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14.11.2016

15:06 Uhr

Anleihen

Ausverkauf am europäischen Bondmarkt

Die bevorstehende US-Präsidentschaft Donald Trumps könnte Experten zufolge der seit drei Jahrzehnten andauernden Rally am Anleihemarkt ein Ende setzen. Investoren schichten in großem Stil Geld von Anleihen in Aktien um.

Euro-Münzen aus Deutschland, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien auf einer EU-Fahne. Die Renditen der europäischen Anleihen sind als Folge des Ausverkauf am Bondmarkt deutlich gestiegen. dpa

Euro-Münzen

Euro-Münzen aus Deutschland, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien auf einer EU-Fahne. Die Renditen der europäischen Anleihen sind als Folge des Ausverkauf am Bondmarkt deutlich gestiegen.

Das Anleihekauf-Programm der Europäischen Zentralbank wird ausgebremst, da die Aussicht auf höhere Fiskalausgaben der Regierung von Donald Trump in den USA die Bondrenditen weltweit in die Höhe treibt. Der globale Ausverkauf lässt die Renditen überall im Euroraum steigen, auch wenn die Bonds von der quantitativen geldpolitischen Lockerung der EZB über monatliche Anleihekäufe im Volumen von 80 Milliarden Euro gestützt werden.

Zwar werden durch die höheren Renditen mehr Anleihen für die Käufe der Zentralbank verfügbar. Doch können die höhere Renditen auch negativ für die Wirtschaft sein, indem die Finanzierungskosten wieder steigen. Die EZB wird ihre nächsten geldpolitischen Entscheidungen auf der Ratssitzung am 8. Dezember bekanntgeben.

Die 10-jährige deutsche Benchmark-Anleihe nimmt Kurs auf die längste Talfahrt seit Mai 2015 und die Rendite 10-jähriger Italien-Bonds kletterte auf den höchsten Stand seit Juli 2015. Auch die britischen Gilts weiteten ihre Kursverluste aus.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

„Trump hat die Latte für die Dezember-Sitzung höher gelegt“, sagte David Schnautz, Stratege für Festverzinsliche bei der Commerzbank AG in London. „Mit einem Anstieg der Renditen, aus Gründen die nicht im Binnenmarkt liegen, wird die EZB nicht glücklich sein. Sie sind in Zugzwang geraten. Die Leute blicken nach vorne auf die Dezember-Sitzung und warten, was geschehen wird.“

Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe kletterte am Montag bis mittags um knapp acht Basispunkte auf 0,385 Prozent. Die 30-jährige Rendite stieg erstmals seit Mai über 1,0 Prozent. Italiens 10-jährige Bonds rentierten 18 Basispunkte höher bei 2,20 Prozent.

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