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03.04.2014

10:08 Uhr

Anleihen

„Wir sind Investoren, keine Spekulanten“

VonJens Hagen

Die Politik der Euro-Notenbanker treibt die Anleihen der Südstaaten. Ein Anleihemanager verrät, warum die EZB eingreifen wird, die Renditen von Bundesanleihen einbrechen könnten und Griechenland-Anleihen Käufer finden.

Anlagestratege: Stephan Kuhnke ist Leiter Portfoliomanagement beim Anleihemanager Bantleon. PR

Anlagestratege: Stephan Kuhnke ist Leiter Portfoliomanagement beim Anleihemanager Bantleon.

Herr Kuhnke, Griechenland möchte zurück an den Anleihemarkt. Sind Sie dabei?
Auf keinen Fall. Das ist keine Investition, sondern eine Spekulation und die passt nicht zu unserer Anlagephilosophie.

Spekulanten haben mit Griechen-Bonds ein gutes Geschäft gemacht. Wer Ende Juli 2012 einstieg, als die EZB ihren Rettungsplan verkündete, hätte bis heute eine Rendite von 439 Prozent erzielt.
Das mag sein, wir sind aber Investoren und keine Spekulanten. Wenn die Meldungen stimmen, möchte das Land zunächst zwei Milliarden Euro mit mittleren Laufzeiten einsammeln. Später könnten weitere Anleihen folgen, auch mit langen Laufzeiten. Und diesen Freitag könnte ein positives Moodys-Rating die Nachfrage nach den neuen Anleihen schüren. Dann ist der Boden bereitet, es wird Käufer geben. Wir zählen aber wie gesagt nicht dazu.

Kapitalbedarf der Euro-Staaten 2014

Deutschland

Refinanzierungsbedarf 2014: 173 Milliarden Euro
Davon im ersten Quartal gedeckt: 26,6 Prozent
Quelle: Commerzbank, Stand: 28.03.2014

Frankreich

Refinanzierungsbedarf 2014: 198 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 29,7 Prozent

Spanien

Refinanzierungsbedarf 2014: 125 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 35,3 Prozent

Österreich

Refinanzierungsbedarf 2014: 24 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 15,3 Prozent

Niederlande

Refinanzierungsbedarf 2014: 50 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 40,5 Prozent

Belgien

Refinanzierungsbedarf 2014: 34 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 41,3 Prozent

Italien

Refinanzierungsbedarf 2014: 247 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 28,2 Prozent

Portugal

Refinanzierungsbedarf 2014: 8 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 65,6 Prozent

Finnland

Refinanzierungsbedarf 2014: 12 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 33,3 Prozent

Irland

Refinanzierungsbedarf 2014: 10 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 47,5 Prozent

Slowenien

Refinanzierungsbedarf 2014: 7,7 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 33,0 Prozent

Slowakei

Refinanzierungsbedarf 2014: 7,0 Milliarden Euro

Davon im ersten Quartal gedeckt: 36,4 Prozent

Warum?
Die Bonitätsdaten des Landes erlauben uns kein Investment, weil die Ausfallrisiken objektiv viel zu hoch sind. Auch wenn die Renditen für bestimmte Laufzeiten astronomisch erscheinen.

Anleihen von anderen europäischen Südländern sind gefragt wie lange nicht. Wie erklären Sie die Rally bei europäischen Peripherie-Bonds?
Die Rally ist schon erstaunlich, denn eigentlich hat sich an den Fundamentaldaten der Staaten gar nicht viel geändert. Nach dem Treueschwur der europäischen Zentralbank im Sommer 2012 konnte der Markt aber zwei wichtige Belastungsproben überstehen. So sind während der Wahl in Italien und der Krise in Zypern die Risikoaufschläge zu Bundesanleihen zwar gestiegen, haben aber nicht mehr die zuvor gesehenen Höchststände erreicht. Die Entwicklung zeigt, dass die Anleihenmärkte seitdem wesentlich stabiler sind als noch vor zwei Jahren.

Welche Länder bevorzugen Sie?
Ein Beispiel wäre Italien. Eine Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren hat gegenüber Bundesanleihen einen Renditeaufschlag von 1,7 Prozentpunkten, die Rendite liegt also bei 3,25 Prozent. Inklusive der höheren Basisverzinsung könnten Anleger damit durch Kurszuschreibungen aufgrund fallender Zinsen am Ende sechs Prozent erzielen.

Wie beurteilen Sie Bundesanleihen?
Die Renditen liegen aktuell für zehnjährige Anleihen bei 1,5 Prozent. Das ist für viele Investoren zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig. Insbesondere institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen erwarten üblicherweise vier bis fünf Prozent Rendite. Und die Renditen der Bundesanleihen könnten bald wieder fallen, was gleichzeitig aber zu attraktiven Kursgewinnen führen würde.

Kommentare (2)

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03.04.2014, 13:24 Uhr

Na endlich mal ein Beitrag im HB zur EUR-Krise mit Substanz. Da redet endlich mal ein Fachmann und kein EUR-PR Mann.
Quintessenz: keine signifikanten Verbesserungen in den ClubMed-Staaten, alles im wesentlichen nur Kosmetik und PR.

Das lässt nichts gutes erwarten für die kommenden Jahre, zumal Frankreich auch noch abschmiert ... die besten Leuten verlassen Euroland Richtung uSA und Asien und das wird auch so bleiben.

Account gelöscht!

03.04.2014, 16:19 Uhr

Banker spekulieren nur, da Sie die Vollmacht und totale Unterstützung der Frau Merkel haben!

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