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18.01.2013

10:37 Uhr

Anleihen

Ratingagenturen haben nichts mehr zu melden

VonSara Zinnecker

Die Ratings in Europa purzeln. Allein für die PIIGS haben die großen drei Agenturen 94 Mal die Kreditwürdigkeit korrigiert – meist nach unten. Investoren ist das zunehmend egal. Sie bewerten die Bonität lieber selbst.

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DüsseldorfDer 12. Juli 2011, ein schwarzer Tag in der Geschichte Irlands. Es ist der Tag, an dem die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) die Kreditwürdigkeit des einstigen Euro-Vorzeigelandes von Baa3 auf Ba1 herabstuft – und irische Staatsanleihen in die Kategorie Ramsch steckt. Die Reaktion an den Märkten lässt nicht lange auf sich warten. Noch am Tag der Herunterstufung schießen die Renditen für langlaufende Bonds in die Höhe, von 12,5 Prozent auf mehr als 15 Prozent.

Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Nach der Herunterstufung fordern die Investoren sofort höhere Risikoaufschläge. Unter dem Strich wird die Kreditaufnahme dadurch teurer. Aber ist es wirklich so einfach? Gibt es überhaupt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Rating und Finanzierungskosten?

Das behaupten Europas Politiker gerne. Sie schimpfen, die drei Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch hätten durch ständig neue Herunterstufungen die Euro-Krise erst recht angeheizt. Da die großen Ratingagenturen allesamt in den USA sitzen, vermutet mancher dahinter sogar politische Motive, gezielte Angriffe auf Europa.

Rating-Historie der Krisenländer

Portugals S&P-Rating

Rating: / Gültig seit:

BB / 13.01.2012

BBB- / 05.12.2011

BBB- / 29.03.2011

BBB+ / 24.03.2011

A- / 30.11.2010

A- / 27.04.2010

Portugals Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

Ba3 / 13.02.2012

Ba2 / 05.07.2011

Baa1 / 05.04.2011

A3 / 15.03.2011

A1 / 21.12.2010

A1 / 13.07.2010

Aa2 / 05.05.2010

Irlands S&P-Rating

Rating / Gültig seit:

BBB+ / 13.01.2012

BBB+ / 05.12.2011

BBB+ / 01.04.2011

A- / 02.02.2011

A / 23.11.2010

AA- / 24.08.2010

Irlands Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

Ba1 / 12.07.2011

Baa3 / 15.04.2011

Baa1 / 17.12.2010

Aa2 / 05.10.2010

Aa2 / 19.07.2010

Spaniens S&P-Rating

Rating: / Gültig seit:

BBB- / 10.10.2012

BBB+ / 26.04.2012

A / 13.01.2012

AA- / 05.12.2011

AA- / 13.10.2011

AA / 28.04.2010

Spaniens Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

Baa3 / 16.10.2012

Baa3 / 13.06.2012

A3 / 13.02.2012

A1 / 18.10.2011

Aa2 / 29.07.2011

Aa2 / 10.03.2011

Aa1 / 15.12.2010

Aa1 / 30.09.2010

Aaa / 30.06.2010

Italiens S&P-Rating

Rating: / Gültig seit:

BBB+u / 31.01.2012

Au / 05.12.2011

Au / 19.09.2011

A+u / 17.02.2011

Italiens Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

Baa2 / 13.07.2012

A3 / 13.02.2012

A2 / 04.10.2011

Aa2 / 17.06.2011

Griechenlands S&P-Rating

Rating: / Gültig seit:

B- / 18.12.2012

SD / 05.12.2012

CCC / 02.05.2012

SD / 27.02.2012

CC / 27.07.2011

CCC / 13.06.2011

B / 09.05.2011

BB- / 29.03.2011

BB+ / 02.12.2010

BB+ / 27.04.2010

BBB+ / 16.03.2010

Griechenlands Moody's-Rating

Rating: / Gültig seit:

C / 02.03.2012

Ca / 25.07.2011

Caa1 / 01.06.2011

B1 / 09.05.2011

Ba1 / 26.12.2010

Ba1 / 14.06.2010

A3 / 22.04.2010

„Wir alle wissen, dass die Ratingagenturen stark zur Finanzkrise beigetragen haben“, sagt EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Der Politiker wollte unliebsame Ratings am liebsten ganz verbieten. Damit konnte er sich zwar nicht durchsetzen, wohl aber mit anderen Forderungen.

Das EU-Parlament hat gerade erst schärfere Regeln für die Ratingagenturen beschlossen. Anleger können künftig Unternehmen wie Moody’s, Fitch oder S&P für schwere Fehler bei Bewertungen haftbar machen. Vor Gericht können sie Schadenersatz für Verluste einklagen, wenn Ratingagenturen ein Unternehmen oder einen Staat absichtlich oder fahrlässig falsch beurteilen. Zudem dürfen Ratingagenturen EU-Staaten nur noch zu festen Terminen bewerten.

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Den Grund für den Abwärtsdruck sehen die Standard & Poor's-Analysten in Europa.

Die Ratingagenturen eignen sich hervorragend als Prügelknaben. Doch so mächtig, wie oft behauptet, sind die Bonitätswächter gar nicht. In Wahrheit kümmert sich der Markt immer weniger um deren Urteil. Ratings hätten seit Ausbruch der Euro-Schuldenkrise viel an Strahlkraft eingebüßt, sagt Falko Fecht, Professor für Finanzwirtschaft an der Frankfurt School of Finance & Management. Das Problem: „Ratings laufen den Märkten in zunehmendem Maß hinterher“.

Kommentare (6)

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Einweckglas

18.01.2013, 10:54 Uhr

Ratingagenturen haben eine wichtige Funktion der Risikobewertung, auch wenn diese mal daneben liegen. natürlich sind sie auch nicht von nationalen Interesseneinflüssen gefreit, weshalb man ja auch gerne eine europäische gründen könnte. Allerdings ist der Grund der Missactung der ratings wohl sowieso eher auf den tatbestand zurückzuführen, dass zu viel Geld von den Zentralbanken in Umlauf gebracht wird, welches halt schlichtweg irgendwo angelegt / investiert werden muss. Da steigt natürlich auch die Risikobereitschaft und wenn das Kartenhaus dann wieder zusammenfällt, wird das Gejammer wieder riesig sein.

otto15

18.01.2013, 11:10 Uhr

Genauso ist es - eigene Bewertung ist ein Witz.

Account gelöscht!

18.01.2013, 11:35 Uhr

Ich frage mich, wie es möglich ist, das die EU amerikanischen Firmen vorschreiben kann, wann und wie sie zu arbeiten haben und was sie wann veröffentlichen dürfen.

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