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26.09.2012

16:50 Uhr

Anleihen

Investoren misstrauen Spanien - und setzen auf Deutschland

Zweifel an Spaniens Krisenmanagement haben Europas Finanzmärkte verunsichert. Die Renditen für zehnjährige Anleihe stiegen wieder über sechs Prozent. Bundesanleihen sind dagegen wieder heißbegehrt.

Börse in Madrid. dpa

Börse in Madrid.

FrankfurtBundesanleihen haben am Mittwoch deutliche Kursgewinne verzeichnet, Anleihen aus Spanien, Italien und Portugal gaben erheblich nach. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen spanischen Anleihe ist am Mittwoch wieder über die psychologisch wichtige Marke von sechs Prozent geklettert. Gleichzeitig verteuerten sich die Kosten für die Versicherung spanischer Verbindlichkeiten gegen Zahlungsausfall.

Marktteilnehmer spekulieren, dass Spanien den Antrag auf ein Rettungspaket hinausschieben und warten will, bis die steigenden Finanzierungskosten auch Italien zwingen, Hilfen zu beantragen. Spanien “wäre in besserer Gesellschaft und würde weniger unter dem Stigma leiden, wenn es gleichzeitig mit Italien um Hilfen ersuchen würde”, sagte Raphael Gallardo, Leiter Makroökonomie bei Rothschild Asset Management in Paris. Der Renditeabstand zwischen italienischen und spanischen Anleihen hatte sich am Dienstag auf 65 Basispunkte verringert, nach 108 Basispunkten am 3. September.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

In Spanien hatte der Präsident der Region Katalonien, Artur Mas, am Dienstag zu Neuwahlen für den 25. November aufgerufen. Es sei an der Zeit für Selbstbestimmung für die reichste spanische Region, hatte er gesagt. ”Das ist das Letzte was Rajoy jetzt braucht und das Letzte was Europa braucht”, sagte Ken Dubin, Politikprofessor an der Carlos III Universität und an der IE Business School in Madrid. Ministerpräsident Mariano Rajoy kämpft um Zustimmung zu seinen Sparmaßnahmen, um die Haushaltsziele einzuhalten. Nur Stunden nach den Äußerungen von Mas in Barcelona demonstrierten Tausende Spanier in Madrid.

Darüber hinaus kamen Zweifel auf, ob der permanente Rettungsschirm ESM die Gelder für die Rekapitalisierung der spanischen Banken bereitstellen kann. Deutschland, die Niederlande und Finnland forderten am späten Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung, dass zunächst Privatkapital, sodann nationale öffentliche Gelder und zuletzt ESM-Mittel bei der Bankenrekapitalisierung eingesetzt werden sollten.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen lag zuletzt neun Basispunkte niedriger bei 1,49 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um 112 Basispunkte auf 141,19 Prozent.

Deutschland ist am Primärmarkt aufgetreten und hat eine zehnjährige Bundesanleihe um fünf Milliarden Euro aufgestockt. Die Gebote blieben mit 3,95 Mrd. Euro jedoch deutlich unter der Erwartung, die Zuteilung lag bei 3,191 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Rendite lag bei 1,52 Prozent. In die Marktpflege gingen gut 1,8 Milliarde Euro.

Italien hat Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von 181 Tagen im angestrebten Volumen von 9 Milliarde Euro platziert. Die durchschnittliche Rendite lag bei 1,503 Prozent gegenüber 1,585 Prozent im August.

Zehnjährige spanische Staatsanleihen rentierten zuletzt 25 Basispunkte höher bei 5,93 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Italien-Anleihen stieg um acht Basispunkte auf 5,16 Prozent. Bei den Portugal-Bonds lag die Rendite 16 Basispunkte höher bei 8,60 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (36)

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Gast

26.09.2012, 14:15 Uhr

Wieso ist erst die Marke von 7% kritisch? Bei einem Haushaltsdefizit in Höhe von 50 Milliarden Euro bis August kann man sich überhaupt keine Zinszahlungen leisten.

Brasil

26.09.2012, 14:24 Uhr

So langsam freut man sich ueber jede Meldung, die darauf hinweist, dass dieses System nicht zu retten ist!
Nur gut, dass die sog. "Merkte" immer wieder beweisen, welche Trottel in den europaeischen Regierungen sitzen und in den Parlamenten!

Gast

26.09.2012, 14:28 Uhr

Gestern versprach die spanische Regierung eine Erhöhung der Renten in Höhe der Inflation. Spanische Pleite-Banken zahlen z.Zt. auf Festgeld Zinsen um die 4%. Bei meiner Bank in Deutschland sind es gerade mal 0,6%. Weiter so, wie gehabt.

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