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24.06.2013

10:19 Uhr

Anleihen unter Druck

Der Verkaufswelle folgen Turbulenzen

Die Anleihemärkte geraten massiv unter Druck. Die Renditen hab so stark angezogen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Doch Experten glauben: Dies ist nur der Anfang eines turbulenten Sommers.

Dax-Tafel in Frankfurt. Die Aktien- und Anleihemärkte sind diese Woche eingebrochen. dpa

Dax-Tafel in Frankfurt. Die Aktien- und Anleihemärkte sind diese Woche eingebrochen.

FrankfurtDie Anleihemärkte weltweit sind in dieser Woche massiv unter Druck geraten. Bei zehnjährigen US- Treasuries verzeichnete die Rendite den größten Anstieg auf Wochensicht seit zwei Jahren.

„Angesichts der Tatsache, dass ein Großteil der Preisbildung vom Programm der lockeren Geldpolitik abhing, haben die Anleihemärkte weltweit negativ auf Äußerungen Bernankes reagiert, die eine Zügelung nahelegen”, sagte Timothy Jung, Zinsstratege bei Westpac Banking in Sydney. „Die Vorstellung, dass die Liquiditätsschwemme möglicherweise ausläuft hat erhebliche Auswirkungen auf US-Treasuries gehabt.”

Die Rendite zehnjähriger Treasuries war am Freitag wenig verändert bei 2,42 Prozent. Am Donnerstag war sie in der Spitze auf 2,47 Prozent hochgeschnellt - der höchste Stand seit dem 8. August 2011. Die Rendite ist in dieser Woche um 30 Basispunkte geklettert, der größte Renditeanstieg innerhalb von fünf Handelstagen seit der Woche zum 1. Juli 2011.

Analystenstimmen zur Fed-Geldpolitik

Uwe Burkert, LBBW

„Die scharfe Reaktion der Rentenmärkte dies- und jenseits des Atlantiks bestätigt unseres Erachtens unseren Eindruck einer negativen Grundstimmung der Marktteilnehmer. Die Reduzierung des Expansionsgrads der Geldpolitik wird jedoch voraussichtlich in einem vorsichtigen Tempo erfolgen, eine Zinsanhebung in den USA dürfte bis Jahresende 2014 voraussichtlich nicht auf der Agenda stehen.“

Rob Lutts, Cabot Money Management

„Das Überraschendste war die Anhebung der Wachstumsrate für 2014. Auf die Wachstumszahlen wird sich der Anleihemarkt am stärksten konzentrieren. Die Bondanleger sagen sich: 'Wenn die Fed richtig liegt, müssen wir kurzfristig mit höheren Renditen rechnen.'“

George Rusnak, Wells Fargo Private Bank

„Die Fed wird mit der Drosselung der Wertpapierkäufe entweder im vierten Quartal oder im ersten Quartal nächsten Jahres beginnen.“

Camilla Sutton, Scotiabank

„Die Konjunkturprognosen signalisieren, dass die Arbeitslosenquote 2014 auf 6,5 Prozent sinken wird. Das bedeutet, dass die Fed die Zinsen früher anziehen könnte als erwartet, möglicherweise bereits im ersten Quartal 2015.“

Axel Merk, Merk Investments

„Die Hauptbotschaft ist, dass die Fed die Wertpapierkäufe wirklich drosseln will und dies bis zum nächsten Sommer abzuschließen hofft. Bernanke möchte kommunizieren, dass dies nicht unbedingt eine geldpolitische Straffung bedeutet, aber der Markt scheint das anders zu sehen.“

Fred Dickson, D.A. Davidson & Co.

„Er hat die Möglichkeit der Drosselung im September vom Tisch gewischt. Seine Aussagen über eine mögliche Verringerung der Wertpapierkäufe zum Jahresende und die Einstellung Mitte kommenden Jahres hat für etwas Klarheit, aber offenbar auch für Überraschung gesorgt.“

Brian Levitt, Oppenheimerfunds

„Die Fed beurteilt die US-Konjunktur offenbar optimistischer als bislang. Ich werte dies als gute Nachricht. Der Prozess der Normalisierung ist langwierig. Es bedeutet nicht, dass die Geldpolitik über Nacht gestrafft wird und die Grundlagen für den Aktienmarkt erscheinen immer noch vernünftig. Anleger sollten ihre Aktienpositionen nicht auflösen, weil die Fed mit dem langwierigen Prozess einer Normalisierung der Geldpolitik beginnt.“

