Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2016

15:40 Uhr

Anleihen für Russland, China & Co.

Das macht dann sieben Billionen Dollar, bitte!

Für die größten Volkswirtschaften der Welt werden 2016 billionenschwere Anleihen fällig. Besonders für China verteuert sich die Rechnung. Bei anderen hingegen sinkt die Summe stark.

Den größten Anstieg bei abzulösenden Anleihen verzeichnet China. Um gleich 41 Prozent klettert das Volumen auf 254 Milliarden Dollar. Reuters

Chinas Finanzmetropole Shanghai

Den größten Anstieg bei abzulösenden Anleihen verzeichnet China. Um gleich 41 Prozent klettert das Volumen auf 254 Milliarden Dollar.

LondonKlingt viel, ist es auch: Die wirtschaftsstärksten Länder der Welt müssen in diesem Jahr Anleihen für sieben Billionen Dollar ablösen. Damit wird ungefähr das gleiche Volumen wie bereits 2015 fällig. Die Summe von fälligen Schatzwechseln, kurzfristigen und langfristigen Anleihen der G7-Länder sowie aus Brasilien, Russland, Indien und China hält sich in den vergangenen Jahren konstant. 2012 waren es beispielsweise 7,6 Billionen Dollar. Während das abzulösende Anleihevolumen laut Bloomberg bei Japan, Deutschland, Italien und Kanada abnimmt, steigt es für die USA, China und Großbritannien.

Die Regierungen bemühen sich, ihre Haushaltsdefizite auf ein Drittel der während der Finanzkrise erreichten Hochstände zu senken. Seit Beginn der Datenerhebungen im Jahr 2012 ist das Volumen fällig werdender Anleihen allmählich gesunken. Der Rückgang dürfte den Bondmarkt stützen, wenn die US-Notenbank Federal Reserve allmählich die Zinsen anhebt und die Renditen von ihren Rekordtiefs steigen. Nach Einschätzung von Ökonomen werden die Haushaltsdefizite 2016 das siebte Jahr in Folge sinken.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

„Die meisten dieser Länder steuern auf Fiskaldisziplin zu“, sagt Mohit Kumar, Leiter Anleihestrategie bei der Investmentbankensparte der Credit Agricole in London. „In der Krise sind die Haushalte aus verschiedenen Gründen angeschwollen, etwa um das Wachstum zu fördern und die Zahlungsverpflichtungen aus dem privaten in den staatlichen Sektor zu verschieben. Diese Effekte schwinden jetzt.“

Dennoch muss das Emissionsvolumen nicht sinken. So will Deutschland in diesem Jahr 203 Milliarden Euro über die Emission von Schatzwechseln und Anleihen beschaffen, verglichen mit rund 175 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Mit einem Teil der Emissionserlöse sollen die Kosten des Flüchtlingszustroms finanziert werden.

Den stärksten Rückgang bei den fälligen Anleihevolumina werden Russland und Brasilien verzeichnen, bei denen das Volumen um 38 beziehungsweise 26 Prozent sinkt. Einschließlich der Zinszahlungen beläuft sich das zu refinanzierende Volumen bei den G7- und Bric-Staaten dieses Jahr auf 7,8 Billionen Dollar, nahe am Wert von 2015.

In den USA, die mit einem umlaufenden Anleihevolumen von 13,1 Billionen Dollar der Spitzenreiter weltweit sind, werden dieses Jahr 3,5 Billionen Dollar an Anleihen fällig, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Den größten Anstieg bei den abzulösenden Anleihen wird es in China geben, wo das Volumen um 41 Prozent auf 254 Milliarden Dollar klettern wird.

Anleihemarkt: Die Welt verschuldet sich – und Deutschland profitiert

Anleihemarkt

Die Welt verschuldet sich – und Deutschland profitiert

Weltweit wächst der Schuldenberg. Der deutsche Staat kommt jedoch ohne Neuverschuldung aus und zahlt wenig Zinsen – und das wohl auch 2016.

Ein geringeres Volumen fälliger Anleihen, niedrige Inflationsraten sowie die Programme der Zentralbanken zur quantitativen Lockerung werden weiterhin die Nachfrage nach Staatsanleihen stützen, auch wenn höhere Zinsen in den USA die Renditen nach oben treiben werden, erwartet Rabobank International. Eine geringe Inflation macht die festen Zinszahlungen auf Anleihen attraktiver. Volkswirte gehen davon aus, dass die Verbraucherpreise in den Industrieländern 2015 um lediglich 0,5 Prozent gestiegen sind, verglichen mit 3,5 Prozent im Jahr 2008.

„Das konjunkturelle und politische Bild ist positiv“ für Staatsanleihen, sagt Lyn Graham-Taylor, Zins-Stratege bei Rabobank in London. Die Bank schätze Staatspapiere weiterhin optimistisch ein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×