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21.02.2014

15:18 Uhr

Anleihen

Ukraine droht der Staatsbankrott

Kiew verliert zunehmend das Vertrauen von Investoren. Eine wichtige Ratingagentur stuft die Kreditwürdigkeit herab. Das Land steht kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Präsident Janukowitsch steht mit dem Rücken zur Wand.

Ukrainische Oppositionelle rasten hinter Barrikaden: „Wir denken, dass die Zukunft der gegenwärtigen Führung in der Ukraine derzeit unsicherer ist als jemals seit Beginn der Proteste im November 2013“, erklärte S&P. dpa

Ukrainische Oppositionelle rasten hinter Barrikaden: „Wir denken, dass die Zukunft der gegenwärtigen Führung in der Ukraine derzeit unsicherer ist als jemals seit Beginn der Proteste im November 2013“, erklärte S&P.

Düsseldorf, KiewDie Lage in der Ukraine spitzt sich zu - auch finanziell: Nach den seit Wochen andauernden Unruhen haben sich Investoren abgewendet. Die Ratingagentur Standard & Poors (S&P) warnt vor einem Zahlungsausfall. Auch Russland scheint nicht mehr bedingungslos zu seinem Nachbarn zu stehen. Wenn es Präsident Viktor Janukowitsch nicht gelingt, die Gewalt bald zu beenden, droht ihm das Geld auszugehen.

Auch vor diesem Hintergrund unterbreitete der Präsident am Freitag einen neuen Vorschlag. Janukowitsch kündigte vorgezogene Präsidentschaftswahlen an, nannte dafür aber keinen Termin. Zugleich erklärte er, er akzeptiere eine Verfassungsreform und die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit. Die Vertreter der ukrainischen Protestbewegung des Maidan haben der Unterzeichnung eines vorläufigen Abkommens mit der Regierung zugestimmt.

Die wichtigsten Daten der Krise in der Ukraine – Teil 1

21. November 2013

Die Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch kündigt an, ein nahezu unterschriftsreifes Partnerschaftsabkommen mit der Europäischen Union auf Eis zu legen. Stattdessen sucht die Staatsführung den Schulterschluss mit Russland.

30. November

Die Kiewer Polizei geht mit brutaler Gewalt gegen Demonstranten vor. 35 Menschen werden festgenommen. Die Bilder von blutüberströmten Menschen heizen die Wut auf die Regierung an. Am 1. Dezember gehen rund 300.000 Menschen auf die Straßen. Es ist die größte Demonstration seit der Orangenen Revolution 2004.

17. Dezember

Russlands Präsident Wladimir Putin kündigt den Kauf von ukrainischen Staatsanleihen in Höhe von 15 Milliarden Dollar an und bietet Kiew überdies einen Preisnachlass für russisches Gas. Sowohl Putin als auch Janukowitsch beteuern, dass keine Bedingungen an das Angebot geknüpft seien. Zuvor hatte Russland die Ukraine umworben, einer von Moskau geführten Zollunion beizutreten.

16. Januar 2014

Das Demonstrationsrecht wird verschärft.

22. Januar

Mindestens drei Demonstranten sterben bei Zusammenstößen mit der Polizei. Zwei von ihnen werden erschossen, einer stirbt nach einem Sturz.

25. Januar

Die Opposition lehnt eine von Janukowitsch angebotene Regierungsbeteiligung ab. Am Folgetag weiten sich die Proteste in den Regionen aus.

28. Januar 2014

Opposition und Regierung einigen sich auf die Abschaffung der umstrittenen repressiven Gesetze vom 16. Januar und auf eine Amnestie für Demonstranten. 361 von insgesamt 412 registrierten Abgeordneten stimmten dafür. Außerdem reicht Regierungschef Nikolai Asarow seinen Rücktritt ein. Laut Artikel 115 der ukrainischen Verfassung zieht die Demission des Ministerpräsidenten den Rücktritt der gesamten Regierung in Kiew nach sich.

2. Februar

Mehr als 60.000 Menschen protestieren in Kiew. Die Opposition fordert eine internationale Vermittlung in dem Konflikt sowie westliche Finanzhilfen.

3. Februar

Der Westen prüft wirtschaftliche Hilfen für die Ukraine, knüpft diese aber an Reformen.

4. Februar

Die ukrainische Opposition fordert von Janukowitsch ein „Ende der Diktatur“.

