Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2015

15:00 Uhr

Anleihen

Was das Draghi-Programm für Anleger bedeutet

VonJessica Schwarzer

Die EZB kauft Anleihen für insgesamt 1,14 Billionen Euro. Das dürfte die Kurse weiter steigen und die Renditen sinken lassen. Wie sicherheitsorientiere Anleger sich jetzt positionieren sollten und wo sie Renditen finden.

Der EZB-Präsident flutet die Märkte mit Geld. Reuters

Mario Draghi

Der EZB-Präsident flutet die Märkte mit Geld.

DüsseldorfExtrem konservative Anleger haben es nicht leicht. Die Zinsen haben die Notenbanken quasi abgeschafft, sichere Staatsanleihen bringen keine Rendite mehr. Im Gegenteil. Negative Renditen sind keine Seltenheit mehr, vor allem bei Bundesanleihen mit kurzen Restlaufzeiten verbrennen Investoren Geld.

Auch die Vermögensverwalter, die beim Depot-Contest der Münchener DAB Bank in der Kategorie „Sicherheit“ antreten, müssen sich dieser Herausforderung stellen. Ihre Aktienquote darf nur 20 Prozent betragen, der Rest steckt in Anleihen, die aber immer weniger Erträge abwerfen.

Wichtige Fragen zum Anleihekaufprogramm

Was kauft die EZB ?

Aktuell kauft die europäische Zentralbank bereits Covered Bonds und Asset-Backed Securities (ABS). Die sollen auch in das Quantitative-Easing Programm eingeschlossen werden. Von dem übrigen Volumen kauft die EZB zu 12 Prozent Schuldtitel von Institutionen. Der Rest fließt in Staatsanleihen aus der Euro-Zone. Die Staatsanleihen werden eine Laufzeit zwischen drei und 30 Jahren haben. Einen Durchschnitt nannte die EZB nicht, um die Renditekurve und die Fremdkapitalkosten nicht zu verändern.

Quelle: Bloomberg

Wie transparent werden die Transaktionen ?

Beim Kauf von Covered Bonds und ABS ist die Zentralbank ohne Ankündigung auf dem Markt aktiv geworden. Das wird auch beim Quantitative-Easing erwartet. Es gibt jedoch einen wöchentlichen Bericht über die Käufe der ABS und Covered Bonds. Über den Kauf der Staats-und Institutionsanleihen soll monatlich berichtet werden.

Was passiert mit Griechenland ?

Aktuell besitzt die EZB griechische Staatsanleihen in Höhe von 27 Milliarden Euro. Rechnet man die kurzfristigen Schatzwechsel heraus, entspricht dieser Wert 40 Prozent der ausstehenden Anleihen des Landes. Mit Schatzwechseln beläuft er sich auf 33 Prozent. Ob es zu weiteren Käufen kommt, hängt auch mit der politischen Entwicklung des Landes zusammen. Es scheint möglich, dass den griechischen Banken der Zugang zum Liquiditätsprogramm der EZB verwehrt bleibt.

Wie misst die EZB ihr Limit ?

Laut eigenen Angaben will die EZB maximal 33 Prozent der Staatsanleihen eines Landes kaufen. Bei spezifischen Anleiheemissionen will die Zentralbank weniger als 25 Prozent der Anleihen kaufen. Wie das genau gemessen werden soll ist allerdings unklar.

Das ab März anlaufende Staatsanleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) tut ein Übriges dazu: Sie wird ab März für mindestens 19 Monate Anleihen im Wert von 60 Milliarden Dollar kaufen. Insgesamt pumpen die Notenbanker um EZB-Präsident Mario Draghi 1,14 Billionen Euro in den Bondmarkt, und der Löwenanteil davon wird auf Staatsanleihen entfallen. „Wir hatten – wie alle Marktteilnehmer – mit dem Ankaufprogramm gerechnet“, sagt Thomas Bartels von Consulting Team. „Das Volumen hat uns dann aber schon etwas überrascht.“

Auch für Uwe Brettschneider von Mademann & Kollegen kam der hohe Umfang des Draghi-Programms überraschend. Vor allem ein Satz aus der Pressekonferenz fiel dem Vermögensverwalter auf. Die EZB würde solange kaufen, bis das Inflationsziel von circa zwei Prozent erreicht sei, hieß es dort. „Mit anderen Worten: Ähnlich dem amerikanischen Vorbild können noch weitere Ankaufprogramme folgen“, so Brettschneider. „In den USA begann alles im Jahr 2008 und endete erst im vergangenen Jahr.“

Experten rechnen damit, dass das gigantische Anleihekaufprogramm die Kurse nach oben ziehen und die Renditen noch weiter sinken lassen wird. Und das passiert nicht erst ab März. „Die Marktreaktion ist schon durch“, sagt Matthias Goldbach von Sand & Schott. Die Rendite 30-jähriger Bundesanleihen würde bereit bei einem Prozent liegen. „Jetzt wird interessant, ob Deutschland wirklich Staatsanleihen kaufen wird. Wird eine Notenbank auch Anleihen kaufen, die garantierte Verluste, sprich negative Renditen bringen?“  In Deutschland, Luxemburg und Österreich sei das Angebot an Anleihen ansonsten nämlich ziemlich beschränkt. Bundespapiere mit Restlaufzeiten von unter fünf Jahren beispielsweise weisen schon heute Negativrenditen auf. „Durch die massive Zufuhr von Liquidität können die Renditen insgesamt noch leicht zurückgehen“, sagt Bartels von Consulting Team. Sein Mitstreiter Brettschneider erwartet zudem, dass Renditedifferenzen der einzelnen Euro-Länder weiter zusammen schmelzen.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rocco Siffredi (Riesenarschloch)

03.02.2015, 15:36 Uhr

"Goldbach rät konservativen Anlegern deshalb, ihre persönliche Definition von Sicherheit zu überdenken und auch Aktieninvestments in Betracht zu ziehen. " Das ist doch ein äußerst bedenklicher Rat. Somit werden viele (konservative) Anleger in Risiko reingetrieben, das sie sonst nicht eingehen würden. Die Reaktion bei fallenden Kursen dürfte entsprechend sein.

Herr Manfred Zimmer

03.02.2015, 19:18 Uhr

Wollte Draghi das Ankaufprogramm realisieren und dem fachlichen Rat seiner Mitarbeiterin, Frau Nouy, folgen, wäre die EZB aus dem Stand "Pleite". Eine derart hohe Aktiva verlangte ca. 800 Mrd. € Eigenkapital.

Herr Peter Spiegel

04.02.2015, 09:48 Uhr

Mit einer Billion kann er ohnehin wenig ausrichten, bei 5 Billionen wird er landen.
Bis jetzt ist das ein Psycho-Programm.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×