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13.09.2017

20:15 Uhr

Anleihen

Die Zinswende kommt – ganz langsam

VonAndrea Cünnen

Ökonomen glauben, dass die EZB ab Januar ihre Anleihekäufe zurückfahren wird. Das wird auch die Bondrenditen steigen lassen. Aber das ist noch kein Grund zum Jubeln: Auf attraktive Zinsen müssen Anleger noch lange warten.

Immer noch bekommen Anleger für zehnjährige Bundesanleihen sehr wenig Geld. Bis zu einer Laufzeit von acht Jahren sind die Renditen sogar negativ. Imago

Umgedrehtes Sparschwein

Immer noch bekommen Anleger für zehnjährige Bundesanleihen sehr wenig Geld. Bis zu einer Laufzeit von acht Jahren sind die Renditen sogar negativ.

FrankfurtEigentlich mag Sintje Boie das Wort „Zinswende“ gar nicht mehr in den Mund nehmen. Zu lange warten Investoren schon darauf, dass sich die Anlage in festverzinsliche Wertpapiere wieder lohnt. Dennoch ist die Anleiheanalystin der HSH Nordbank überzeugt: Irgendwann muss die Zinswende kommen, und das dürfte im nächsten halben Jahr der Fall sein.

Grund zum Jubeln ist das für Anleger allerdings noch lange nicht. Boie rechnet damit, dass die Rendite der in zehn Jahren fälligen deutschen Staatsanleihe bis März 2018 auf ein Prozent steigen wird. Das wäre immer noch zu wenig, um Anleger für die Inflationsrate von zuletzt 1,5 Prozent im Euro-Raum zu entschädigen. In Deutschland stiegen die Verbraucherpreise zuletzt sogar um 1,8 Prozent.

Dennoch: Im Juni 2016 – kurz nach dem Votum der Briten gegen die EU – hatte die zehnjährige Bund-Rendite mit minus 0,2 Prozent ein historisches Tief erreicht. Inzwischen liegt sie bei 0,4 Prozent. Die Zinswende hat also im Grunde genommen schon begonnen, aber sie vollzieht sich nur sehr langsam. Das dürfte auch so weitergehen.

Denn Boie von der HSH Nordbank gibt mit ihrer Prognose von einem Prozent schon die höchste Schätzung ab. Die anderen sechs Banken, die der Bundesverband öffentlicher Banken (VÖB) am Mittwoch zu seiner halbjährlichen Zinsprognose-Pressekonferenz eingeladen hatte, sind deutlich skeptischer. BayernLB und DZ Bank zum Beispiel erwarten einen Renditeanstieg auf gerade mal ein halbes Prozent.

Zins-Prognosen im Überblick

DZ Bank

Die DZ Bank rechnet bis März 2018 mit einem nur ganz leichten Anstieg der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 0,5 Prozent. Für September 2018 prognostiziert das Spitzeninstitut der genossenschaftlichen Banken eine Rendite von 0,75 Prozent. In den USA sollte die Rendite zehnjähriger US-Treasuries auf Sicht von einem halben Jahr be9 2,4 und auf Sicht von einem Jahr bei 2,6 Prozent liegen.

Stand: 13. September 2017

BayernLB

Auch die BayernLB geht davon aus, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe im März 2017 bei 0,5 Prozent liegt. Im September 2018 sollte sie dann bei 0,8 Prozent liegen. Die Rendite der zehnjährigen US-Anleihe wird nach Meinung der BayernLB in sechs Monaten auf 2,5 Prozent und in zwölf Monaten auf 2,8 Prozent steigen.

Stand: 13. September 2017

Helaba

Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) erwartet, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe im März 2018 bei 0,6 Prozent liegen wird. Bis September 2018 sollte sie dann auf 0,8 Prozent anziehen. In den USA rechnet die Helaba mit Renditeanstiegen der zehnjährigen Anleihe 2,5 Prozent in sechs und 2,8 Prozent in zwölf Monaten.

