Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.12.2012

14:09 Uhr

Anleihen

Griechen-Bonds mit traumhafter Rendite

Griechische Staatspapiere waren 2012 der Renner an der Börse. Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs schafften die Anleihen erstmals seit drei Jahren wieder ein Plus. Viele Anleger hoffen nun auf eine nachhaltige Wende.

War 2012 das Jahr der Wende für Griechenland ? Viele Anleger scheinen vom politischen Willen überzeugt. Anleihe-sowie Aktienmarkt legten dieses Jahr deutlich zu. dpa

War 2012 das Jahr der Wende für Griechenland ? Viele Anleger scheinen vom politischen Willen überzeugt. Anleihe-sowie Aktienmarkt legten dieses Jahr deutlich zu.

Mutige Investoren, die im Januar 2012 griechische Ramsch-Anleihen gekauft haben, sind dafür kräftig belohnt worden. Sie verdienten im Verlaufe des Jahres 20 Mal so viel wie jene Investoren, die auf deutsche Staatsanleihen samt Top-Bonitätsnote setzten. Griechische Staatsanleihen haben im zu Ende gehenden Jahr eine Rendite von rund 80 Prozent gebracht - verglichen mit 3,7 Prozent bei Bundesanleihen, wie Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch zeigen.

Es ist demnach das erste Jahr seit 2009, in dem Investoren mit Bonds aus Griechenland überhaupt Geld verdienen konnten. Und 2012 erzeugte das größte Plus seit 1998, als Merrill mit der Erhebung der Daten begann. Nicht enthalten in den Daten sind die Anleihen-Rückkäufe dieses Monats.

Fragen und Antworten zur Kreditwürdigkeit

Warum sind Bonitätsnoten für ein Land wichtig?

Die Noten der drei führenden Agenturen S&P, Moody's und Fitch sind maßgeblich für die Finanzierungskosten der Staaten am Kapitalmarkt. Die Faustregel: Je besser die Bonitätsnote, desto günstiger das Zinsniveau, zu dem ein Land Geld aufnehmen kann.

Gilt diese Faustregel immer?

Es gibt Ausnahmen: So haben die USA trotz immenser Verschuldung und einer Herabstufung durch S&P im vergangenen Sommer nach wie vor keine Probleme, günstig Mittel einzusammeln. Die weltgrößte Volkswirtschaft gilt weiter als „sicherer Hafen“, weil der US-Dollar die globale Leitwährung ist und die Notenbank Fed bereit ist, ihn in unbegrenzten Mengen zu drucken. Diese Quasi-Versicherung gegen einen Zahlungsausfall für US-Staatsschulden überzeugt internationale Gläubiger bislang noch - zumal die Alternativen rar sind.

Welche Konsequenzen hat die S&P-Drohung für die „AAA“-Euroländer?

Die Wahrscheinlichkeit liegt nun laut S&P bei 50 Prozent, dass die verbleibenden Euro-Staaten mit Spitzenbonität ihre Bestnote in den kommenden 90 Tagen verlieren. Das sind neben Deutschland Frankreich,Österreich, Luxemburg, die Niederlande und Finnland. Frankreich, das bereits seit längerem unter Abwertungsdruck steht, könnte sogar gleich um zwei Bonitätsstufen abgesenkt werden. Zudem hat in Moody's auch die zweite große Ratingagentur das Land auf dem Kieker. Für die Euro-Rettung ist dies äußerst brisant: Mit Frankreich wackelt die zweitwichtigste Finanzierungssäule des Krisenfonds EFSF.

Was wird ohne Top-Rating aus dem Euro-Rettungsschirm?

Für den EFSF hätte ein Verlust der Spitzenbonität weitreichende Folgen. Die Topnoten der Ratingagenturen sind Voraussetzung, damit der Krisenfonds mit maximaler Schlagkraft agieren kann. Eine Herabstufung der wichtigsten Garantiegeber Deutschland und Frankreich würde auch die Note des EFSF gefährden und damit das Aus des Rettungsschirms in seiner bisherigen Konstruktion bedeuten.

Wie begründet S&P seine Entscheidung?

Der Ratingagentur zufolge haben die Probleme im Euroraum ein Maß erreicht, das die Währungszone als Ganzes unter Druck setzt. S&P kritisiert auch unkoordiniertes und unentschlossenes Handeln der Politiker. Es gebe zudem das Risiko, dass die Eurozone im kommenden Jahr in die Rezession rutsche. Auch Deutschland könnte nach Einschätzung der Agentur in den Abwärtssog geraten.

Ist der Rundumschlag der Ratingagentur angebracht?

Experten sind sich uneins: Die Commerzbank-Analysten bezeichnen den Vorstoß als „aggressiv“, aber vertretbar. Er unterstreiche, „dass es in dieser Krise kein Entrinnen gibt - nicht einmal für die absoluten Top-Credits in der Eurozone“. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, hat dagegen kein Verständnis. Angesichts der jüngsten Entspannung in der Schuldenkrise liefere S&P in seiner Begründung „schlichtweg und ergreifend Unwahrheiten“.

Warum droht S&P direkt vor dem nächsten EU-Gipfel mit Abstufungen?

