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29.01.2015

11:07 Uhr

Anleihen

Ein beliebtes Investment – trotz Verlustgarantie

Die Staatsanleihen der Industrienationen bieten mittlerweile negative Renditen. Trotzdem kaufen sie Anleger und zahlen damit den Preis für Sicherheit. Fondsmanager stehen damit vor einer einmaligen Situation.

Die EZB hat ein riesiges Anleihekaufprogramm verkündet und belastet damit die Renditen von Staatsanleihen – trotzdem kaufen sie Investoren. dpa

Die EZB hat ein riesiges Anleihekaufprogramm verkündet und belastet damit die Renditen von Staatsanleihen – trotzdem kaufen sie Investoren.

LondonFondsmanager Mike Amey hatte es nicht für möglich gehalten, dass er eines Tages Staatsanleihen von Deutschland oder der Schweiz kaufen würde, wenn Verluste damit so gut wie sicher sind.

Aber die Zeiten am Bondmarkt sind nicht normal. Europa nimmt Kurs auf eine längere deflationäre Phase, die Ölpreise fallen und die Anzeichen für ein schwächeres Wachstum der Weltwirtschaft mehren sich. Da seien einige Kunden mehr denn je bereit, etwas Geld zu verlieren, wenn sie dafür die Sicherheit von Staatsanleihen erhalten, sagt Amey, der in London für Pacific Investment Management Co. (Pimco) tätig ist.

Die Anleihekurse sind derzeit so hoch, dass die Renditen von Staatspapieren aus Industrieländern im Volumen von mehr als 4 Billionen Dollar negativ geworden sind. Das heißt, die Investoren bezahlen effektiv ein Dutzend Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Japan, dafür, Schulden zu machen und Geld aufzunehmen.

Ausstehende Staatsanleihen ausgewählter Euro-Staaten

Italien

Volumen: 2280 Milliarden Euro, Anteil an Euro-Zone gesamt (inklusive Luxemburg, Malta und Estland): 25,3 Prozent
(Quelle: Bloomberg)

Frankreich

1935 Milliarden Euro, 21,5 Prozent der Euro-Zone

Deutschland

1365 Milliarden Euro, 15,2 Prozent der Euro-Zone

Spanien

1192 Milliarden Euro, 13,2 Prozent der Euro-Zone

Belgien

465 Milliarden Euro, 5,2 Prozent der Euro-Zone

Niederlande

439 Milliarden Euro, 4,9 Prozent der Euro-Zone

Griechenland

331 Milliarden Euro, 3,7 Prozent der Euro-Zone

Österreich

272 Milliarden Euro, 3,0 Prozent der Euro-Zone

Irland

239 Milliarden Euro, 2,7 Prozent der Euro-Zone

Portugal

230 Milliarden Euro, 2,6 Prozent der Euro-Zone

Finnland

115 Milliarden Euro, 1,3 Prozent der Euro-Zone

Slowakei

45 Milliarden Euro, 0,5 Prozent der Euro-Zone

Slowenien

39 Milliarden Euro, 0,4 Prozent der Euro-Zone

Zypern

18 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

Litauen

17 Milliarden Euro, 0,2 Prozent der Euro-Zone

„Das ist kein gutes Gefühl“, sagt Amey. Pimco zählt laut Daten von Bloomberg neben BlackRock, Deutsche Asset & Wealth Management und Vanguard Group zu den größten Investoren in Länder mit negativen Anleiherenditen.

In der vergangenen Woche hat der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi ein Anleihekaufprogramm (QE) im Volumen von 1,1 Billionen Euro ab März angekündigt, um eine Deflation im Euroraum zu verhindern. Auch wenn der Schritt mehr Investoren in riskantere Anlagen treiben dürfte, ist es nach Einschätzung von David Tan von JPMorgan Asset Management in London möglich, von Bonds mit negativer Rendite zu profitieren.

Die quantitative Lockerung der EZB wird die Kurse auch der teuersten Staatsanleihen noch nach oben treiben. Gleichzeitig wird das Deflationspotenzial im Euroraum anhalten, so dass die Kaufkraft der Investoren steigt.

„Es macht immer noch Sinn, die Bonds zu halten“, wenn die Alternative ein negativer Einlagenzins der EZB von minus 0,2 Prozent sei, sagt Tan, Leiter weltweite Zinsen bei JPMorgan Asset. Er hat deutsche fünfjährige Papiere gekauft als die Rendite im Januar auf null fiel. Seither ist der Kurs gestiegen und die Rendite sank mit minus 0,06 Prozent in der vergangenen Woche auf ein Allzeittief. Laut Daten von Bloomberg ist die durchschnittliche Rendite für Staatsanleihen aus dem Euroraum auf rekordniedrige 0,68 Prozent abgeschmolzen.

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