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20.01.2015

15:57 Uhr

Anleihen

Deutsche Staatsanleihen werden ohne Kupon gehandelt

Bei der am Mittwoch stattfindenden Auktion deutscher Staatsanleihen werden Käufer wohl erstmals auf einen Kupon verzichten müssen. Möglich wird das durch die hohe Nachfrage.

Deutschland Staatsanleihen bietet erstmals ohne Kupon an, möglich macht das die hohe Nachfrage. Die könnte dank der EZB sogar noch steigen. dpa

Deutschland Staatsanleihen bietet erstmals ohne Kupon an, möglich macht das die hohe Nachfrage. Die könnte dank der EZB sogar noch steigen.

FrankfurtZum ersten Mal überhaupt müssen Käufer deutscher Staatspapiere mit fünf Jahren Laufzeit auf einen Kupon verzichten. Die hohe Nachfrage nach sicheren deutschen Schuldverschreibungen erlaubt es, die Gläubiger leer ausgehen zu lassen.

Am Mittwoch findet eine Auktion von Obligationen statt, die im April 2020 fällig werden. Die Nachfrage könnte in Anbetracht eines möglichen Staatsanleihekaufprogramms noch anziehen. Volkswirte rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag derartige quantitative Maßnahmen ankündigen wird. Ein solcher Schritt würde die Menge ausstehender Papiere am Sekundärmarkt verringern.

Die Rendite deutscher Fünfjähriger notiert derzeit wenig verändert bei minus 0,044 Prozent. Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien und die Niederlande haben in diesem Jahr Anleihen zu rekordniedrigen Renditen begeben und damit von den Aussichten auf ein Kaufprogramm der EZB profitiert.

EZB steht vor weiteren historischen Schritten

EZB-Rat

Das Führungsgremium der Notenbank entscheidet ab Januar 2015 nur noch alle sechs Wochen über die Geldpolitik im Euroraum, erster Termin dafür ist der 22. Januar. Bisher gab es in der Regel am ersten Donnerstag jedes Monats eine Zinsentscheidung der EZB. Draghi begründete den neuen Turnus mit überzogenen Erwartungen der Märkte: Würden diese enttäuscht, komme es zu Konsequenzen – ohne dass es dafür einen ökonomischen Grund gebe. „Die EZB sollte aber nicht jeden Monat handeln. Deshalb haben wir uns entschieden, dass der Sitzungskalender mit monatlichen Treffen zu eng ist“, erklärte der Italiener Anfang Juli.

Neubau

Ihre neue Zentrale im Frankfurter Ostend hat die EZB bereits im November bezogen, am 18. März 2015 soll sie feierlich eröffnet werden. Das Ensemble aus zwei gläsernen Türmen - 165 und 185 Meter hoch - sowie der denkmalgeschützten ehemaligen Großmarkthalle bietet Platz für 2900 Mitarbeiter. Die Kosten für den Neubau am Mainufer waren mehrfach nach oben korrigiert worden, jüngste Schätzung: 1,3 Milliarden Euro. Die Endabrechnung soll Ende 2015 vorliegen.

Protokolle

Ein weiteres Novum: Die Notenbank wird ab 2015 regelmäßig Zusammenfassungen der Beratungen des EZB-Rates veröffentlichen – und zwar jeweils vor der folgenden Sitzung. Bislang lagen die Mitschriften für 30 Jahre unter Verschluss. Die neue Transparenz sei „ein weiterer Weg, um unsere Maßnahmen und die ihnen zugrundeliegenden Erörterungen zu erläutern“, erklärte Draghi. Schließlich sei das Vertrauen der Bevölkerung in die Geldpolitik immens wichtig.

Stimmrechte

Im EZB-Rat galt bisher das Prinzip: ein Land, eine Stimme. Mit dem Euro-Beitritt Litauens ändert sich das. Ab 2015 wird rotiert. Im Mai darf Bundesbank-Präsident Jens Weidmann deshalb erstmals keine Stimme bei den geldpolitischen Entscheidungen abgeben. Hintergrund ist ein EU-Beschluss von 2003, wonach das Stimmrecht in dem Gremium rotiert, sobald die Eurogruppe mehr als 18 Mitglieder hat. Das soll sicherstellen, dass auch dann rasch und effizient entschieden werden kann, wenn die Währungsunion größer wird. Das System tritt mit dem Eurobeitritt Litauens zum 1. Januar in Kraft.

Anleihenkäufe

Die Inflation ist gefährlich niedrig, das viele billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt die Wirtschaft bislang nicht wie von den Währungshütern gewünscht in Schwung. Viele Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die Notenbank Anfang 2015 den Weg für Anleihenkäufe in großem Stil freimachen wird („Quantitative Easing“, QE). Befürworter hoffen, dass der Erwerb von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die Notenbank die Wirtschaft ankurbelt – und zugleich die Inflation wieder in Richtung des EZB-Zieles befördert. EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass die Vorbereitungen für neue Eingriffe weit fortgeschritten seien. Ausdrücklich nannte er dabei QE, wobei auch Staatsanleihenkäufe im Rahmen des Mandats der EZB möglich seien.

Zinsen

„Die Zinsen werden niedrig, niedrig, niedrig bleiben. Die Geldflut der Zentralbanken wird anhalten“, prognostizierte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau im Dezember. Europas Währungshüter selbst haben immer wieder bekräftigt, dass sie die Zinsen auf absehbare Zeit nahe Null halten werden. Dass der Leitzins im Euroraum noch unter das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt wird, gilt allgemein als unwahrscheinlich. Draghi selbst hatte eingeräumt, beim Leitzins sei „der untere Rand erreicht“.

Trotz der Magerzinsen sind Anleiheinvestoren mit deutschen Papieren im vergangenen Jahr nicht schlecht gefahren. Auf Sicht von zwölf Monaten brachten die Anleihen einen Ertrag von elf Prozent, wie aus den Bloomberg World Bond Indizes hervorgeht.

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