Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2016

17:20 Uhr

Anleihen

Ölpreisrutsch macht US-Hochzinsbonds madig

Lange waren Ramschanleihen gefragt. Doch der drastische Ölpreisverfall macht Investoren nun einen Strich durch die Rechnung. Die schlechte Stimmung könnte auch auf den europäischen Hochzinsmarkt überschwappen.

Wegen des drastischen Ölpreisverfalls stehen amerikanische Hochzinsanleihen vor einem schwierigen Jahr. dpa

Ölpreisverfall

Wegen des drastischen Ölpreisverfalls stehen amerikanische Hochzinsanleihen vor einem schwierigen Jahr.

FrankfurtAuf der verzweifelten Suche nach Rendite schreckten viele Anleger in den vergangenen Jahren auch vor Ramschanleihen nicht zurück. Papiere von Unternehmen, die aufgrund einer schlechteren Kreditwürdigkeit höher verzinst sind, gingen weg wie warme Semmeln.

Doch der Risikoappetit vieler Investoren hat einen Dämpfer erhalten - allen voran in den USA, wo der drastische Ölpreisverfall den Unternehmen im Energiesektor arg zu schaffen macht. Da gerade viele US-Öl- und Gasfirmen am so genannten High-Yield-Markt ihre Bonds im Umlauf haben, richten sich Kreditanalysten auf steigende Ausfallraten ein.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

"Amerikanische Hochzinsanleihen stehen vor einem schwierigen Jahr", prognostiziert Tobias Mock von der Ratingagentur S&P. "Und die Entwicklungen dürften auch den europäischen High-Yield-Markt nicht unberührt lassen."

Allerdings sollten die Bondausfälle hierzulande eher in Grenzen halten. "Unternehmen in Europa sind nicht exzessiv verschuldet, sie verdienen weiterhin Geld und haben ihre Fälligkeiten gut im Griff", konstatiert Steven Logan, Leiter Europäische Hochzinsanleihen bei Aberdeen Asset Management.

Hinzu kommt laut LBBW-Stratege Michael Köhler, dass es in Europa deutlich weniger Unternehmen gibt, die in der Öl- und Gasbranche ihre Geschäfte machen. S&P prognostiziert für europäische Hochzinspapiere 2016 einen Anstieg der Ausfallrate auf 2,4 Prozent nach 1,5 Prozent Ende vergangenen Jahres. Bei US-Papieren dürfte sie demnach bei 3,3 Prozent liegen nach zuvor 2,5 Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×