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11.02.2015

14:30 Uhr

Anleihen und Athen

Investoren unterschätzen die griechische Gefahr

Griechenlands Widerstand bringt die Euro-Zone ins Wanken. Italien und Spanien könnten ebenfalls in Bedrängnis geraten. Doch Anleihe-Investoren interessiert das nicht. Sie ignorieren die griechische Ansteckungsgefahr.

Sprüht der Funke nach Alexis Tsipras Wahlsieg in Griechenland auf Podemos-Bewegung von Pablo Iglesias über? Wenn ja, sollten sich Anleihe-Investoren warm anziehen. ap

Sprüht der Funke nach Alexis Tsipras Wahlsieg in Griechenland auf Podemos-Bewegung von Pablo Iglesias über? Wenn ja, sollten sich Anleihe-Investoren warm anziehen.

Die entspannte Haltung der Investoren könnte die Gefahr, die von Griechenland für den Euro-Raum ausgeht, noch verstärken. Sie nehmen bei italienischen und spanischen Staatsanleihen nahezu rekordniedrige Zinsen hin und ignorieren damit die Gefahr einer Ansteckung der Peripherieländer durch die Bemühungen Griechenlands, einen neuen Schulden-Deal von mehr als 300 Milliarden Euro auszuhandeln. Und sie senden damit falsche Signale an die europäischen Politiker.

„Irgendjemand sagt irgendwas, was freundlich klingt, und schon schließt der Markt daraus, dass eine Lösung in Sicht ist“, sagte Stephen Lewis, Chefvolkswirt bei ADM Investor Services International in London, in der vergangenen Woche. „Dabei muss das überhaupt nicht stimmen. Ein Ende der Sparpolitik in Griechenland wäre ein Ende der Sparpolitik im Euro-Raum insgesamt.“

Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen mit Griechenland

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner?

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner in der Griechenland-Krise? Seit dem Sieg von Syriza ist das Verhandeln mit dem Staat von der Größe Brandenburgs komplizierter geworden...

Jean-Claude Juncker

Der 60-Jährihe gilt als Europäer aus Leidenschaft. Er war und ist eine der Schlüsselfiguren bei der Euro-Rettung. Acht Jahre lang (von 2005 bis 2013) war der Luxemburger Vorsitzender der Eurogruppe, der die Finanzminister der Staaten mit Euro-Währung angehören. In dieser Funktion hat Juncker seit 2010 maßgeblich die Rettungsprogramme für Krisenstaaten wie Griechenland ausgehandelt. Der Christsoziale war 18 Jahre lang (bis Ende 2013) Premierminister in Luxemburg – inzwischen ist er Präsident der EU-Kommission.

Mario Draghi

Der 67 Jahre alte italienische Bankmanager und Wirtschaftswissenschaftler ist seit November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Unter seiner Führung pumpte die Notenbank billiges Geld in das Bankensystem, schaffte die Zinsen im Euroraum quasi ab und schuf ein Kaufprogramm, um notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben. Kritiker werfen ihm vor, die Befugnisse der Notenbank überdehnt zu haben.

Christine Lagarde

Die französische Politikerin steht seit Juli 2011 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zuvor war sie Wirtschafts- und Finanzministerin in Paris. Die 59 Jahre alte Juristin erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Auf ihr lastet jedoch, dass die französische Justiz gegen sie in einer Affäre um mutmaßliche Veruntreuung öffentlicher Mittel aus ihrer Zeit als Ministerin ermittelt.

Angela Merkel und Wolfgang Schäuble

Bundeskanzlerin Merkel hatte mit Beginn der dramatischen Finanzkrise in Griechenland auf die Bremse gedrückt. Die eiserne Devise von Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble: Keine Leistung ohne Gegenleistung, europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. In Athen wurde Merkel dann bei einem Besuch mit Plakaten begrüßt, auf denen sie mit Hitler-Bart zu sehen war. Nach dem Regierungswechsel in Athen ist Berlin für Kompromisse offen: Ein verlängertes Hilfsprogramm oder nochmalige Krediterleichterungen. Ein weiterer Schuldenschnitt wird aber abgelehnt.