Damit setzt die Ratingagentur die Euro-Retter unter Handlungsdruck. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Gipfel-Ergebnisse entscheidend für die weitere Bewertung der Länder der Eurozone seien. Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsident Nicolas Sarkozy könnte die Drohung zur Unzeit sogar in die Karten spielen. Merkel liefert sie Argumente dafür, die europäischen Verträge zugunsten von mehr Haushaltsdisziplin und automatischen Schuldenbremsen zu ändern. Sarkozy stärkt sie innenpolitisch den Rücken, um die Sparanstrengungen zu forcieren.

Welche Länder haben überhaupt noch Top-Bonitätsnoten?

Weltweit verfügen noch nicht einmal 20 Staaten über ein „AAA“-Rating von S&P, dazu zählen aber auch einige Steueroasen und Zwergstaaten. In Europa verfügen - noch - zwölf Länder über ein Top-Rating. Von den großen Industrie- und Schwellenländern (G20) sind es fünf. Dazu gehören Deutschland, Frankreich, Kanada, Australien und Großbritannien. Industriegiganten wie die USA („AA+“), China („AA-“) oder Japan („AA-“) sind nicht darunter. Investoren reagieren jedoch häufig erst auf Herabstufungen, wenn mindestens zwei Agenturen sie vornehmen. Die USA beispielsweise werden von Fitch und Moody's bislang noch mit „Triple A“ bewertet.

Worauf gründen Ratingagenturen eigentlich ihre Entscheidungen?

Grundsätzlich legen die großen Agenturen ihre Methodik nicht im Detail offen. Kritiker bemängeln besonders im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euroraum, dass die Ratingunternehmen lediglich den Marktentwicklungen folgen und auf neue Zuspitzungen reagieren, auch wenn diese fundamental nicht immer gerechtfertigt seien. Experten sehen den harten Kurs allerdings auch im Zusammenhang mit den laschen Bewertungsstandards während der US-Hypothekenkrise waren. Damals mussten sich die Bonitätsprüfer häufig den Vorwurf gefallen lassen, riskante Papiere tendenziell zu positiv zu bewerten.

Europäische Staats- und Regierungschef hatten noch vor ein paar Monaten davor gewarnt, dass Griechenlands Verbleib in der Eurozone bei den damals laufenden Wahlen auf dem Spiel steht. Denn jene Parteien des Landes, die sich gegen das ausgehandelte Rettungspaket stellten, konnten immer mehr Wähler auf ihre Seite ziehen. Die aus den Wahlen hervorgegangene Koalitions-Regierung versprach, die von Griechenland eingegangenen Verpflichtungen als Gegenleistung für Hilfe einzuhalten. Das wiederum senkte das Risiko dafür, dass das angeschlagene Land aus dem gemeinsamen Währungsraum austritt. Die Regierung senkte die Gehälter und Renten, und sie hob die Steuern an. Die Wirtschaft des Landes befindet sich auf einem Schrumpfkurs.

Interview: „Wer Rendite will, muss ins Risiko gehen“

Interview

„Wer Rendite will, muss ins Risiko gehen“

Die Inflation knabbert am Vermögen. An Hochzins-Anlagen führt kein Weg mehr vorbei.

“Ein Großteil der Rally basierte auf Fundamentaldaten, nur eben keine konjunkturellen Fundamentaldaten”, sagt Volkswirt Gabriel Sterne vom Exotix Ltd., einem Broker in London. “Die Fundamentaldaten waren viel mehr die Anreize für Europa, Griechenland aus der Eurozone herauszuwerfen - die von vielen Leuten deutlich überschätzt worden waren.”

Standard & Poor's (S&P) hatte die Griechenland-Bonitätsnote kurz vor Weihnachten sogar wieder angehoben, nachdem das Anleihe-Rückkaufprogramm des Landes erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Die Ratingagentur verwies dabei auf den “starken” Willen der Regierungen der Eurozone, Griechenland in der gemeinsamen Währungsunion zu halten.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.12.2012, 14:48 Uhr

Die Betonung liegt aber auf " waren ". Zweifelhaft, ob sich diese Performance in 2013 wiederholen lässt.

Meine Fonds haben jedenfalls kein Exposure mehr in Hellas. Und Privatinvestoren/-anleger sollten sowieso lieber die Finger davon lassen !

PubliusAeliusHadrianusOlympios

27.12.2012, 15:06 Uhr

He Jungs! Mit ausgewählten griechischen Aktien wäre man besser gefahren - Zumindest seit Sommer dieses Jahres.
Der Schuldenschnitt hat den europäischen Steuerzahler bisher jedenfalls noch nix gekostet. Ganz im Gegenteil zu den privaten Gläubigern griechischer Staatsanleihen.

Fallen_Angels

27.12.2012, 15:40 Uhr

Das war doch erst der Anfang der Erholung. Die Performance des griechischen Aktienmarktes wäre ohne die hinterherhinkenden Bankaktien im Athener Index noch viel besser. Siehe z.B. Kursentwicklung der Hellenic Telekom oder Public Power seit Sommer mit über 300%. Dass die Bewertug dieser Unternehmen ein absoluter Witz war, mußte jedem einleuchten. Ich denke, die Erholung geht weiter, aber einsteigen sollte nur derjenige, der sich wirklich mit dem Markt befasst und nicht nur der Herde in die eine, oder andere Richtung folgt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×