Kan Mayland, Clearview Economics

„Erreicht das Wirtschaft zumindest durchschnittliche Wachstumsraten? Werden monatlich nachhaltig mehr als 200.000 neue Jobs geschaffen? Steigen die Preise zu schnell und überschreiten die Inflationserwartungen die Zielmarken? Nein, Nein und Nein. Daher kann man eine Drosselung zumindest in den kommenden Monaten vergessen.“

Ulrich Leuchtmann, Commerzbank

„Für die nächsten Wochen und Monate dürfte am wichtigsten sein, dass wir nun einen klaren Fahrplan für das "tapering" haben: Wenn sich die Rahmendaten so entwickeln, wie das FOMC erwartet, werden wir - so kündigte Bernanke an - eine erste Reduktion des QE-Volumens "später in diesem Jahr" sehen. Und "um die Mitte" 2014 würde dann QE3 ganz eingestellt. Das ist wesentlich klarer, als alles was wir bisher von der Fed zu diesem Thema gehört haben. Hinzu kommt, dass das Statement wesentlich optimistischer ausfiel als im Mai. (...) Die Kombination aus optimistischerer Konjunktureinschätzung und "Guidance" ist ein starkes Signal für die US-Währung.“

Ralf Umlauf, Helaba

„Fed-Chef Bernanke hat bei der gestrigen Pressekonferenz zur FOMC-Sitzung den zukünftigen Pfad der Geldpolitik, insbesondere die monatlichen Anleihekäufe, an die Entwicklung der Konjunkturdaten gekoppelt. Konkret heißt dies, dass die Notenbanker anhaltende Zeichen eines selbstragenden Aufschwungs und einer nachhaltigen Verbesserung sehen wollen. Sollte dies der Fall sein, könnten die Anleihekäufe im späteren Verlauf des Jahres zurückgefahren werden und gegen Mitte 2014 auslaufen. Während die Fed zukünftig den monetären Impuls allmählich verringern wird, ist die EZB noch immer bereit, der EWU-Wirtschaft mit weiteren Lockerungen unter die Arme zu greifen. Zwar hatte EZB-Präsident Draghi jüngst die Überzeugung geäußert, dass für eine weitere Zinssenkung derzeit keine Notwendigkeit bestehe, alle Optionen inklusive negativer Einlagensätze aber offen seien.“

Yuji Saito, Credit Agricole

„Bernanke ist deutlicher geworden, als der Markt es erwartet hat. Die Richtung des Dollar ist ab jetzt festgelegt.“

Auch in der Eurozone gerieten Bonds in dieser Woche in den Abwärtsstrudel. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag zwei Basispunkte höher bei 1,68 Prozent. Auf Wochensicht ist die Rendite damit um rund 17 Basispunkte in die Höhe geschnellt - der größte Anstieg seit der Woche zum 10. Mai. Die Rendite zehnjähriger österreichischer Bundesanleihen erreichte am Freitag 2,09 Prozent - ebenfalls ein Anstieg von 17 Basispunkten gegenüber dem vergangenen Freitag und der größte Schub seit Anfang Januar 2012. Noch größere Kursverluste gab es für zehnjährige Anleihen aus Spanien, Italien und Griechenland. Bei griechischen Anleihen stieg die Rendite am Freitag erstmals seit Anfang Mai wieder über die Marke von elf Prozent auf 11,08 Prozent.

Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba in Frankfurt erwartet eine erhöhte Volatilität in den kommenden Monaten. Die Zunahme der Kursausschläge hat sich auch bereits in der zu Ende gehenden Woche angedeutet. So ist die Volatilität bei Treasuries, die der Bank of America Merrill Lynch MOVE Index abbildet, am 20. Juni auf 96,02 Zähler geklettert. Das ist der höchste Stand seit dem 9. Dezember 2011. Im laufenden Jahr lag der Wert bislang durchschnittlich bei 60,8 Punkten.

Kommentare (2)

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steuerhilfe.net

24.06.2013, 10:42 Uhr

Die Blase platzt.

Account gelöscht!

24.06.2013, 12:41 Uhr

rette sich wer kann....

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