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15.01.2010

07:02 Uhr

Anleihen

Risikobonds nur noch für Elite-Banken

VonAndrea Cünnen, Yasmin Osman

Strengere Regeln machen Bankanleihen wie Stille Einlagen für viele Investoren so riskant, dass sie künftig wohl nur bei Top-Banken zugreifen. Der Grund: Die geplanten strengeren Regeln in der Bankenaufsicht machen so genannte Kernkapitalanleihen (Tier 1) künftig sehr viel riskanter als bisher.

Deutsche Bank in Frankfurt am Main. Das Institut hatte Glück und platzierte noch im August 2009 eine Anleihe, die noch unter die alten Regeln fällt. dpa

Deutsche Bank in Frankfurt am Main. Das Institut hatte Glück und platzierte noch im August 2009 eine Anleihe, die noch unter die alten Regeln fällt.

FRANKFURT. Eigenkapitalähnliche Bankanleihen könnten nach Einschätzung von Experten künftig zu einem Privileg erstklassiger Banken werden. Wegen der strengeren Regeln dürften Investoren künftig vor solchen Papieren, die von schwächeren Banken platziert werden, zurückschrecken.

Solche Nachranganleihen sind ein wichtiges Finanzinstrument für Banken, mit dem sie ihre Eigenkapitalquoten erhöhen. Für Banken ist das attraktiv, weil die Nachranganleihen günstiger als Aktienkapital sind. Investoren schätzten die Papiere, weil sie vor der Finanzkrise als relativ wenig riskant, aber attraktiv verzinst galten.

Noch gibt es keine endgültigen Beschlüsse über die genauen Konditionen. Doch das Konsultationspapier der internationalen Bankenaufseher in Basel gibt eine gewisse Orientierung. "Ich rechne mit einer Zweiteilung des Marktes bei Kernkapitalanleihen", sagte Eusebio Garre, der Leiter Credit Treasury und Liquiditätsmanagement der Postbank, dem Handelsblatt. Die Anforderungen an solche Papiere seien künftig so hoch, dass vermutlich nur Banken mit enormer Glaubwürdigkeit, also vor allem die nationalen Champions, Investoren finden würden. "Aber die Banken, die nicht in die erste Liga gehören, werden zu dieser Form des Kapitals keinen Zugang mehr haben", so Garre. Bislang habe so gut wie jede Bank solche Papiere platzieren können.

Die Reformen beunruhigen die Banken. "Die Unsicherheit mit Blick auf die künftige Anrechnung und Ausgestaltung von Tier-1-Papieren ist ein sehr großes Thema", sagt Kai Harden, einer der beiden Leiter des deutschen Banken-Kapitalmarktgeschäfts bei BNP Paribas.

Versicherer werden vorsichtiger

Auch unabhängig von den strengeren Regeln hat sich die Risikoeinschätzung der Investoren schon gründlich geändert: Die EU-Kommission verbat einigen Sanierungsbanken Kupons auf ihre Nachranganleihen wie Stille Einlagen oder Genussscheine zu zahlen. Mit den neuen Regeln aus Basel soll es zudem noch selbstverständlicher werden als bisher, dass in Verlustjahren auch solche Kupons ausfallen.

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