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16.05.2013

15:59 Uhr

Anleihen

Bundesanleihen büßen Gewinne wieder ein

Bis zum Mittag sah es gut für die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen aus, doch dann verloren sie ihre Gewinne wieder. Besser stehen spanische und italienische Bonds da. Frankreich konnte sich mit Geld eindecken.

Zwei-Euro-Münzen mit dem Bundesadler darauf: Bundesanleihen notierten leichter. dpa

Zwei-Euro-Münzen mit dem Bundesadler darauf: Bundesanleihen notierten leichter.

Deutsche Anleihen haben am Donnerstag anfängliche Gewinne wieder eingebüßt und notierten gegen Mittag kaum verändert. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen lag zuletzt bei 1,38 Prozent auf dem Niveau des Vortages. Der Terminkontrakt Bund-Future war vier Basispunkte leichter bei 144,61 Prozent.

Aufwärts ging es hingegen für spanische und italienische Anleihen. Beide Länder hatten in den vergangenen zwei Tagen Anleihen im Volumen von insgesamt 13 Milliarden Euro über Banken platziert. Dies deutet auf eine anhaltende Nachfrage nach Papieren aus Italien und Spanien hin.

„Spanien und Italien haben in den vergangenen Tagen ein bisschen Boden verloren, weil sie eine Menge neue Anleihen absorbierten“, sagte Nick Stamenkovic, Stratege bei RIA Capital Markets Ltd. in Edinburgh. „Das ist jetzt vorbei und der Markt stabilisiert sich. Bundesanleihen folgen eher dem US-Markt als den Entwicklungen an der Peripherie.“

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Zehnjährige spanische Anleihen rentierten sieben Basispunkte niedriger mit 4,27 Prozent, bei vergleichbaren italienischen Papieren sank die Rendite fünf Basispunkte auf 3,96 Prozent.

Treasuries waren etwas leichter. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatspapiere war bei 1,94 Prozent einen Basispunkt höher.

Am Primärmarkt beschaffte sich Frankreich 8 Milliarden Euro über Anleihen mit Fälligkeiten zwischen 2015 und 2018. Außerdem begab das Land inflationsgeschützte Papiere mit Laufzeiten bis 2018, 2019 und 2024. Hier lag das Volumen bei 1,192 Milliarden Euro. Aus Großbritannien kamen Bonds mit Fälligkeit 2044 im Volumen von 2,5 Milliarden Pfund. Die Rendite lag bei 3,293 Prozent.

Im Unternehmensbereich steht eine Emission von Robert Bosch GmbH an. Über die niederländische Finanzierungstochter beschafft der Autozulieferer 1,25 Milliarden Euro in zwei Tranchen, wie aus informierten Kreisen verlautete. Mit der Emission zapft das Unternehmen erstmals seit 2009 wieder die Anleihemärkte an.

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