Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.03.2013

14:31 Uhr

Anleihen

Sichere Geldanlage – das war einmal

Die Zahl als sicher eingestufter Anleihen geht drastisch zurück. Das macht Anlegern und Sparern weltweit zu schaffen. Wenn sie nicht verlieren wollen, müssen sie mehr riskieren. Es gibt aber auch Gewinner.

Die Zahl der Länder mit Spitzenrating wird kleiner. dpa

Die Zahl der Länder mit Spitzenrating wird kleiner.

London/Frankfurt/New YorkEs wird immer schwieriger, sein Geld sicher anzulegen. Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern lässt sich durch Zahlen belegen. Das Volumen der Anleihen mit Toprating ist seit der Finanzkrise 2008 weltweit um 60 Prozent kleiner geworden. Das hat eine Untersuchung der „Financial Times“ ergeben.

Vor allem die Herabstufung der USA, aber auch von Großbritannien und Frankreich habe die Zahl der als sicher eingestuften Anleihen auf dem Markt extrem sinken lassen. Das Volumen von Anleihen, die bei den großen Ratingagenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch noch AAA-Status genießen, sank von 11 Billionen US-Dollar im Jahr 2007 auf nur noch 4 Billionen US-Dollar.

Mit der Herabstufung großer Industrieländer gehe eine dramatische Neubewertung der internationalen Landkarte für Kreditratings einher. Während die Industrie-Staaten in den vergangenen Jahren reihenweise abgestraft wurden, besonders in Europa, seien viele Ratings in anderen Teilen der Welt angehoben worden. Dies werde besonders an den lateinamerikanischen Ländern Bolivien, Uruguay und Brasilien deutlich.

Ratings der größten Volkswirtschaften der Welt

USA

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA

Ausblick: Negativ

China

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Japan

S&P Rating: AA-
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Negativ

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Vereinigtes Königreich

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Brasilien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Russland

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Indien

S&P Rating: BBB-
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB-
Ausblick: Stabil

Kanada

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Australien

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Schweiz

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil


„Vor fünf Jahren waren die Welt ziemlich vorhersehbar. So etwas wie Bankenkrisen gab es vor allem in den sich entwickelten Volkswirtschaften“, sagte David Riley, bei der Agentur Fitch für die Länder-Rankings zuständig, der Zeitung. „Jetzt leben wir in einer Welt, in der viele dieser Annahmen verschwunden sind.“

Einen Profiteur gibt es aber auch in Europa: Deutschland. Die Bundesrepublik bekommt nach wie vor von allen großen Ratingagenturen die Bestnote. Bei Investoren sind Bundesanleihen deshalb begehrt - entweder weil sie die Papiere für besonders sicher halten oder weil sie aufgrund von Regularien in Triple-A-Anleihen investieren müssen. „Eine Folge der Finanzmarktkrise ist, dass immer mehr Finanzgeschäfte durch mehr und höherwertige Sicherheiten unterlegt werden müssen“, sagte Kornelius Purps, Anleiheexperte bei Unicredit, im Gespräch mit der Wirtschaftswoche. Dafür kämen nur Bonds bester Bonität infrage. „Bundesanleihen werden von dieser Entwicklung sicherlich profitieren“, so Purps.

Die Folge: Die Kurse von Bundesanleihen steigen, die Renditen fallen. Inzwischen liegt die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen nur noch bei 1,28 Prozent, im historischen Vergleich sehr niedrig. Damit kann sich Bundesfinanzminister Schäuble so günstig Geld leihen wie selten.

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.


Weniger günstig ist die Lage für die Anleger. „Nach Abzug der Inflation machen Anleger damit bereits ein Verlustgeschäft. Sie müssen jetzt umdenken ", sagte Andreas Feiden, der als Geschäftsführer bei Fidelity Worldwide Investment verantwortlich für das Privatkundengeschäft ist.

Lange hätten Staatsanleihen der westlichen Welt als risikofreie Renditegaranten gegolten. Angesichts der anhaltenden europäischen Staatsschuldenkrise müssten sich Anleger von dieser einstigen Gewissheit jedoch endgültig verabschieden.

Bundeswertpapiere waren in den vergangenen Jahrzehnten eine ertragreicher Anlage. Noch im Jahr 2000 gab es für eine zehnjährige Bundesanleihe rund fünf Prozent Zinsen pro Jahr. „Unsere alten Überzeugungen von Chancen und Risiken treffen vielfach nicht mehr zu“, sagte Feiden.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

randolph99

27.03.2013, 16:28 Uhr

Wieso, es gibt immer noch sichere Geldanlagen! Mag sein, dass die Rendite niedrig ist und man durch Inflation sogar verliert, aber für den normalen Bürger allemal besser als eine riskante Anlage einzugehen. Der Spatz in der Hand ist immer noch besser als die von den Vermögensverwaltern und Banken versprochene Taube auf dem Dach! Mehr Risiko heißt auch höheres Verlustrisiko. Die Aktienmärkte sind inzwischen immer mehr zu Casinos geworden und die Vermögensverwalter sind deren Croupiers. Also setzt ruhig auf sichere Anlagen sonst heißt es ganz schnell auch mal „Rien ne va plus“ für den Spieler, natürlich nicht für den Croupier.

Truchel

27.03.2013, 17:09 Uhr

Dass die Spareinlagen sicher sind, haben Merkel, Schäuble und die EU im Fall Zypern bewiesen: Diese höchste Sicherheit führte zur Enteignung bzw. zum Diebstahl von privatem Vermögen. Damit haben sich die Eurospinner einen Bärendienst erwiesen. Wer glaubt heute noch an die Einlagensicherung von 100 000 Euro? Dem Staat und der EU ist alles recht, auch der Diebstahl der ehrlichen Vermögen. Alle deutschen Altparteien sollte man auslöschen und neu beginnen. Die "Alternative für Deutschland" sollte sehr stark werden, mit einem bürgernahen, guten Programm, was alle EU- und Euroskeptiker befürworten werden. Die Zeit ist reif für einen Neuanfang, bevor alles in die unbezahlbaren Brüche geht.

Westerwaelder

27.03.2013, 17:52 Uhr

Die sicherste Geldanlage ist momentan sicher der Sparstrumpf, denn der allein bietet die Sicherheit vor dem Zugriff des Staates. Bei den derzeitigen Angeboten der Banken und Sparkassen, die weit unter der Inflationsrate liegen, verliert der Sparer ohnehin jährlich ein bis zwei % seines Vermögens, aber das ist ja so gewollt. So tragen wir mit dazu bei, dass billiges Geld in marode Staaten gepumpt wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×