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27.02.2013

11:45 Uhr

Anleihen

Italien bekommt die Quittung

VonJörg Hackhausen

Italien wagt sich erstmals nach der Wahl an den Kapitalmarkt - und muss höhere Zinsen zahlen. Nouriel Roubini fürchtet einen Teufelskreis. Jetzt soll Draghi wieder den Retter in der Not spielen.

Bei der ersten Versteigerung einer zehnjährigen Staatsanleihe nach der Parlamentswahl kletterte die Rendite auf 4,83 Prozent. Getty Images

Bei der ersten Versteigerung einer zehnjährigen Staatsanleihe nach der Parlamentswahl kletterte die Rendite auf 4,83 Prozent.

Italien wählt das Chaos. Und die Quittung kommt prompt. Bei Anleiheauktionen am Mittwoch muss das Land höhere Zinsen zahlen. Bereits in den vergangenen beiden Tagen waren die Renditen für italienische Staatsanleihen gestiegen.

Am späten Vormittag hat sich Italien mit Anleihen über eine Laufzeit von fünf und zehn Jahren an dem Markt gewagt. Volumen: insgesamt rund 6,5 Milliarden Euro. Es waren die ersten Auktionen lang laufender Staatsanleihen seit den Parlamentswahlen. Dabei kletterte die Rendite auf 4,83 Prozent - auf den höchsten Wert seit Oktober 2012. Ende Januar konnte Italien die Titel noch zu 4,17 Prozent loswerden. Bei den fünfjährigen Anleihen stiegen die Zinsen von 2,94 auf 3,59 Prozent.

Nach Einschätzung von Händlern dürften vor allem die italienischen Banken gekauft haben. „Die Nachfrage war ganz ordentlich”, sagte Analyst Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. „Allerdings verlangen die Investoren auch eine deutlich höhere Risikoprämie.”

Internationale Pressestimmen zur Wahl in Italien

„La Stampa“

„Grillo – Boom. Parlament blockiert“

„Corriere de la Sera“

„Schockvotum: Es gibt keine Mehrheit“

„La Repubblica“

„Grillo – Boom. Italien unregierbar“

„Guardian“:

„Gefahr eines Patts im Parlament lässt Eurozone schaudern“

„The Times“:

„Sorgen um die Eurozone, nachdem Wähler den Joker unterstützen“

„Financial Times“:

„Grillos Neulinge geben der Wut von Millionen eine Stimme“

„Les Echos“:

„Italien fällt zurück in die politische Paralyse“

„Libération“:

„Umbruch auf italienisch“

„Le Figaro“:

„Gesetzgebung droht in politischer Sackgasse zu landen“

„Le Parisien“:

„Italien von Grillos Welle überschwemmt“

„Kronen Zeitung“:

„Chaoswahlen: Italien vor totaler Unregierbarkeit“

„Kurier“:

„Politisches Patt droht: Italien wird unregierbar“

„Österreich“:

„Berlusconi stürzt Europa ins Chaos“

„Die Presse“:

„Krisenland Italien droht Polit-Blockade“

„El País“:

„Berlusconi und Grillos Antipolitik machen Italien unregierbar“

„ABC“:

„Europa stolpert ein weiteres Mal über Berlusconi“

„La Razón“:

„Ein unregierbares Italien löst in Europa Alarmstimmung aus“

„Rossijskaja Gaseta“:

„Ein Tsunami namens Grillo“

„Kommersant“:

„Italien zeigt sich gemäßigt“

Die Wahl in Italien hat genau das gebracht, was die Investoren am meisten gefürchtet hatten: totale Blockade. Der Reformer Mario Monti wurde abgestraft, erhielt nur zehn Prozent der Stimmen. Das Mitte-links-Bündnis von Pier Luigi Bersani konnte sich ebenfalls nicht durchsetzen. Künftig kann im Senat kein Gesetz beschlossen werden, ohne dass Ex-Premier Silvio Berlusconi oder der Komiker Beppe Grillo zustimmen. Die beiden Populisten haben 55 Prozent der Stimmen erhalten - mit einem Wahlkampf gegen Montis Reformpolitik. Das Wahlergebnis ist jedoch nicht nur ein Misstrauensvotum gegen Monti, sondern genauso gegen die Pläne der Euro-Retter in Brüssel, Berlin und Paris.

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Der Wahlausgang in Italien kann schwerwiegende Folgen für Banken haben.

Entsprechend wächst die Sorge unter den Investoren. „Eine Minderheitsregierung oder eine instabile Regierung bis zu Neuwahlen in ein paar Monaten bedeutet, dass die Investoren italienische Anleihe wahrscheinlich leer verkaufen, die Risikoprämien weiter steigen und der Schutzschild, der vorhanden sein sollte, nicht da ist“, sagte Nouriel Roubini, Professor an der New York University, in einem Interview. „Das könnte zu einem Teufelskreis führen.“

Die Strategen von Barclays um Huw Worthington schrieben in einer Studie, das Wahlergebnis entspreche ihrem schlimmsten Szenario. Sie halten einen Anstieg der zehnjährigen Rendite auf fünf Prozent für möglich.

Kommentare (168)

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DeutscherMichel

27.02.2013, 09:30 Uhr

wen juckt denn das?
1. Zugegeben, wir Deutsche leben z.Z. wie Gott in Frankreich und z.T. auf Kosten der schwächeren EU-Länder die sich gegen unsere Exportlawine wegen der EU-Verträge (Freihandelszone) nicht wehren können und nicht wehren dürfen. Somit können wir unsere Arbeitslosigkeit dank unseres Leistungsbilanzüberschusses exportieren (16 Milliarden im Schnitt PRO MONAT und das seit circa 17 Jahren)
2. Die paar Milliarden die wir jährlich netto an Brüssel zahlen müssen sind Peanuts im Verhältnis zum Leistungsbilanzüberschuss den wir durch unseren Mitgliedsbeitrag an Brüssel (EU) realisieren dürfen und können.
3. Den meisten Deutsche geht es besser als anderen EU-Bürger, außerdem ist es egal wie es den anderen EU-Ländern geht, und wenn in Griechenland, Spanien und Portugal die Jugendarbeitslosigkeit bei mehr als 50% liegt, wen juckt denn das? Den Herrn Weidmann, Sarrazin, Stark bestimmt nicht und mich schon gar nicht!
4. Eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse wurde in den EU-Verträge nie vereinbart, also sollen die arme Länder immer ärmer werden und die reiche immer reicher. So verstehe ich die von der deutsch-französische Achse diktierte EU-Verträge.
5. Sollte uns etwa nicht passen dann können wir aus der EU und EURO austreten, wir werden nicht unbedingt gebraucht. Zur Zeit des Römischen Reiches hat Germanien auch nicht zu Europa gehört!
Und da lief in Europa alles bestens, ohne uns!

Account gelöscht!

27.02.2013, 09:30 Uhr

Ruhig bleiben, Mario Dragh wird OMT starten, Italiens Zinsen werden runtergehen, Gold wird dann abheben.
Nicht vergessen - EZB ist die letzte große Zentralbank, welche noch nicht "richtig" wild drauflosdruckt wie alle anderen. Das wird ein echter Knaller, wenn OMT startet.

Micheline

27.02.2013, 09:45 Uhr

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