Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2007

16:52 Uhr

Anleihen

Ein ganzer Markt im Aufwind

VonAndrea Cünnen

Anleihen gehören zu den ältesten Wertpapieren der Welt. Doch über die Jahrhunderte hat der Markt nichts von seiner Dynamik verloren. Im Gegenteil: In den vergangenen zehn Jahren hat sich allein das ausstehende Volumen der international platzierten Anleihen auf 10,5 Bill. US-Dollar vervierfacht.

Das Emissionsvolumen steigt sprunghaft an. Grafik: Handelsblatt

Das Emissionsvolumen steigt sprunghaft an. Grafik: Handelsblatt

FRANKFURT. Bis zur Entstehung dieses riesigen Marktes war es ein weiter Weg. Die Historie der Rentenmärkte ist eine Geschichte von Staaten und Kriegen, von Verschuldung, Zerstörung und Aufbau. Anleger können daraus lernen, dass Rentenpapiere im Prinzip zwar sichere Anlagen sind, bei denen sie ihr Geld am Ende der Laufzeit zurückbekommen. Die Investoren müssen dabei aber stets das Umfeld vor allem mit Blick auf Inflation und Ausfallrisiken im Auge behalten.

„Die Entstehung der Anleihen kann nicht genau beschrieben werden“, schreibt Professor Karl Häuser, ehemaliger Leiter des Instituts für Kapitalmarktforschung an der Universität Frankfurt. Anleihen entwickelten sich allmählich aus dem Schuldschein heraus. Schon im 13. Jahrhundert nahmen die italienischen Stadtrepubliken in Florenz, Genua und Venedig Zwangsanleihen von ihren reichen Bürgern auf, um Kriege zu finanzieren. An der Börse gehandelt wurden die Anleihen aber erst im 17. Jahrhundert.

Die erste Millionenanleihe – über eine Million Gulden – platzierten im Jahr 1779 die Gebrüder Bethmann – Gründer gleichnamigen Bankhauses – für den deutschen Kaiser in Wien. Gleichzeitig entwickelten sich die ersten Pfandbriefe – Papiere, die es in stark weiterentwickelter Form heute in vielen Ländern gibt. Sie gingen auf eine Kabinettsorder von Friedrich dem Großen zurück, der schlesischen Großgrundbesitzern nach dem Siebenjährigen Krieg günstige Darlehen verschaffen wollte. Die Kredite waren mit einem Pfandrecht auf Grund und Boden gesichert.

Zu voller Blüte gelangte das Anleihewesen, als nach den napoleonischen Kriegen Anfang des 19. Jahrhunderts und mit der beginnenden Industrialisierung der Geldbedarf für den Wiederaufbau stieg. Die USA finanzierten ihren Sezessionskrieg Mitte des 19. Jahrhunderts zum großen Teil über Anleihen. Aber auch der Aufbau der Eisenbahnen wurde überwiegend über Anleihen finanziert, wenig später folgte die Finanzierung des Bergbaus.

Die beiden Weltkriege, Hyperinflation und Währungsreform vernichteten das Vermögen vieler Rentenanleger. „Nach dem Zweiten Weltkrieg galt dann der politische Vorrang wieder der Staatsfinanzierung und des Bausektors über Anleihen“, sagt Klaus Holschuh, der bei der DZ Bank die Bereiche Volkswirtschaft und Research leitet und Mitglied im Vorstand des Instituts für bankhistorische Forschung ist.

Die heutige Bedeutung bekam der Anleihemarkt laut Holschuh erst mit den Sparern in den sechziger Jahren und der Erbengeneration in den achtziger Jahren. Einen zusätzlichen Schub bekam der Markt auch dadurch, dass sich 1963 die Eurobonds entwickelten. Damals verlangten die USA von ausländischen Emittenten eine hohe Steuer auf die Zinsen an Gläubiger in den USA. Das machte London zu einem wichtigen Zentrum, wo Eurobonds seitdem für internationale Anleger in verschiedenen Währungen platziert werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×