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05.01.2015

11:30 Uhr

Anleihen

US-Unternehmen zapfen europäischen Markt an

US-Unternehmen machen sich den billigen Euro zu Nutze. Anleihen, die in Euro notiert sind, haben für sie gegenüber Dollar-Papieren einen echten Kostenvorteil. Das bringt auch Debütanten auf den Markt.

Apple-Store: Auch der US-Technologieriese profitierte vom schwachen Euro und gab neue Anleihen aus. dpa

Apple-Store: Auch der US-Technologieriese profitierte vom schwachen Euro und gab neue Anleihen aus.

New YorkIm neuen Jahr werden US-Unternehmen den europäischen Anleihemarkt in einem seit mindestens acht Jahren nicht mehr verzeichneten Ausmaß anzapfen. Hintergrund sind die niedrigen Zinsen in Europa, die eine Finanzierung dort im Vergleich zur Verschuldung in Dollar so günstig machen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Bereits 2014 haben Apple, Verizon und andere US-Unternehmen in Europa, Anleihen im Volumen von 68 Milliarden Euro an den Markt gebracht, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Das Volumen ist das höchste seit 2007 und liegt 45 Prozent höher als 2013.

Im nächsten Jahr wird diese Summe vermutlich nochmals höher ausfallen, prognostizieren Barnaby Martin, Anleihestratege bei Bank of America Merrill Lynch in London und Jens Vanbrabant, leitender Vermögensverwalter bei ECM Asset Management in London.

Während in den USA Notenbankchefin Janet Yellen Zinserhöhungen im nächsten Jahr vorbereitet, erwarten Ökonomen für Europa weiterhin ein niedriges Zinsniveau. Da die Inflation im Euroraum auf Minuswerte zusteuert, steigt der Druck auf die Europäische Zentralbank, ein Programm zur quantitativen geldpolitischen Lockerung mittels Anleihekäufen zu starten, um Konjunktur und Inflation anzukurbeln.

Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen

Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben

Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.

Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben

Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen. Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen.

Was passiert wenn die Zinsen steigen

Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten. Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern.

Was tun wenn die Zinsen steigen

Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv. Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell.

Fazit

In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds gut geeignet. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren kaum noch geben.

„Wir gehen davon aus, dass sich der Renditeabstand in der ersten Jahreshälfte ausweiten wird, getrieben von Erwartungen, dass die EZB über Anleihekäufe weiterhin Geld ins System pumpen und die Fed die Zinsen erhöhen wird“, sagt Jonathan Pitkanen, Leiter Analyse Anleihen Investmentgrade bei Threadneedle Asset Management in London.

Derzeit liegt die durchschnittliche Rendite für Unternehmensanleihen der Güteklasse Investmentgrade in Euro um 2,11 Prozentpunkte niedriger, als der Zinssatz bei in Dollar denominierten Papieren. Die Differenz ist die größte seit Beginn der Datenerhebungen im Dezember 2004, zeigen Daten von Bank of America Merrill Lynch. Anfang 2014 lag der Abstand noch bei 1,25 Prozentpunkten. Während Euro-Anleihen von Unternehmen im Schnitt mit 1,12 Prozent Rendite einbringen sind es bei Dollar-Anleihen in den USA 3,23 Prozent.

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