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16.06.2014

14:21 Uhr

Anleihen

Irak und Inflation treibt Anleger in Bundesanleihen

Die Irak-Krise hält die Wirtschaft in Atem. Auf der Suche nach sicheren Anlagen investieren immer mehr Anleger in Bundesanleihen. Verstärkt wird dieser Effekt durch die niedrige Inflation.

In Krisenzeiten setzen die Anleger immer wieder auf Bundesanleihen. Während der jetzigen Auseinandersetzungen im Irak ist das nicht anders. dpa

In Krisenzeiten setzen die Anleger immer wieder auf Bundesanleihen. Während der jetzigen Auseinandersetzungen im Irak ist das nicht anders.

Bundesanleihen und US-Treasuries waren am Montag etwas fester. Angesichts der Krise im Irak wurden Anlagen vermehrt nachgefragt, die als sicherer Hafen gelten. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten bei 1,35 Prozent einen Basispunkt niedriger. Am Terminmarkt stieg der Bund-Future um 25 Basispunkte auf 145,70 Prozent. Die Rendite von US- Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit fiel um zwei Basispunkte auf 2,58 Prozent.

Rückenwind erhielten die deutschen Bundesanleihen auch von den Inflationsdaten aus dem Euroraum. Im Euroraum sind die Verbraucherpreise im Mai gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat um 0,5 Prozent gestiegen, nach einem Plus von 0,7 Prozent, berichtete Eurostat am Montag und bestätigte damit die vorläufigen Daten. Damit lag die Teuerung auf dem tiefsten Wert seit 2009. Die Inflationsrate beträgt seit acht Monaten weniger als die Hälfte des EZB-Ziels von knapp zwei Prozent.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Zudem ist der Satz für auf Euro lautende Übernachtkredite zwischen Banken am Freitag auf ein Rekordtief von 0,026 Prozent gefallen. Die EZB hatte am 5. Juni zur Abwendung einer Deflationsgefahr ein Maßnahmenpaket bekannt gegeben, das unter anderem eine Senkung des Einlagensatzes in den negativen Bereich umfasste.

Für Bewegung könnten am Nachmittag neue Daten zur US- Industrieproduktion sorgen. Ökonomen gehen einer Bloomberg- Umfrage zufolge davon aus, dass die Industrieproduktion im Mai um 0,5 Prozent gesteigen ist, nach einem Rückgang von 0,5 Prozent im April.

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