Doch anstatt Anleihen abzustoßen und die Regierungen zum Handeln zu zwingen, sehen die Investoren nur eine geringe Gefahr, dass Griechenland den Euro-Raum verlässt. Das ermutigt die europäische Politik, sich gegenüber einem Schuldenschnitt hart zu zeigen – und unterschätzt damit die Gefahr, dass eine Fehlkalkulation die Finanzstabilität der Region schwer schädigen würde, erklärt Chris Attfield von HSBC in London.

„Diese fehlende Ansteckung erhöht die Randrisiken in der Peripherie“, schrieb Attfield am 6. Februar, und bezog sich damit auf Ereignisse, die zwar wenig wahrscheinlich sind, im Fall ihres Eintretens aber starke Auswirkungen hätten. „Die Gefahr ist, dass dadurch das Gefühl entsteht, der Euro-Raum könne ein Ausscheiden Griechenlands überstehen.“

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Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hält bislang an seinem Wahlversprechen fest, die Kürzungen der Sozialausgaben im Zuge des Rettungsprogramms rückgängig zu machen. Seit seinem Wahlsieg hat Tsipras angekündigt, den Mindestlohn in Griechenland anzuheben, den Freibetrag zur Einkommensteuer wiedereinzuführen und Infrastrukturprivatisierungen zu stoppen. Zugleich erklärte er, er wolle Reparationen von Deutschland fordern. Mit all dem traf er bei seinen europäischen Amtskollegen auf keine Gegenliebe. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel signalisierte kaum Bereitschaft, über die Bedingungen des Rettungsprogramms zu verhandeln.

Während Tsipras' Wahlversprechen bei seinen Wählern gut ankommen, sind Investoren davon nicht angetan. Obwohl Tsipras zugesagt hat, Anleihen in den Händen privater Gläubiger zu bedienen, sind die Renditen auf Niveaus hochgeschossen, wie es sie seit der Umschuldung von 2012 nicht mehr gegeben hatte. Der Aktienmarkt verlor seit Tsipras' Wahlsieg neun Prozent.

Kommentare (10)

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Herr erhard bost

11.02.2015, 14:45 Uhr

Was für ein konfuser Artikel: Warum soll dies eine Gefahr sein, wenn die Anleihenmärkte derzeit nicht verrückt spielen. Es zeigt einfach, dass die Märkte die Bedeutung Griechenlands für die Euro-Zone richtig einschätzen, nämlich als gering, was die Stabilität der Zone auch ohne Griechenland beträfe.
Und dies ist dann keine Gefahr, wie der Autor meint, sondern etwas ausgesprochen positives. Es verhindert einerseits eine Erpressung durch Griechenland und anderseits den Ansteckungseffekt, den der Autor befürchtet, nämlich dass andere Länder wie Spanien, Italien etc. Griechenland nacheifern wollen. Also ein völlig konfuser Artikel mit einer völlig konfusen Schlussfolgerung.

Herr Thomas Albers

11.02.2015, 14:52 Uhr

"Italien und Spanien könnten ebenfalls in Bedrängnis geraten. Doch Anleihe-Investoren interessiert das nicht. Sie ignorieren die griechische Ansteckungsgefahr."

Bei Schuldenschnitt oder Grexit wird es kurzfristig zu Preisanpassungen kommen, weil der Markt dann auf die harte Tour mit dem tatsächlichen Risiko konfrontiert wird. Die Gewissheit "Draghi bürgt immer" wird dann genommen, weil die Eurozone zeigt, dass sie bereit ist, aussichtlose Mitgliedschaften zu beenden. Das ist aber eigentlich eine gute Sache, wenn der Markt wieder verantwortlich und realistisch bewertet...

Herr Marc Otto

11.02.2015, 14:58 Uhr

Ein guter weiser Arzt weiß, wann man einen Krebs entfernen muss.

entweder der Krebs
oder der ganze Mensch

es ist nur eine Frage der Zeit.

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