Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.10.2016

16:24 Uhr

Anleihen

Fondsmanager gruseln sich

VonAndrea Cünnen

„Wer sich die Entwicklungen an den Anleihemärkten ansieht, muss an Halloween keine Gruselfilme anschauen“, meint Anthony Doyle, Stratege beim Fondshaus M&G Investment. Was den Experten so viel Angst macht.

Auch die Anleihemärkte sind unheimlich. Imago

Szene aus dem Filmklassiker „John Carpenter's Halloween“

Auch die Anleihemärkte sind unheimlich.

FrankfurtDie Finanzwelt kann ein unheimlicher Ort sein – und das nicht nur an Halloween. Aktuell ist es vor allem die Welt der Anleihen, die manchem Experten einen Schauer über den Rücken jagt. Negative Renditen, die Jagd nach immer längeren Laufzeiten, die niedrigen Erwartungen an die Inflation und dazu Notenbanken, die die Märkte mit Geld fluten. Die Anleihemärkte ähnelten momentan einer „Freakshow“ meint Anthony Dolye, Stratege beim Fondshaus M&G Investment.

Geradezu furchterregend ist dabei die Entwicklung der Staatsanleihen. Weltweit rentieren Staatsanleihen der Industrienationen im Umfang von rund zehn Billionen Dollar im Minus. Das entspricht mehr als einem Drittel aller ausstehenden Staatspapiere. Die Kurse vieler Bonds sind so sehr gestiegen, dass die Renditen für Neueinsteiger immer deutlicher ins Minus rutschten. Wer die Papiere jetzt kauft und bis zur Fälligkeit hält, bekommt also inklusive Zinszahlungen weniger heraus, als er angelegt hat.

Zehnjährige Bundesanleihen: Kapitalismus verkehrt

Zehnjährige Bundesanleihen

Premium Kapitalismus verkehrt

Wer Bundesanleihen kauft und damit dem Bund Geld leiht, muss dafür bezahlen. Es ist die Folge einer absurden Geldpolitik.

Nach der Methode „Buy and hold“ verfahren allerdings auch bei Anleihen die wenigsten Fondsmanager. Und ihnen drohen schmerzhafte Kursverluste, wenn die Zinsen wieder steigen. Die Kursverluste fallen dabei umso größer aus, je länger die Laufzeit beziehungsweise die Duration der Anleihen ist, eben weil Anleger ihr Kapital mit längerer Laufzeit länger binden. Ein Beispiel: Wenn die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe um ein Prozent steigt, fällt der Kurs um weniger als zwei Prozent. Bei einer 30-jährigen Bundesanleihe bedeutet ein Renditeanstieg um einen Prozentpunkt gleich einen Kursverlust von fast 23 Prozent.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Das Problem: Das Niedrigzinsumfeld treibt Anleger immer stärker in Anleihen mit langer Laufzeit. Zuletzt hat Österreich sogar eine 70-jährige Anleihe begeben, bei der ein Renditeanstieg um einen Prozentpunkt einem Kursverlust von fast 43 Prozent entspräche. Doyles Schlussfolgerung: „Wenn Inflation und Leitzinsen wieder ansteigen, könnten die Anleger hohe Verluste erleiden.“ Da der Ölpreis wieder deutlich gestiegen sei und Handelsbarrieren in Mode kämen, sei ein inflationärer Schock möglicherweise näher, als viele derzeit glaubten.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Tschortscho Eibl

01.11.2016, 10:08 Uhr

Die Zinsen werden am St.Nimmerleins-Tag steigen.
Zu viel Geld gedruckt. Aberwitzige Finanzprodukte mit absurden Hebeln! Das Geldvolumen dieses Planeten hat ein vielfaches der Wertschöpfung erreicht !

Irgendwo keine Lösung mehr in Sicht!

Wachstum ? Wo ?

Dumm gelaufen
Am Ende des Raubtier-Kapitalismus stehen Anarchie und Diktatur, die Morgendämmerung hat schon angefangen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×