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28.06.2016

14:22 Uhr

Anleihen

Britische Bonds notieren weiter am Rekordtief

Die Herabstufung der Bonität Großbritanniens hat Anleihe-Anleger kaum beeindruckt. Im Gegenzug stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen, weil die Anleger umschichteten.

Britische Fünf,  Zehn- und 20-Pfundnoten: Die Rendite der britischen Bonds notiert weiterhin im Keller. dpa

Das britische Pfund

Britische Fünf, Zehn- und 20-Pfundnoten: Die Rendite der britischen Bonds notiert weiterhin im Keller.

Frankfurt Die Rendite der zehnjährigen britischen Bonds stieg am Dienstag zwar auf 0,986 Prozent, blieb aber in Reichweite des Rekordtiefs von 0,933 Prozent. Ein Teil dieser Entwicklung sei auf die Rally am Aktienmarkt zurückzuführen, sagten Börsianer.
Investoren schichteten um, weil sie sich dort größere Erträge erwarteten. Daher mussten auch die als sicher geltenden Bundesanleihen Federn lassen. Die Rendite der zehnjährigen Titel stieg auf minus 0,088 von minus 0,106 Prozent. Daneben verhinderten Spekulationen auf Zinssenkungen der Bank von England (BoE) größere Verkäufe bei britischen Anleihen, so Börsianer. Denn in diesem Fall würden neu ausgegebene Bonds niedriger verzinst als die aktuellen.

Joe Rundle, Chef-Händler des Brokerhauses ETX Capital, warnte allerdings davor, auf eine langfristig hohe Nachfrage nach britischen Anleihen zu setzen. Die Herabstufung der Bonität sei nur das erste Zeichen für „erhebliche realwirtschaftliche Auswirkungen“ des Brexit. „Großbritannien hat immer noch ein großes Defizit und steuert auf eine Rezession zu. Eine Rating-Herabstufung, die die staatliche Schuldenaufnahme verteuert, ist das Letzte, was das Land braucht.“

Die Rating-Agenturen S&P und Fitch haben dem Land nach dem Anti-EU-Votum wegen der Risiken für die Wirtschaft die Bestnote „AAA“ entzogen. Dies treibt üblicherweise die Finanzierungskosten für den Staat und die Unternehmen in die Höhe.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Auftrieb hingegen haben am Dienstag die Kurse der südeuropäischen Anleihen erhalten. Im Gegenzug fielen die Renditen der zehnjährigen Titel aus Italien, Portugal und Griechenland auf 1,368 Prozent, 3,221 Prozent und 8,642 Prozent. Die spanischen Papiere rentierten mit 1,359 Prozent zeitweise so niedrig wie zuletzt vor mehr als einem Jahr. Hintergrund waren Spekulationen auf eine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik.

„Wenn wir davon ausgehen, dass die britische Entscheidung zu geringerem Wachstum und geringerer Inflation in der Euro-Zone führt, ist es logisch, von der EZB weitere Maßnahmen zu erwarten“, sagte Anleihestratege Patrick Jacq von der Bank BNP Paribas. Denkbar seien weitere Zinssenkungen oder eine Ausweitung der Anleihekäufe.

Aktuell kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Staatsanleihen im Volumen von 80 Milliarden Euro monatlich auf, um die heimische Konjunktur anzukurbeln und die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abzuwenden.

Als Reaktion auf das Brexit-Referendum vom Donnerstag fiel das für die EZB-Geldpolitik wichtige Inflationsbarometer, der sogenannte Five-Year-Five-Year-Forward, zeitweise auf ein Rekordtief 1,2671 Prozent.
Dies bedeutet, Investoren gehen davon aus, dass - beginnend in fünf Jahren - die Inflation über einen Zeitraum von fünf Jahren bei etwa 1,2671 Prozent und damit unter der EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent liegen wird.

Von

rtr

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