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16.04.2015

09:44 Uhr

Anleihen

Japan steigt zum größten Gläubiger der USA auf

Wer leiht den USA am meisten Geld? In der Liste der Top-Gläubiger stand China lange Zeit oben. Nun ist Japan vorbeigezogen. Mehr als die Chinesen, profitieren die Japaner von der höheren Rendite amerikanischer Papiere.

Das Land ist größter Gläubiger der USA. dpa

Das Land ist größter Gläubiger der USA.

Japan hat China als größten Gläubiger der USA abgelöst. Das Land hielt im Februar amerikanische Staatsanleihen im Wert von gut 1,224 Billionen Dollar (1,1 Billionen Euro), wie aus den am Mittwoch (Ortszeit) veröffentlichten Daten des Finanzministeriums in Washington hervorgeht. Damit wurde erstmals seit August 2008 die Volksrepublik China überflügelt, die US-Papiere im Wert von 1,223 Billionen Dollar in ihrem Bestand hat.

Der Abstand zwischen China und Japan war zuletzt auf nur noch eine Milliarde Dollar geschrumpft. Bis Januar hatte sich das Volumen der US-Staatsanleihen in japanischen Händen um 7,7 Milliarden Dollar erhöht, während die chinesischen Käufe seit fünf Monaten rückläufig waren.

Die beiden Länder halten jeweils rund zehn Prozent der handelbaren US- Staatspapiere im Gesamtwert von 12,6 Billionen Dollar. Im Januar kam China auf 1,2391 Billionen Dollar, während Japan 1,2386 Billionen Dollar erreichte.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

US-Anleihen sind für japanische Investoren wegen des Renditeabstands attraktiv. Während für zehnjährige US-Papiere die Rendite bei knapp 1,9 Prozent liegt, kommen die entsprechenden japanischen Bonds gerade mal auf 0,325 Prozent. Anders sieht es im Fall Chinas aus. Hier liegt die Rendite bei 3,7 Prozent.

Für Unsicherheit sorgt freilich das weitere Vorgehen der US-Notenbank. Will Tseng, Fondsmanager bei Mirae Asset Global Investments in Taipei, fürchtet, dass die US-Währungshüter nach fünf Jahren mit Anleihekäufen bald als Verkäufer auftreten könnten. Die Nachfrage nach US-Papieren aus dem Ausland wäre seiner Ansicht nach nicht in der Lage, das so entstehende Angebot auszugleichen. Die Folge wäre Druck auf den Anleihemarkt.

„Sollte sich die Fed im kommenden Jahr für den Verkauf von Anleihen entscheiden, werden die Renditen steigen, selbst wenn China oder Japan auf der Käuferseite bleiben“, so Tseng.

Kommentare (1)

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Herr Oliver Klima

16.04.2015, 10:45 Uhr

Genau das war zu befürchten mit diesem fragwürdigen Abenomics. Der Yen-Anleger sucht seinen Weg in andere Währungen. Die Kapitalmaßnahmen der Abenomics gehen also ineffizient in Schall und Rauch auf, so wie es viele gesagt haben.

Wenn es in Japan wegen einer Krise zu Kapitalbedarf kommt, dann werden die Japaner ihre US-Anleihen im Markt verkauft müssen. Und wenn sich das Wachstum in China weiter verlangsamt, dann werden die Chinesen das ebenso tun müssen. Dann werden nur noch die Verluste gegeneinander abgewogen und da geht der eigene Wirtschaftsraum der Japaner und der Chinesen vor.

Der Dollar wird dann dauerhaft fallen. Und wir bekommen deshalb in Europa im Export heftige Probleme.

Ich bin froh, dass wir den EURO und einen gemeinsamen EURO-Raum als Markt haben. Griechenland würde gut daran tun, wenn Tsipras schnellstens mal aus dem Eskalationsmodus kommt. Wir haben in Europa wirklich größere Probleme gemeinsam zu bestehen,

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