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11.07.2013

22:30 Uhr

Anleihen

Schwache Schuldner geraten unter Druck

Die Euro-Krise meldet sich zurück und verwandelt Staatsbonds aus den Krisenländern wieder zu einer Risikoanlage. Auch Unternehmensanleihen geraten unter Beschuss. Einige Konzerne ziehen ihre Emissionen sogar zurück.

Anleihen aus Euro-Krisenländern sind wieder im freien Fall. Auch Unternehmen leiden darunter. dpa

Anleihen aus Euro-Krisenländern sind wieder im freien Fall. Auch Unternehmen leiden darunter.

Europäische Unternehmen mit den schwächsten Bonitätseinstufungen tun sich schwer, Kapital am Bondmarkt zu beschaffen. Die Renditen bewegen sich weiterhin nahe der Höchststände dieses Jahres und Investoren ziehen in Rekordtempo Geld aus dem Junkbondmarkt ab.

"Die Investoren sind vorsichtig", viele halten lieber an ihren Barpositionen fest, nachdem die Renditen gestiegen sind, sagt Axel Potthof, Manager von Hochzinsanleihen bei Pacific Investment Management, die den weltgrößten Bondfonds verwaltet. "Ein weiteres Anziehen der Renditen wird Emissionen mit schwächeren Bonitäten fast unmöglich machen."

Politische Streitigkeiten in Portugal, wo die Regierung sich schwer tut, weiterhin Unterstützung für ihr Sparprogramm zu erhalten, haben dazu geführt, dass die Rendite der zehnjährigen portugiesischen Papiere in der vergangenen Woche erstmals seit November wieder über acht Prozent geklettert ist. Dies erfolgte auf einen Ausverkauf hin, nachdem Spekulationen aufgekommen waren, dass die Federal Reserve eine Reduzierung ihres Bondkaufprogramms vorbereitet. Die durchschnittliche Rendite von Hochzins-Unternehmensanleihen in Euro stieg auf 5,97 Prozent an, verglichen mit einem historischen Tief von fünf Prozent im Mai, zeigen Indexdaten der Bank of America Merrill Lynch.

Die umstrittenen Staatsanleihen-Kaufprogramme der EZB

10. Mai 2010

Als die Schuldenkrise zum ersten Mal in Griechenland eskaliert, beschließt der EZB-Rat den Kauf von Staatsanleihen überschuldeter Euro-Länder. Damit wirft die EZB erstmals in ihrer Geschichte de facto die Notenpresse an, um Krisenländern zu helfen und das politische Projekt der Gemeinschaftswährung nicht zu gefährden. In der Folge kauft sie für mehr als 200 Milliarden Euro Papiere von Griechenland, Irland und Portugal.

8. August 2011

Die EZB dehnt unter dem Druck der sich verschärfenden Schuldenkrise ihre Staatsanleihen-Käufe auf Spanien und Italien aus. Zudem wird bekannt, dass der damalige Notenbankchef Jean-Claude Trichet Briefe an die Regierungschefs dieser Länder, Silvio Berlusconi und Jose Luis Zapatero, geschrieben hat, in denen er ihnen Ratschläge für eine nachhaltige Finanzpolitik und Haushaltsführung erteilt. Der Brief an Berlusconi, den auch Trichets designierter Nachfolger - Italiens Notenbankchef Mario Draghi - unterzeichnet, wird zum Politikum.

2. August 2012

Draghi, mittlerweile EZB-Präsident, kündigt angesichts der immer weiter eskalierenden Krise ein neues Anleihen-Kaufprogramm an. Wenige Tage zuvor hatte er in London völlig überraschend erklärt, die EZB werde alles tun, um den Euro zu retten. Heftiger Widerspruch kommt von Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

6. September 2012

Der EZB-Rat beschließt das von Draghi einen Monat zuvor angekündigte Anleihe-Kaufprogramm OMT (Outright Monetary Transactions). Es ist an Bedingungen geknüpft, etwa dass ein Land, um in den Genuss der Hilfe durch die Notenpresse zu kommen, unter den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM schlüpfen muss. Im Gegenzug erklärt sich die EZB bereit, theoretisch unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen. Begründet wird das Programm, das im EZB-Rat gegen den Widerstand Weidmanns durchgesetzt wurde, mit einer Störung der Geldpolitik in den 17 Euro-Ländern.

12. September 2012

Das Bundesverfassungsgericht gibt in einem Eilverfahren grünes Licht für den ESM. Das Gericht kündigt zudem an, bei der Hauptverhandlung auch die Rettungspolitik der EZB unter die Lupe zu nehmen - und damit vor allem das Anleihe-Kaufpogramm OMT.

"Portugal gilt als Musterknabe des Rettungsprogramm und kam doch an den Rand eines Zusammenbruchs", sagte Dimitris Dalipis, Fondsmanager bei Alpha Trust Mutual Fund Alpha Trust Management in Athen. "Die Chancen auf viele neue Transaktionen in den nächsten Wochen sind nun geringer."

Die siebenjährigen Anleihen von Portugal Telecom SGPS im Volumen von einer Milliarde Euro, die größte Emission des Telekomanbieters seit 2009, haben seit der Platzierung am 30. April etwa fünf Prozent an Wert verloren.

Im Juni sind Hochzins-Unternehmenspapiere um 2,1 Prozent gefallen, wie aus Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch hervorgeht. Das ist die zweitschlechteste Entwicklung seit November 2011, als Griechenland signalisierte, das Land werde möglicherweise ein Referendum zur Euro-Mitgliedschaft veranstalten.

Im Juni zogen Investoren laut vorläufigen Daten von JPMorgan Chase, die auf 70 Prozent der berichtenden Fonds basieren, 1,7 Milliarden Euro aus europäischen Junk-Investmentfonds ab. Das sind die zweitgrößten je verzeichneten Abflüsse.

Kommentare (1)

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Augias

12.07.2013, 06:59 Uhr

Die Euro-Krise meldet sich zurück und verwandelt Staatsbonds aus den Krisenländern wieder zu einer Risikoanlage.
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Niemals - nicht einmal vor über 25 Jahren! - käme ich auf die Idee, mit dem Ramsch der korrupten Südländer mein Portfolio zu kontaminieren, niemals! Wer deren toxischen Kram erwirbt, kann doch nicht mehr alle Latten am Zaun haben.

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