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05.02.2016

11:56 Uhr

Anleihen

Händler schreiben US-Zinserhöhung ab

VonAndrea Cünnen

Die Märkte rechnen nicht mehr damit, dass die US-Notenbank im März die Zinsen erhöht. Die Renditen der Anleihen sinken weltweit. In Japan nähert sich die Rendite zehnjähriger Bonds der Null-Linie. Ein Vorbote für Deutschland?

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FrankfurtJanet Yellen hat einen schweren Stand. Bereits Ende Januar wies die Chefin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) darauf hin, dass sich das US-Wirtschaftswachstum zum Ende des vergangenen Jahres verlangsamt hat, die Unternehmen weniger investieren und der Konsum nicht mehr „solide“, sondern nur noch „moderat“ sei.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Anleihehändler denken das offensichtlich schon länger und haben daraus ihren eigenen Schluss gezogen: Gemessen an den am Terminmarkt gehandelten sogenannten Fed Fund Futures erwarten nur noch zwölf Prozent der Händler, dass die Fed den Leitzins im März erneut anheben wird. Und selbst für Ende 2016 rechnen nur noch 57 Prozent der Händler mit einer Zinserhöhung. Vor zwei Monaten war das noch ganz anders: Damals gingen fast 50 Prozent von einer Zinserhöhung im März aus, und über 90 Prozent rechneten mit höheren Zinsen bis Ende 2016.

Das spiegelt sich auch am Devisenmarkt wider. In den vergangenen Tagen ist der Dollar unter Druck geraten, und das nicht nur zum Euro, sondern auch zum japanischen Yen. Der Euro hat zum Dollar seit Montag fast vier Cent zugelegt und notierte am heutigen Freitag im Hoch mit über 1,12 Dollar. So viel war er zuletzt im vergangenen Oktober wert.

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Gründe dafür, dass die Händler nicht mehr an eine Zinserhöhung glauben, dürften vor allem der Einbruch an den Aktienmärkten, der Verfall des Ölpreises, die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten aus den USA sein. In den USA enttäuschten unter anderem das gesunkene Verbrauchervertrauen, der gesunkene ISM-Einkaufsmanagerindex der Dienstleister und die gestiegenen wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht lieferte ein eher positives Bild. Zwar lag die Zahl der neugeschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft lag mit 151.000 deutlicher unter den Erwartungen der Analysten. Dafür fiel die Arbeitslosenquote mit 4,9 Prozent etwas niedriger aus als erwartet. Vor der Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts hatten die am Terminmarkt abzulesenden Zinserwartungsprognosen noch etwas geringer gelegen.

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