn die vorgegebenen Sparziele nicht erreicht werden können, gibt es vom iWF und Rettungsfond kein Geld und somit können die Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt werden.Gründe: Sparpläne können z.b. politisch nicht durchgesetzt werden oder es fehlt einfach an der Akzeptanz der betroffenen bevölkerung. Dann stellt sich die Frage: Wat nu?

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