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12.10.2012

14:22 Uhr

Anleihen

Wo es noch Rendite gibt

VonJessica Schwarzer

Auch im Zinstief haben clevere Anleger gute Chancen, eine ansehnliche Rendite zu erwirtschaften. Welche Staats- und Unternehmensanleihen sich noch lohnen und warum Bundesbonds Unruhe ins Depot bringen.

Euro-Münzen mit Bundesadler: Deutsche Staatsanleihen werfen nur noch magere Zinsen ab. dpa

Euro-Münzen mit Bundesadler: Deutsche Staatsanleihen werfen nur noch magere Zinsen ab.

DüsseldorfErst die Finanzkrise, dann die europäische Schuldenkrise und immer wieder neue Turbulenzen an den Märkten – kein Wunder, dass sich Anleger verstärkt nach Sicherheit sehnen. Immerhin 61 Prozent der Deutschen stufen Sicherheit als wichtigsten Aspekt bei der Geldanlage ein, der Gewinn hingegen spielt nur für acht Prozent eine wichtige Rolle.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage von Union Investment zum Anlegerverhalten im dritten Quartal. Das Sicherheitsbewusstsein der Deutschen hat allerdings fatale Folgen für ihre Geldanlage: Sie setzen auf vermeintlich risikolose Produkte wie Tagesgeld, Festgeld oder Sparbuch. Doch nach Gebühren, Inflation und Abgeltungssteuer bleibt von den Mini-Zinsen, die diese Sparformen abwerfen, nichts mehr übrig.

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Im Gegenteil: Unterm Strich verbrennen übervorsichtige Anleger sogar Geld. Giovanni Gay, Geschäftsführer von Union Investment, warnt deshalb auch: „Wir befinden uns in einem anspruchsvollen Umfeld.  Die historisch niedrigen Zinsen gepaart mit der Inflationsrate von aktuell 2,1 Prozent in Deutschland führen dazu, dass die Menschen mit kurzfristigen Anlagen wie Tagesgeld-Konten reale Verluste erleiden.“

Ein Problem, das nicht neu ist. „Investoren sind schon lange mit negativen Real-Renditen konfrontiert“, sagt Franz-Josef Lörch, Anleihenexperte von JP Morgan Asset Management. „Nun driften auch die nominalen Zinsen Richtung Null.“ Zweijährige Bundesanleihen bringen es gerade mal noch auf eine Rendite von 0,045 Prozent. Auch bei zehnjährigen Bundesanleihen ist die Rendite mit 1,47 Prozent nicht gerade üppig.

Sicherheit hat eben ihren Preis. Wer mit seinen Festverzinslichen real noch Geld verdienen will, muss etwas mehr wagen. „Statt Risiken kategorisch auszuschließen, sollten Anleger dort investieren, wo sie einschätzbar sind und entlohnt werden“, sagt Gay. Vor allem am Anleihemarkt sollte nicht nur auf den sicheren Hafen gesetzt werden, weil die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig blieben und Bundesanleihen sehr teuer seien. Vielmehr lohne es sich, nach risikoreicheren Anlageklassen mit hoher Qualität wie Staatsanleihen aus Schwellenländern zu suchen.

Immer mehr Anleger entdecken nach den Aktien aus den Emerging Markets nun auch die Anleihen. „Die Jagd nach Rendite ist eröffnet“, sagt Lörch. Auch wenn die Renditen bei Staatsbonds und bei Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets bereits wieder gefallen seien, gebe es dort immer noch ordentliche Erträge. „Wir sehen vielleicht keine sieben Prozent mehr pro Jahr, aber immer noch eine gute Zusatzrendite gegenüber Staatsanleihen und Unternehmensanleihen aus den entwickelten Ländern“, ergänzt der Anleihenexperte. „Die Risikoaufschläge der Hochzinsanleihen liegen gegenüber US-Staatsanleihen noch immer bei mehr als sechs Prozent“, sagt Lörch. Der langfristige Durchschnitt liegt bei 584 Basispunkten

Staatspleiten sind die Regel

Argentinien

Jahr der Unabhängigkeit: 1816

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit* 1800: 32,5 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

*Die Berechnungen der Länder, die vor 1800 unabhängig wurden, sind von 1800-2006.

Quellen: Berechnungen von Flossbach und Vorndran (2012), sowie Standard & Poor's, Purcell und Kaufmann (1991), Reinhart, Rogoff und Savastano (2003) und darin zitierte Quellen.

