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31.07.2012

11:15 Uhr

Anleihen

Irland rückt in den Fokus der Investoren

VonAndrea Cünnen, Michael Maisch

Die Renditen auf irländische Staatspapiere sinken immer weiter. Einige sprechen schon von einer Rückkehr an den Kapitalmärkten. Nun gilt Irland als Musterschüler unter den Krisenstaaten.

Die Iren wollen ihr Schuldenproblem selbst lösen. dpa

Die Iren wollen ihr Schuldenproblem selbst lösen.

Frankfurt, LondonEin großer Schritt für Irland, ein ermutigendes Zeichen, ein Meilenstein - in diese Richtung gehen die Kommentare von Analysten, nachdem Dublin Ende vergangener Woche erstmals seit fast zwei Jahren Investoren für neue Anleihen gefunden hat.

5,2 Milliarden Euro sammelte die Regierung ein, davon entfiel nur gut eine Milliarde Euro auf ein Tauschgeschäft, bei dem Investoren Anleihen, die schon bald fällig werden, in länger laufende Papiere umtauschten. "Man kann von einer echten Rückkehr an den Kapitalmarkt sprechen", kommentiert Sebastian von Koss, Anleiheanalyst bei HSBC.

Die Konditionen sind dabei sowohl für das Land vertretbar als auch für Anleger verlockend: 6,2 Prozent betrug die Rendite für die aufgestockte Anleihe mit acht Jahren Restlaufzeit; 5,9 Prozent die für den neuen fünfjährigen Bond. Auffällig: Die Rendite für die achtjährige Anleihe lag annähernd auf dem Niveau von vergleichbaren Zinspapieren aus Italien und einen vollen Prozentpunkt unter der Rendite von spanischen Staatsbonds. Vor einem Jahr rentierte die irische Anleihe mit damals noch neun Jahren Restlaufzeit beim mehr als 14 Prozent.

Seither hat sich Irland zum Musterschüler unter den Krisenstaaten der Euro-Zone entwickelt. Bislang erfüllten die Iren alle Auflagen für das Ende 2010 vereinbarte 85 Milliarden Euro schwere Hilfspaket, das noch bis Ende 2013 ausreicht.

Irlands Reformen

Ausgangslage

Irland war als erstes Land der Euro-Zone in die Finanzkrise geraten und hatte sich nur mit einem internationalen Hilfspaket aus dem Strudel befreien können. Zahlreiche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, aber einiges bleibt noch zu tun.

Umgesetzte Maßnahmen

• Senkung der Steuerfreibeträge bei Erbschaften, seit 2009
• Mineralölsteuererhöhungen für Diesel um 5 Cent/Liter, seit 2009 sowie um 4 Cent Benzin und um weitere 2 Cent Diesel, seit 2010
• Übergangsweise Einführung einer Flugverkehrssteuer von 3 Euro pro Fluggast, seit 01.03.2011
• Einführung Kohlenstoffemissionssteuer mit 15 Euro pro Tonne (Dez. 2009) Erhöhung auf 20 Euro ab Mai 2012
• Anpassung der Steuergrenzbeträge, maximalen Einkommensteuersatz von 41% ab 32.800 statt 36.400 Euro
• Senkung Einkommensteuerfreibeträge von 1.830 auf 1.650 Euro, ab 2011
• Anhebung der MwSt. von 21 auf 23%, ab 2012
• Erhöhung Kapitalertragssteuer von 20 auf 30%, ab 2012
• Aufhebung Beitragsbemessungsgrenzen für Sozialversicherungen
• Besteuerung der Boni von Bankangestellten, deren Bank vom irischen Staat gerettet wurde, mit 90%
• Kürzung von Pensionen
• Restrukturierung maroder Banken sogar über Zeitplan (Fusionen, Erneuerung des Managements)
• Senkung der Gehälter im öffentlichen Dienst (5% der ersten 30.000 Euro, 7,5% Teil bis 40.000 Euro und 10% Teil bis 55.000 Euro)
• Erhöhung Tabaksteuer um 25 Cent für 20 Zigaretten, ab 06.12.2011

Geplante Maßnahmen

• Einführung Trinkwasserabgabe i. H. v. etwa 250 bis 400 Euro pro Haushalt, bis 2014
• Staatsdefizit von 2011 bis 2014 um 15 Mrd. Euro senken – 10 Mrd. Euro Ausgabensenkungen/5 Mrd. Euro Einnahmenerhöhungen
• Immobiliensteuer derzeit 100 Euro pro Wohneinheit – geplant Grundsteuer
• Streichung von 6.000 Stellen im öffentlichen Dienst in 2012, Einsparungen von (400 Mio. Euro p.a.)
• Erhöhung des Renteneintrittsalters in 2014 auf 66 Jahre, in 2021 auf 67 Jahre und in 2028 auf 68 Jahr
• Erhöhung der Studiengebühren

Und danach? "Irland hat eine echte Chance, sich ab 2014 wieder komplett selbstständig an den Märkten zu refinanzieren", meint von Koss. Wichtig sei, dass die Iren ihre bisherige Erfolgsgeschichte glaubhaft fortschreiben können. Aber: Das hat Irland nicht komplett in der Hand. Allein deshalb ist der Kauf irischer Staatsbonds nur etwas für mutige Anleger. "Wenn das Schreckensszenario eines Zerfalls der Euro-Zone wieder in den Vordergrund rückt, dürfte sich auch Irland diesem kaum entziehen können", sagt von Koss. Auch ein Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum würde an den irischen Bonds wohl kaum spurlos vorübergehen.

Immerhin hat sich die Lage etwas entspannt, nachdem der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, zuletzt angekündigt hatte, dass die EZB alles unternehmen will, um den Euro zu erhalten. Positiv stimmt auch, dass sich Irland am Bondmarkt von der negativen Entwicklung steigender Anleiherenditen in Spanien und Italien abgesetzt hat.

Für Griechenland und Portugal, die beiden anderen Länder mit Hilfspaketen aus dem Euro-Rettungsschirm, sieht es viel schlechter aus. Vor allem in Griechenland, wo die zehnjährigen Anleiherenditen von fast 26 Prozent widerspiegeln, dass Investoren einen zweiten Schuldenschnitt erwarten.

Kommentare (2)

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31.07.2012, 11:26 Uhr

Na und? es wird dennoch nichts bringen...Griechenland, Spanien, dann Italien und dann Frankreich, werden die gesamte Mannschaft in den Abgrund reissen....da können die wirtschaften wie sie wollen....das investierte Geld der Doofen wird in Rauch aufgehen...genau so wie das der Deutschen.

Account gelöscht!

31.07.2012, 11:47 Uhr

Na mal sehen, das Oberstes Zivilgericht in London hat gerade letzte Woche endschieden das die Irischen Banken jetzt doch ihre Schulden in vollem Umfang selbst tragen müssen. Das wird für die irischen Banken also noch mal wesentlich teurer.

Übrigens wurde der Fall von einem Ex HRE/UniCredit manager gegen Anglo Irish Bank / IBRC gebracht. Da scheinen die Bayern berechtigterweise den Iren noch einiges nachzutragen wegen dem Depfa Debakel.

http://uk.reuters.com/article/2012/07/27/irish-banks-bail-ins-idUKL6E8IRL9Z20120727

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