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13.01.2015

14:43 Uhr

Anleihen

Venezuela steht kurz vor der Pleite

Russland, Ukraine, Argentinien – Krisen gibt es wahrlich genug. Die schlechtesten Bonds der Welt kommen jedoch aus Venezuela. Die Rating-Agentur Moody's warnt jetzt sogar vor einer Staatspleite.

Demonstranten in Caracas: Venezuela steckt in einer langjährigen Wirtschaftskrise. dpa

Demonstranten in Caracas: Venezuela steckt in einer langjährigen Wirtschaftskrise.

Frankfurt/DüsseldorfRussland erlebt den Kollaps der eigenen Währung, die Ukraine rutscht in einen gewaltigen Konflikt und Argentinien in die Pleite – an den Märkten war 2014 viel los. Doch die schlechteste Entwicklung am Anleihemarkt verbuchten Anleger mit anderen Papieren. Kein anderes Land hat bei Staatsanleihen so schlechte Ergebnisse geliefert wie Venezuela.

Auf Dollar lautende Papiere aus Venezuela bescherten Investoren im vergangenen Jahr einen durchschnittlichen Verlust von 31 Prozent. Das ist ein größeres Minus als bei jedem anderen Land, das von dem Börseninformationsdienst Bloomberg beobachtet wird.

Moody's sieht mittlerweile die Zahlungsfähigkeit des Landes in Gefahr. Die Rating-Agentur hat jüngst die Note für die Kreditwürdigkeit des südamerikanischen Landes um zwei Stufen auf „Caa3“ heruntergeschraubt. Damit wird den Staatsanleihen nur noch eine geringe Qualität bescheinigt. „Das Ausfallrisiko ist erheblich gestiegen“, erklärte Moody's in New York. Grund dafür sei der Einbruch der Ölpreise, wodurch weniger Geld aus dem Ausland nach Venezuela fließe. Die Deviseneinnahmen stammen zu 96 Prozent aus dem Rohstoffexport.

Sollte es zu einer Staatspleite kommen, dürften die Gläubiger auf einem Großteil ihrer Forderungen sitzenbleiben. „Moody's geht davon aus, dass der Verlust bei mehr als 50 Prozent liegen dürfte“, hieß es.

In der Ukraine, dem zweitschlechtesten Bondmarkt, fiel der Verlust nur etwa halb so hoch aus. Mit allen anderen Schwellenländeranleihen konnten Investoren im Schnitt einen Gewinn einfahren.

Dass die Investoren ihr Vertrauen in Anleihen aus Venezuela verloren haben, hat mehrere Gründe. In Venezuela gibt es zudem  traditionell einen Mangel an allem, von Milch bis Medikamenten. Außerdem hat das Land weltweit die höchste Inflation.

Risiken und Nebenwirkungen von Hochzins-Anleihen

Was passiert, wenn Zinsen niedrig bleiben

Hochzinspapiere erscheinen relativ attraktiv, da finanzstarke Emittenten nur extrem niedrige Zinsen zahlen. Gerade schwach beleumundete Schuldner sind auf steigende Preise für ihre Produkte angewiesen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Signalisieren die Niedrigzinsen gar eine Phase fallender Preise (Deflation), steigt das Pleiterisiko erheblich.

Was tun wenn die Zinsen niedrig bleiben

Unternehmensanleihen im Rahmen der Streuung des Depots beimischen. Deutet sich eine Phase fallender Güterpreise an, sollten Anleger ihre Hochzinsanleihen verkaufen und keine Neuengagements eingehen.

Was passiert wenn die Zinsen steigen

Bei steigenden Zinsen bieten Hochzinspapiere und Schrottbonds etwas Schutz vor sehr hohen Kursverlusten, weil sie einen relativ hohen Kupon bieten. Allerdings kommen lang laufende Papiere spätestens dann unter Druck, wenn sich neue Papiere gut beleumundeter Schuldner im Zins den Kupons alter Schrottbonds deutlich annähern.

Was tun wenn die Zinsen steigen

Papiere mit einer Bonität knapp unterhalb der Investitionsklasse mit einer Laufzeit bis zu rund vier Jahren sind attraktiv. Allgemeine Konjunktur- und Branchenprobleme oder individuelle Fehlgriffe des Managements bedrohen Hochzinsbonds generell.

Fazit

In Phasen halbwegs erträglicher Konjunktur und fallender Zinsen sind Hochzinsbonds gut geeignet. Diese Kombination dürfte es aber in den kommenden Jahren kaum noch geben.

Im abgelaufenen Jahr belasteten noch zusätzlich der Einbruch des Ölpreises sowie schrumpfender Devisenreserven. Der Preis für Öl aus Venezuela ist im Vergleich zum diesjährigen Hoch im Juni um mehr als die Hälfte auf zuletzt 48 Dollar je Barrel eingebrochen, wie Präsident Nicolas Maduro vor kurzem erklärte. Öl steht immerhin hinter mehr als 95 Prozent der Exporte des Landes. Mit einem Ölpreis unter 50 Dollar je Barrel wird der Auslandsfinanzierungsbedarf des Landes im Jahr 2015 auf 35,4 Mrd. Dollar ansteigen. Das geht aus Prognosen von Bank of America hervor.

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