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09.01.2013

08:23 Uhr

Anleihen

Diese Staatspapiere könnten sich 2013 lohnen

VonSara Zinnecker

2012 war das Jahr des Schuldenmachens. Mehr Geld als je zuvor haben sich die EU-Staaten am Kapitalmarkt geliehen, Anleger haben von hohen Renditen profitiert. Welche Bonds auch 2013 gute Renditen abwerfen.

Die Schuldenuhr des Bundes: Deutschland hat in Europa die meisten Schulden. dpa

Die Schuldenuhr des Bundes: Deutschland hat in Europa die meisten Schulden.

DüsseldorfDeutschland ist nicht nur das bevölkerungsreichste Land in der Europäischen Union, es ist auch das Land mit den höchsten Schulden. Mit 2,09 Billionen Euro standen Bund, Länder und Gemeinden im Jahr 2011 bei Investoren in der Kreide. Die Summe relativiert sich erst gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) – so gerechnet kommt Deutschland auf eine den Maastricht-Kriterien nach zu hohe, im europäischen Vergleich aber moderate Schuldenstandsquote von 80,5 Prozent.

Italien dagegen schuldete seinen Gläubigern 2011 noch 1,9 Billionen Euro, das entsprach 120,7 Prozent des BIP. Auch Frankreich schleppte 2011 mit 1,7 Billionen Euro eine enormes Staatsdefizit mit sich herum, das waren 86 Prozent des BIP. Zusammen verbuchen die 27 EU-Mitgliedsstaaten 10,4 Billionen Euro auf der Sollseite. Die mittlere EU-Schuldenquote hat mit 82 Prozent des EU-BIPs ihren bisherigen Höchststand erreicht.

Doch statt die Schulden abzubauen, schlug das Volumen neu emittierter Staatspapiere 2012 alle Rekorde. Mit 263 Milliarden Euro fragte etwa Frankreich zweieinhalb Mal so viel frisches Geld nach wie noch 2011. Dass die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's dem Land im vergangenen Jahr die Bestnote in Sachen Kreditwürdigkeit entzogen hatten, spielte offenbar keine Rolle. Zuletzt konnte sich die Grande Nation günstig wie nie refinanzieren. Mit einer Rendite von 2,07 Prozent auf zehnjährige Staatspapiere waren Investoren im Dezember bereits zufrieden.

Auch in Italien war der Geldbedarf groß: Rund 291 Milliarden Euro lieh sich das Land in 2012, gut 70 Prozent mehr als noch 2011. Anders als Frankreich musste Italien dafür aber gehörig in die Tasche greifen. Der Chef der Übergangsregierung, Wirtschaftsprofessor Mario Monti, gewann nur langsam das Vertrauen der Märkte zurück: Zwischenzeitlich waren die Zinsen für zehnjährige Bonds von mehr als sieben auf 4,5 Prozent gesunken. Insgesamt sammelten Deutschland, Frankreich, Belgien und die sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) im vergangenen Jahr von Anlegern über eine Billion Euro ein.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

Während deutsche Staatsanleihen auch im nächsten Jahr negative Realrenditen aufweisen werden, sollten Anleger ihren Fokus wieder verstärkt auf Bonds der Peripheriestaaten richten, heißt es in einer aktuellen Analyse der Liechtensteiner Vermögens- und Privatbank (VP-Bank). Der Rendite Pick-Up, der Renditeunterschied der Peripherie zu den "sicheren Häfen", könnte dabei vor allem für solche Anleger interessant sein, die die Rahmenbedingungen für eine Verbesserung der Situation in Europa als gegeben sehen, schreiben die Analysten weiter.

Im Jahr 2013 sei zwar mit keinen "extremen Renditeausschlägen" mehr zu rechnen. David Simner, Fondsmanager des Fidelity Euro Bond Fund, rechnet Staatspapieren der EU-Krisenstaaten jedoch "noch beträchtliche Risikoaufschläge" aus. Die Analysten der VP-Bank warnen allerdings davor, alle PIIGS-Staaten über einen Kamm zu scheren. Anleger müssten Chancen und Risiken jedes Landes einzeln betrachten.

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Zu Frankreich äußern sich die Experten differenziert. Es sei denkbar, dass sich bei einer Verschlechterung der Situation in Frankreich die Risikoaufschläge zu Deutschland wieder ausweiten können. Die Höchststände von 180 Basispunkten würden allerdings nicht mehr erreicht, so die Einschätzung. In Italien schließlich hinge viel vom Ausgang der vorgezogenen Parlamentswahlen im Februar ab. Kurzfristig könnten Spekulationen für vermehrte Schwankungen an den Märkten führen. Mittelfristig sehen die Analysten Italien aber auf Konsolidierungskurs.

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