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29.01.2014

14:34 Uhr

Anleihen

China riskiert eine Finanzkrise

VonFinn Mayer-Kuckuk

Die chinesischen Behörden retten eine marode Firma nach der anderen. Anleger freut das: Ihre Anleihen werden so in jedem Fall bedient. Doch birgt die Praxis enorme Risiken. Nicht nur Chinas Wachstum steht auf dem Spiel.

Der chinesische Drache könnte bald leiser brüllen. Sollten die Behörden weiter insolvente Unternehmen mit Staatsgelder retten, werde das Wachstum der aufstrebenden Volkswirtschaft darunter leiden, sagen Ökonomen. ap

Der chinesische Drache könnte bald leiser brüllen. Sollten die Behörden weiter insolvente Unternehmen mit Staatsgelder retten, werde das Wachstum der aufstrebenden Volkswirtschaft darunter leiden, sagen Ökonomen.

PekingDas chinesische Finanzsystem ist ein kuscheliger Ort für Bankmanager. Sie konnten bisher fast beliebige Risiken eingehen, ohne wirklich einen Ausfall fürchten zu müssen. Die Ereignisse der vergangenen Tage haben das erneut bewiesen. In den vergangenen Wochen zeichnete sich zunächst der Ausfall eines ziemlich gammeligen Wertpapiers ab: Das Produkt „Kredit so sicher wie Gold – Premiumfonds“ muss Ende des Monats Geld an die Anleger ausschütten, ist jedoch praktisch insolvent. Doch nun hat eine Provinzregierung den 360 Milliarden schweren Anleihe-Fonds gerettet.

Ökonomen sehen in diesem Verhalten erhebliche Gefahren für das chinesische Wirtschaftssystem. „Die Gebietskörperschaften haben bereits zahlreiche Firmen durch direkte Überweisungen gerettet, um eine Insolvenz an ihrem Standort zu vermeiden“, sagt Ökonom Zhang Zhiwei von dem Brokerhaus Nomura. „Aufsichtsbehörden haben es zudem toleriert, dass der graue Kapitalmarkt sich enorm ausgedehnt hat.“

Anstatt die Anleger jetzt an den Verlusten zu beteiligen, retten sie jedoch ein fragwürdiges Produkt nach dem anderen – im Sinne sozialer und finanzieller Stabilität. „Doch am Ende schafft das Sorglosigkeit und moralische Gefahren”, sagt Zhang.

Refinanzierungsbedarf der größten Staaten der Welt 2014

USA

Fällige Bonds: 3,1 Billionen Dollar

Schatzanweisungen: 218 Milliarden Dollar

Japan

Fällige Bonds: 2,4 Billionen Dollar

Schatzanweisungen: 87 Milliarden Dollar

Italien

Fällige Bonds: 468 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 79 Milliarden Dollar

Frankreich

Fällige Bonds: 410 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 61 Milliarden Dollar

Deutschland

Fällige Bonds: 268 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 39 Milliarden Dollar

Kanada

Fällige Bonds: 248 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 13 Milliarden Dollar

Großbritannien

Fällige Bonds: 181 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 75 Milliarden Dollar

China

Fällige Bonds: 143 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 58 Milliarden Dollar

Brasilien

Fällige Bonds: 121 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 24 Milliarden Dollar

Indien

Fällige Bonds: 85 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 47 Milliarden Dollar

Russland

Fällige Bonds: 10 Milliarden Dollar

Schatzanweisungen: 11 Milliarden Dollar

Dabei wären die Anleger eigentlich selbst schuld, wenn sie auf Miesen sitzenbleiben. Das jüngst gerettete Wertpapier hat zehn Prozent Rendite ohne Risiko versprochen – zu schön, um wahr zu sein, zumindest ohne das magische Eingreifen der Behörden.

Auch eine Nachfrage zur Verwendung des Geldes hätte misstrauisch machen müssen. Die Mittel der Anleger sind ausschließlich in eine Kohlefirma aus einer Smog-Provinz geflossen: in die Shanxi Zhenfu Energy Group. Die steht jedoch schon länger vor der Pleite und hat das viele Geld gebraucht, um Altkredite zu bedienen – als letzte lebenserhaltende Maßnahme vor dem endgültigen Kollaps.

Wenn so leichtfertig mit Anlegergeld verfahren wird, dann leidet die Effizienz, klagt Ökonom Zhang. Kapital ist auch in China kostbar – wenn es in solch tiefen Löchern verschwindet, kann es nicht als Investition zu künftigem Wohlstandsgewinn beitragen. Die Folge sei ein Absinken des Wachstums. „Auch das Risiko einer systemweiten Finanzkrise steigt auf diese Weise erheblich an“, warnt Zhang.

Kommentare (5)

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RumpelstilzchenA

29.01.2014, 15:22 Uhr

Sicher besteht ein hohes Risiko. Die Europäer machen es nicht anders und alle - Politiker, Medien - klatschen Beifall. Anders Denkende werden verteufelt!
Man sollte nicht mit Steinen werfen, wenn man selbst im Glashaus sitzt.

r-tiroch@t-online.de

29.01.2014, 16:59 Uhr

alles deutet auf einen wahnsinnigen Finanz-Knall hin, auch wenn es keiner wahrhaben will. aber der IWF bringt ja im März eine neue Weltwährung, gell?

willkohle

29.01.2014, 17:15 Uhr

Das System ist doch viel zu Systemrelevant um es kollabieren zu lassen. Noch ist nicht aller Tage abend und man kann noch massig Gewinne einfahren. ich brauche nur noch 14 Monate leute, BIITTEE!!!

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