Stand: 13. September 2017

LBBW

Volkswirt Elmar Völker rechnet damit, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe in einem halben Jahr bei 0,6 Prozent liegen wird. Die Rendite-Marke von einem Prozent dürfte die zehnjährige Bundesanleihe dann im Mai 2017 erreichen. In den USA prognostiziert Völker einen Anstieg der zehnjährigen Treasury-Rendite auf 2,6 in sechs und auf drei Prozent in zwölf Monaten.

Stand: 10. Mai 2017

Dekabank

Die Dekabank erwartet, dass die zehnjährige Bund-Rendite auf Sicht von sechs Monaten im März 2018 auf 0,65 Prozent anziehen wird. Bis September 2018 erwartet die Dekabank dann einen leichten Anstieg auf 0,85 Prozent. Für die zehnjährige US-Rendite prognostiziert das Haus einen Anstieg auf 2,3 Prozent in sechs und auf 2,45 Prozent in zwölf Monaten.

Stand: 13. September 2017

NordLB

Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) prognostiziert auf Sicht von sechs Monaten einen Anstieg der zehnjährigen Bund-Rendite auf 0,7 Prozent bis zum März 2018. Die Marke von einem Prozent sollte die zehnjährige Bund-Rendite dann im September 2018 erreichen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen wird laut NordLB auf 2,50 Prozent bis März 2018 und auf 2,7 Prozent bis September 2018 steigen.

Stand: 13. September 2018

HSH Nordbank

Die HSH Nordbank hat die höchsten Prognosen unter den befragten Häusern. Sie geht davon aus, dass die zehnjährige Bund-Rendite in einem halben Jahr bei einem Prozent liegen wird. In einem Jahr sollte sie dann auf 1,3 Prozent steigen. Auch für zehnjährige US-Staatsanleihen prognostiziert die HSH Nordbank einen deutlicheren Renditeanstieg, und zwar auf 2,6 Prozent in einem halben und auf 3,1 Prozent in einem Jahr.

Stand: 13. September 2017

Das ist erstaunlich, denn von Ende Juni bis Mitte Juli war die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Maßstab für die Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum gilt, schon von einen viertel Prozent auf 0,6 Prozent gestiegen. Damals war der Auslöser, dass Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), erstmals andeutete, dass die EZB ihre umstrittenen Anleihekäufe reduzieren wird.

Das kam nicht überraschend, denn dass die EZB mit ihren seit März 2015 laufenden Anleihekäufen langsam an ihre Grenzen stößt, ist schon lange klar. Dennoch hatte sich der Markt offensichtlich noch nicht auf das Zurückfahren der Anleihekäufe - im Jargon Tapering - von aktuell noch 60 Milliarden Euro monatlich eingestellt.

Insgesamt hat die EZB Anleihen – vor allem Staatspapiere – im Umfang von mehr als zwei Billionen Euro gekauft. Mit den Käufen will die EZB Kreditvergabe, Wirtschaft und Inflation ankurbeln. Um dieses Ziel zu erreichen, hält sie außerdem den Leitzins bei null Prozent und hat den Einlagensatz, zu dem sich Banken über Nacht Geld bei der Zentralbank leihen können, auf minus 0,4 Prozent gesenkt. Banken zahlen also einen Strafzins, wenn sie Geld bei der EZB anlegen, anstatt es zu verleihen.

Das hat die Zinswelt auf den Kopf gestellt, noch heute rentieren viele Anleihen im Minus. In der Euro-Zone ist dies in Deutschland am stärksten ausgeprägt: Die zweijährige Bundesschatzanweisung rentiert mit minus 0,7 Prozent, und eine positive Verzinsung gibt es erst bei Bundesanleihen ab einer Laufzeit von acht Jahren. Viele Länder nutzen das niedrige Zinsniveau aus und begeben Anleihen mit längeren Laufzeiten, um sich günstig zu refinanzieren. Am Dienstag hatte Österreich sich für 100 Jahre Geld geliehen.

Kommentare (1)

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Herr Claus Fischbach

14.09.2017, 10:36 Uhr

Egal ....wann die Zinswende kommt. Gute Zinsen für Erspartes wird es nicht geben. Ich kann nur empfehlen ...... investieren in Immobilien ... 8 - 10% p.a. sind immer drin.

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