5.-6. Februar

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und die US-Europabeauftragte Victoria Nuland sind zu Vermittlungsbemühungen in Kiew.

7. Februar

Janukowitsch trifft sich am Rande der Olympischen Spiele in Sotschi mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin. Die Massenproteste in Kiew dauern an.

14. Februar

Die Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass alle 234 seit Dezember festgenommenen Demonstranten wieder frei sind.

16. Februar

Erneut versammeln sich Zehntausende zu Protesten auf dem Maidan. Die Opposition räumt nach wochenlanger Besetzung das Rathaus in Kiew und Verwaltungsgebäude in mehreren Provinzen.

17. Februar

Moskau kündigt an, noch in dieser Woche zwei Milliarden Dollar aus dem Hilfspaket an die Ukraine zu überweisen, nachdem es die Zahlungen nach Asarows Rücktritt eingestellt hatte.

18. Februar

Die Gewalt eskaliert erneut, es kommt zu tödlichen Zusammenstößen in Kiew. Die Regierung setzt den Demonstranten ein Ultimatum, bis zum frühen Abend ihre Proteste zu beenden. Die Oppositionellen besetzen erneut das Rathaus. Am Abend beginnen Sicherheitskräfte mit der gewaltsamen Räumung des Maidan.

19. Februar

Das Gesundheitsministerium in Kiew spricht von 25 Toten bei den jüngsten Zusammenstößen. Die EU erwägt Sanktionen gegen die Führung in Kiew.


An den Finanzmärkten entspannte sich die Lage am Freitag, nachdem sich eine politische Lösung abzeichnete. Die Landeswährung Hrywnja stieg bis auf 8,83 Dollar. Am Vortag war sie bis auf 9,085 Dollar gefallen. Seit Beginn der Proteste hat sie rund zehn Prozent verloren. Die in Dollar gehandelten zehnjährigen Staatsanleihen zogen ebenfalls leicht an, die Renditen gaben leicht nach. Sie liegen allerdings immer noch bei 10,5 Prozent.

Steiler Anstieg: Kosten für Kreditausfallversicherungen der Ukraine seit 2013. Bloomberg

Steiler Anstieg: Kosten für Kreditausfallversicherungen der Ukraine seit 2013.


Die Kosten für Ausfallversicherungen (Credit Default Swaps), mit denen sich Investoren gegen einen Zahlungsausfall absichern, fielen nur leicht. Wer ein zehn Millionen Dollar schweres Paket ukrainischer Anleihen gegen Zahlungsausfall absichern möchte, muss aktuell 1,250 Millionen Dollar zahlen. Im Januar waren es rund 700.000 Dollar. Nur für Argentinien und Venezuela werden noch höhere Prämien fällig.

Die Ausgabe von fünfjährigen Anleihen im Volumen von zwei Milliarden Dollar musste die Ukraine nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters absagen. Die Nachfrage war zu gering. Der große Nachbar Russland wollte - anders als erwartet - offenbar nicht als Käufer einspringen.

Zuvor hatte die Ratingagentur Standard & Poor’s das Land heruntergestuft. S&P senkte die Kreditwürdigkeit am Freitag zum zweiten Mal binnen drei Wochen - und zwar um eine Stufe auf „CCC“ - und damit acht Stufen unter der Güteklasse Investmentgrade. Staatsanleihen des Landes gelten damit als hoch spekulative Anlage. Ein Zahlungsausfall kann demnach nur bei einer günstigen Entwicklung verhindert werden. „Wir sind jetzt der Überzeugung, dass die Ukraine zahlungsunfähig sein wird, sollte sich die Lage nicht erheblich zum Positiven wenden - womit wir nicht rechnen“, heißt es in der Stellungnahme der S&P-Analysten.

Kommentare (12)

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Eurowahn

21.02.2014, 11:21 Uhr

Es droht der Staatsbankrott ! Dann schnell rein in die Eurozone. Herr Schäuble hat schon enige Milliarden von unserem Steuergeld für die Ukraine bereitgelegt.

Ukraine

21.02.2014, 11:49 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

GegendenPopulismus

21.02.2014, 11:54 Uhr

Dieser Kommentar folgt mal wieder einem bekannten Reflex und ist undifferenziert und und populistisch.

Viel interessanter ist doch: Was macht die Polizei, das Milität etc. wenn keine Gehälter mehr gezahlt werden?

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