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24.06.2015

13:23 Uhr

Anleihen und Rendite

Wo Zinsjäger auf Pirsch gehen

VonAndrea Cünnen, Susanne Schier

Tagesgeld bringt kaum Erträge. Und selbst Profianleger kämpfen, um für Versicherungen oder Fonds gute Renditen zu erzielen. Jenseits der Euro-Zone locken Erträge. In welche Regionen die Flucht vor dem Zinstief führt.

Das indische Wahrzeichen im malaysischen Legoland: In aufstrebenden Nationen können Anleihen gute Rendite bei angemessenem Risiko bringen. AFP

Taj Mahal aus Lego

Das indische Wahrzeichen im malaysischen Legoland: In aufstrebenden Nationen können Anleihen gute Rendite bei angemessenem Risiko bringen.

FrankfurtDirekt Staatsanleihen zu kaufen, das tun die wenigsten Privatanleger. Auch Anleihefonds sind nicht so stark verbreitet. Der Privatanleger bringt sein Geld am liebsten zur Bank, die das Geld dann in sicheren Anlagen – darunter auch Staatsanleihen – parkt und die regelmäßigen Zinszahlungen abgreift. Doch seit die Niedrigzinsen Europa im Griff haben, müssen Anleger umdenken, wenn sie noch Rendite erzielen möchten.

Plötzlich rücken Anleihen anderer Staaten in den Fokus, die Privatanleger bislang kaum bis gar nicht im Blick gehabt haben dürften. Statt dem Parken auf dem Tagesgeld- oder Festgeldkonto könnten Anleger auch über ein Investment in Fonds nachdenken, die sich auf Anleihen ausländischer Schuldner spezialisiert haben.

Fondsmanager sind bereits jetzt euphorisch: „Aus unserer Sicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um bei Schwellenländer-Anleihen einzusteigen“, meint zum Beispiel Walter Liebe, Fondsmanager bei Pictet. „Die Märkte für Schwellenländer-Anleihen bieten interessante Anlagechancen“, sagt auch Brigitte Le Bries, Expertin für Emerging Markets bei Natixis Asset Management.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

In der Tat liegen die Renditeaufschläge für Euro-Anleihen der Emerging Markets im Schnitt 1,7 Prozentpunkte über denen von deutschen Bundesanleihen. Noch mehr gibt es bei Dollar-Bonds der Schwellenländer. Hier liegen die Aufschläge bei 3,8 Prozentpunkten – und das in einem Umfeld wo fünfjährige US-Bonds mit 1,65 Prozent rentieren.

Grund für die höheren Kapitalmarktzinsen in den USA und damit auch den Dollar-Bonds der Schwellenländer sind die besseren wirtschaftlichen Aussichten in Nordamerika. Entsprechend stehen in den USA auch die Zeichen auf eine Zinserhöhung der Notenbank Federal Reserve (Fed) in diesem oder spätestens im nächstem Jahr.

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