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30.07.2014

11:22 Uhr

Anleihezins auf Rekordtief

Schuldenkrise? War da was?

EZB-Chef Draghi gab vor zwei Jahren den Startschuss, seitdem sind Staatsanleihen aus Südeuropa der Renner an der Börse. Dabei sind die Probleme längst nicht behoben. Trotzdem verteilen Anleger fleißig Vorschusslorbeeren.

Vor zwei Jahren fürchtete man noch den Zerfall der Euro-Zone. Heute ist von dieser Angst nichts mehr zu sehen. dpa

Vor zwei Jahren fürchtete man noch den Zerfall der Euro-Zone. Heute ist von dieser Angst nichts mehr zu sehen.

FrankfurtDerzeit sind sie an den internationalen Finanzmärkten der letzte Schrei: Staatsanleihen aus Spanien und Italien. Dabei ist es gerade mal zwei Jahre her, dass Anleger einen großen Bogen um die Bonds der hoch verschuldeten Länder im Süden Europas machten. Die Sorge vor einem auseinanderbrechen der Währungszone verunsicherte die Investoren. Doch dann bot Mario Draghi den Spekulanten die Stirn: Am Donnerstag, den 26. Juli 2012, verkündete der EZB-Chef in London, dass die Europäische Zentralbank für den Euro alles Erforderliche tun werde. „Und glauben Sie mir, das wird reichen.“ Die Anleger glaubten ihm. „Draghi hat damals den Startschuss für diese Rally gegeben“, erklärt Analyst Sebastian Sachs von der Metzler Bank.

Das lässt sich am besten an der Entwicklung der Rendite der zehnjährigen spanischen Staatsanleihen ablesen: Noch am Tag vor dem Draghi-Auftritt erreichten sie mit 7,781 Prozent ein Allzeithoch. Am Dienstag rutschten sie auf ein Rekordtief von 2,461 Prozent. Damit liegen die Zinsen für die spanischen Schulden in etwa auf dem Niveau von US-Staatsanleihen. Die weltgrößte Volkswirtschaft zahlt also den Anlegern genauso viel Zinsen auf ihre Bonds wie Spanien, gerade mal die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone.

Ähnlich ist die Entwicklung bei den Anleihen anderer südeuropäischer Länder. Aktuell machen die Analysten der Commerzbank Kuponzahlungen und Kapitalrückflüsse für die Entwicklung verantwortlich. Doch der Trend werde anhalten. Denn schließlich liegen die Leitzinsen in der Euro-Zone auch nur noch bei 0,15 Prozent.

Als ein Grund für den Run auf die Staatsanleihen insgesamt gelten die zahlreichen Krisenherde: Wegen der Konflikte in der Ukraine, dem Krieg im Gaza-Streifen oder die immer wieder aufflackernden Kämpfe im Irak, Libyen oder Syrien scheuen viele Anleger das Risiko. „Nur aus der Euro-Zone selbst kommen derzeit keine Störfeuer“, erklärt ein Händler.

Staatsanleihen: Renditen im Sinkflug

USA

Rendite (zehnjährige Anleihe): 2,61 Prozent
Renditeveränderung (in den vergangenen drei Monaten): - 17,1 Basispunkte
Quelle: Bloomberg, 10.06.2014

Deutschland

Rendite: 1,38 Prozent
Renditeveränderung: - 24,8 Basispunkte

Italien

Rendite: 2,74 Prozent
Renditeveränderung: - 62,4 Basispunkte

Spanien

Rendite: 2,57 Prozent
Renditeveränderung: - 72,9 Basispunkte

Portugal

Rendite: 3,32 Prozent
Renditeveränderung: - 110,6 Basispunkte

Irland

Rendite: 2,41 Prozent
Renditeveränderung: - 65,9 Basispunkte

Griechenland

Rendite: 5,47 Prozent
Renditeveränderung: - 132,4 Basispunkte

Frankreich

Rendite: 1,71 Prozent
Renditeveränderung: - 48,5 Basispunkte

Finnland

Rendite: 1,57 Prozent
Renditeveränderung: - 35,9 Basispunkte

Österreich

Rendite: 1,66 Prozent
Renditeveränderung: - 24,7 Basispunkte

Niederlande

Rendite: 1,60 Prozent
Renditeveränderung: - 24,6 Basispunkte

Belgien

Rendite: 1,81 Prozent
Renditeveränderung: -52,1 Basispunkte

Großbritannien

Rendite: 2,69 Prozent
Renditeveränderung: - 10,8 Basispunkte

Japan

Rendite: 0,59 Prozent
Renditeveränderung: - 2,5 Basispunkte

Schweiz

Rendite: 0,72 Prozent
Renditeveränderung: - 25,8 Basispunkte

Russland

Rendite: 4,26 Prozent
Renditeveränderung: - 89,3 Basispunkte

Türkei

Rendite: 8,67 Prozent
Renditeveränderung: - 187 Basispunkte

Viele Börsianer halten zwar den Rückgang der Renditen angesichts der fundamentalen wirtschaftlichen Entwicklung in den südeuropäischen Ländern für übertrieben und warnen vor Gegenreaktionen. „Allerdings war der Anstieg vor zwei Jahren auch nicht gerechtfertigt“, schränkt einer ein. Und in einigen Ländern habe sich die Konjunktur zudem doch verbessert. Erst am Dienstag erhöhte Spaniens Regierung ihre Wachstumsprognose . „Die Euro-Schuldenkrise ist vorbei“, sagt ein Börsianer. „Auch wenn die Probleme noch nicht behoben sind. Es gibt aber Fortschritte, und das honorieren die Anleger.“

Skeptiker verweisen aber auf die weiter verheerende Lage an den Arbeitsmärkten in Südeuropa. So fiel in Spanien die Arbeitslosigkeit im zweiten Quartal zwar unter die 25-Prozent-Marke. Doch bleibt sie immer noch eine der höchsten in der Europäischen Union.

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Kommentare (3)

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Frau Ellis Müller

30.07.2014, 12:19 Uhr

Südeuropäische Staatsanleihen eine Anlage ohne jegliches Risiko. Der ESM Rettungsschirm haftet bei Ausfällen. Wenn dann noch das Freihandelsabkommen ratifiziert ist, dann fallen die „Investoren“ in Europa ein. Wer jetzt nicht auf Argentinien schaut, der verschließt die Augen vor der Zukunft.

Drittes Auge

30.07.2014, 13:02 Uhr

"Trotzdem verteilen Anleger fleißig Vorschusslorbeeren."

Leute, die in Pyramidenspiele und Ponzi-Schema "investieren" -die meisten Staatsanleihenmärkte sind mitlerweile nichts anderes, da aufgenommene Schulden nie werthaltig zurückgezahlt werden können- sind keine Anleger sondern Zocker oder Beihelfer zum Kreditbetrug.

Herr Peter Kock

30.07.2014, 14:10 Uhr

Schuldenkrise ...war da was ? Der , der dasschrieb hat wohl nichts mitbekommen. Die Krise ist nicht weg oder weniger schlimm sie ist nur kleingeredet ! Fast alle EU-Länder sind höchstverschuldet und aktuell Deutschland mit über 6,5 Billionen Euro was auch 1450 Jahre Tilgungszeit bedeutet und 49 verschuldete Generationen. Die deutsche Pro-Kopfverschuldung ist mehr als doppelt so hoch wie die der Griechen. Wir vertuschen das nur kaltlächelnd indem wir wir falsche Zahlen angeben. Das ist alles ....

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