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09.02.2016

13:12 Uhr

Anleihen und Börsencrash

Die neue alte Fluchtburg

VonAndrea Cünnen

Die pessimistische Stimmung an den Aktienmärkten treibt Anleger erneut in als sicher geltende deutsche und amerikanische Staatsanleihen. Doch deren Potenzial ist begrenzt – die Rendite reizt kaum noch.

Bundesanleihen gelten in Krisenzeiten als sichere Anlage. Imago

Feste Mauern, feste Anlage

Bundesanleihen gelten in Krisenzeiten als sichere Anlage.

FrankfurtDer Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach. Getreu diesem Motto kaufen Anleger wieder wie verrückt Bundes- und US-Staatspapiere. Eine Mini- oder gar Minus-Rendite ist vielen Investoren offensichtlich lieber als ein unkalkulierbarer Verlust bei Aktien. „Die momentane Risikoaversion stützt vor allem die Nachfrage nach vergleichsweise sicheren Anlageklassen“, meint Hendrik Lodde, Analyst bei der DZ Bank. Und zu diesen relativ sicheren Anlageklassen gehören vor allem Bundes- und US-Staatsanleihen.

Alle anderen Anleihearten – egal ob aus den südeuropäischen Euro-Ländern, von Unternehmen oder Banken sind dagegen in der Anlegergunst gesunken. Entsprechend steigen ihre Risikoprämien im Vergleich zu Bundes- oder US-Staatsanleihen. Dabei gilt: Je schlechter die Bonität, desto höher die Risikoprämien.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Die Kurse von Bundesanleihen und den Treasuries genannten US-Staatspapieren steigen dagegen deutlich. Im Gegenzug sinken ihre Renditen. In Deutschland liegt dabei die Rendite von Staatsanleihen für Laufzeiten von bis zu gut acht Jahren im Minus. Das heißt: Wer heute eine zweijährige Bundesanleihe kauft und bis zur Fälligkeit hält, macht damit einen Verlust von minus einem halben Prozent.

Damit hat die Rendite erneut ein historisches Tief erreicht. Dabei ist der Kurs des Papiers auf knapp 101 Prozent geklettert und liegt über dem Rückzahlungskurs von 100 Prozent. Der Kupon oder Zinsschein des Papiers liegt seit der neuesten Auflegung in der vergangenen Woche wieder bei null Prozent – so erklärt sich die Negativ-Rendite für Investoren.

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Bei der in acht Jahren fälligen Bundesanleihe ist die Rendite auf minus 0,05 Prozent abgesackt. Bei der zehnjährigen liegt sie bei nur noch etwas über 0,2 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit März vergangenen Jahres. „Die Flucht in die Qualität intensiviert sich“, beobachten die Strategen der französischen Großbank BNP Paribas. Sie gehen davon aus, dass die zehnjährige Bund-Rendite noch weiter fallen wird. Das Kurspotenzial ist dennoch begrenzt. Selbst wenn die Rendite auf null Prozent fallen würde entspräche das einem Kursanstieg von lediglich gut zwei Prozent. Damit rechnet bislang zwar kaum ein Stratege, doch die Marke ist seit Mitte April vergangenen Jahres fast erreicht.

Kommentare (11)

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Herr Fritz Yoski

09.02.2016, 13:12 Uhr

Wenn die Dt. Bank vom Steuerzahler gerettet werden muss kommen neue Anleihen mit weitaus hoeherer Rendite auf den Markt, also keine Sorge ;)

Herr Marc Otto

09.02.2016, 13:14 Uhr

hihi Frau Merkel, iwi stimmt was nicht mit der Bereichetung. Denn der DAX kollabiert ja total. Oder sollte der DAX etwa die Stimmung der deutschen Wirtschaft so abbilden, wie sie WIRKLICH ist?

(...)

 
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

09.02.2016, 13:27 Uhr

Wer Bundesanleihen kauft, setzt auf den Euro-Tod und damit auf die neue DM, die sofort 20%
aufwerten dürfte. Das neue Geld sollte etwas schwächer als der Franken sein, ein schöner
Reibach von locker 50% in den ersten Monaten.

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