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05.12.2012

11:10 Uhr

Anleihen

Hedge-Fonds gewinnen Griechenland-Wette

Hedge-Fonds gehören vermutlich zu den großen Gewinnern des griechischen Anleihe-Rückkaufprogrammes. Weil die klammen Südeuropäer auf die Investoren angewiesen sind, müssen sie mehr zahlen als ursprünglich gedacht.

Griechische Euromünze. "Die Wette scheint aufzugehen" dpa

Griechische Euromünze. "Die Wette scheint aufzugehen"

LondonFür Hedge-Fonds ist ihre Strategie bei Griechen-Bonds offenbar aufgegangen. Hedge-Fonds, die in griechische Anleihen investiert sind, stehen jetzt wohl als Gewinner da, nachdem die Entscheidungsträger der Eurozone nachgegeben und ihnen mehr Geld angeboten haben. Der Preis, zu dem das rezessionsgeplagte Land seine Staatsanleihen zurückkauft, musste angehoben werden.

Die Hedge-Fonds hatten den Preis für die griechischen Staatsanleihen in der vergangenen Woche hochgetrieben, nachdem sich abzeichnete, dass die Finanzminister der Eurozone von ihrem ursprünglichen Plan, nicht mehr als 28 Prozent des Nominalwerts der Bonds zu zahlen, abrücken würden. Die Vermögensverwalter setzten darauf, dass sich bei diesem Niveau nicht genügend Anleihegläubiger beteiligen würden, um die Transaktion durchzuziehen.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Die Transaktionen von Griechen-Bonds nahmen an dem Tag zu, nachdem klar war, dass der Rückkauf stattfinden würde, wobei ein Großteil der Käufe auf das Konto von Hedge-Fonds ging, sagt Zoeb Sachee, Leiter Staatsanleihen-Handel Europa bei Citigroup in London. “Wenn alles wie geplant läuft, gewinnen alle”, sagt Sachee. “Die Hedge-Fonds haben zu einem geringeren Preis als dem jetzigen gekauft. Sollte es nicht klappen, riskiert Griechenland einen Ausfall und alle verlieren.”

Griechenland kündigte am Montag an, ausstehende Bonds mit einem Nominalwert von 62 Mrd. Euro zurückzukaufen und dafür 10 Mrd. Euro bereitzustellen. Das Land und seine Geldgeber aus dem Euroraum erklärten sich bereit, Preise zwischen einem mittleren Minimum von 32,1 Prozent des Nominalwerts und einem mittleren Maximum von 34,1 Prozent des Nominalwerts zu zahlen. Die Auktion läuft bis zum 7. Dezember, wie aus einer Stellungnahme der griechischen Schuldenagentur hervorgeht.

Einige Hedge-Fonds haben bereits im März nach der Schuldenrestrukturierung damit begonnen, griechische Bonds zu kaufen. Sie wetteten darauf, dass die Kurse und Renditen die falsche Ansicht widerspiegelten, das Land steuere auf einen Zahlungsausfall zu. Hedgefonds-Manager wie Dan Loeb von Third Point LLC gingen davon aus, dass andere Investoren einen solchen Ausfall nicht zulassen würden - aus Besorgnis über die potenziellen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands. Bestärkt wurden sie in ihrer Ansicht durch die Zusicherung von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) am 26. Juli, die Gemeinschaftswährung zu verteidigen.

Kommentare (11)

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Wir_sind_das_Volk

05.12.2012, 11:29 Uhr

Nicht zu fassen mit welcher Begeisterung sich die Hegdefond-Manager auch noch damit brüsten. Die verdienen sich mit deutschen Steuergeldern eine goldene Nase und das Volk macht mal wieder den Zahlemann. Wann begehren wir endlich gegen diese perverse Gesellschaft auf...?

Euro-Payer

05.12.2012, 11:34 Uhr

Pervers sind nicht die Hedge-Fonds, sondern die Regierungen/Politiker, die diese Länder durch jahrzehnetelange Schulden- und Mißwirtschaftspolitik erst in diese katastrophale Lage gebracht habe und nicht das Geringste daraus gelernt haben bzw. auch gar nicht lernen wollen.

Account gelöscht!

05.12.2012, 11:40 Uhr

Pervers ist das System.

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