Australien

Jahr der Unabhängigkeit: 1901

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Brasilien

Jahr der Unabhängigkeit: 1822

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 25,2 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 9

Deutschland

Jahr der Unabhängigkeit: 1618

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 13 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Finnland

Jahr der Unabhängigkeit: 1917

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Frankreich

Jahr der Unabhängigkeit: 943

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Griechenland

Jahr der Unabhängigkeit: 1829

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 50,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

Großbritannien

Jahr der Unabhängigkeit: 1066

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Italien

Jahr der Unabhängigkeit: 1569

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 3,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

Kolumbien

Jahr der Unabhängigkeit: 1819

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 36,2 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

Mexiko

Jahr der Unabhängigkeit: 1821

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 44,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 8

Niederlande

Jahr der Unabhängigkeit: 1581

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 6,3 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 1

Norwegen

Jahr der Unabhängigkeit: 1581

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Österreich

Jahr der Unabhängigkeit: 1282

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 17,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 7

Portugal

Jahr der Unabhängigkeit: 1139

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit 1800: 10,6 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 3

Russland

Jahr der Unabhängigkeit: 1457

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 39,1 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 5

Schweden

Jahr der Unabhängigkeit: 1523

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: keine

Spanien

Jahr der Unabhängigkeit: 1476

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 23,7 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 13

Türkei

Jahr der Unabhängigkeit: 1453

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 15,5 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 6

USA

Jahr der Unabhängigkeit: 1783

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 0,0 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: Als Folge der Wirtschaftskrise von 1837 stellten acht amerikanische Bundesstaaten ihre Zahlungen ein. Mehr als 100 Banken gingen in daraufhin Pleite. Knapp 150 Jahre schlingert die US-Wirtschaft wieder: Am 15. August 1971 erklärte der amerikanische Präsident Richard Nixon die sofortige Aufhebung der Dollar-Konvertierbarkeit in Gold, also die Aufhebung der Verpflichtung der USA, jederzeit Dollar in eine bestimmte Menge Gold umzutauschen. Diese auch als Nixon-Schock bekannte Ankündigung bedeutete faktisch die Erklärung der Zahlungsunfähigkeit beziehungsweise Zahlungsunwilligkeit, da die Aufhebung einseitig und unter Bruch bestehender Abmachungen (Bretton-Woods-System) erfolgte.

Venezuela

Jahr der Unabhängigkeit: 1830

Anteil der Jahre in Umschuldung oder Staatsbankrott seit Unabhängigkeit 1800: 38,4 Prozent

Zahl der Umschuldungen oder Staatsbankrotte: 10

Auch die Ausfallrate spricht für die Bonds. In den vergangenen zwölf Monaten fielen nur zwei Prozent aus – damit liegt die Ausfallrate signifikant unter dem langfristigen Durchschnitt von 4,1 Prozent. Insgesamt ein gutes Risiko-Ertrags-Verhältnis, meint Lörch und ergänzt: „Hochzinsanleihen sind unsere erste Wahl.“

Kommentare (9)

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12.10.2012, 15:05 Uhr

Senioren ab 60 Jahre haben ihr Geld auf dem Konto oder dem Sparbuch.Das Volumen beträgt 3 Billionen (2011) EUR. Die Sparkassen und Voksbanken klären nicht auf, oder die Kinder der Senioren kümmern sich nicht.
Wer glaubt dass z.B. die Kreditanstalt für Wiederaufbau oder Länder wie Bayern oder Baden-Württemberg die Anleihen plus Zinsen nicht zurückzahlen werden, nimmt an dass Deutschland zahlungsunfähig wird bei einer Staatsquote von circa 46%, Arbeitslosen circa 2,8 Mio. und Überschüssen in den Krankenkassen von circ 14 Milliarden.Und wer das glaubt sollte mal zum Arzt gehen...
Darüberhinaus gibt es für Senioren rgute Aktienfonds. Auch von der Deka oder der Union Invest. Aber die Angestelleten profitieren lieber

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12.10.2012, 15:21 Uhr

Die Staatspleite Deutschland halte ich für gar nicht so unwahrscheinlich! Stellen Sie sich einfach nur mal vor, es gäbe plötzlich kein Öl mehr... (was wohl in ca. 30 Jahren der Fall sein wird)! Wie soll dann die Wirtschaft weiter laufen und Steuereinnahmen zur Tilgung der Schulden generieren??

Deutschland müsste pro Jahr ca. 60 Mrd. EURO Schulden tilgen... Davon sind wir weit entfernt (Neuverschuldung wohl in diesem Jahre bei ca. 20 Mrd.).

Wer also glaubt, dass deutsche(!) Staatsanleihen sicher sind, sollte mal zum Arzt gehen...

KWB

12.10.2012, 16:01 Uhr

„Doch es wird jedem Anleger deutlicher, dass sich die Bonität eines Unternehmens wesentlich leichter einschätzen lässt, als die eines Staates oder Kreditinstituts“

Selten so einen Unsinn gelesen. Die Informationen aus den meisten Unternehmen (die eben nicht im DAX notieren) sind fragwürdig und letztlich für einen Privatinvestor nicht prüfbar. Das fängt schon damit an, dass die verantwortlichen Berichterstatter häufig selbst im Dunkeln tappen - oder schlicht betrügen. Gerade aktuelles Anschauungsmaterial liefert der österreichische Baukonzern Alpine GmbH: gestern stürzte der Kurs der Anleihe von 104 auf 41 %, weil man plötzlich Rückstellungen aus Projekten vornehmen musste und an der Werthaltigkeit bestimmter Einlagen etc. zweifelt.

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