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08.01.2010

07:03 Uhr

Argentinien-Anleihen

Kirchners umstrittene Politik bietet Chancen

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner hat mit dem Rauswurf des Zentralbankchefs Martin Redrago einen Kursrutsch bei den Staatsanleihen ausgelöst. Doch das Zerwürfnis bietet Anleger auch neue Chancen, erste Experten raten bereits zum Einstieg. Andere äußern scharfe Kritik an Kirchner.

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner: Die Politikerin hat sich mit dem Chef der Zentralbank überworfen. ap

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner: Die Politikerin hat sich mit dem Chef der Zentralbank überworfen.

HB/mde BUENOS AIRES/DÜSSELDORF. Dass in dem Zerwürfnis der Präsidentin mit dem Zentralbankchef Chancen liegen, vertritt zumindest RBS Securities. Sie sind der Überzeugung, dass die Kurse der Anleihen sich erholen werden, wenn das Land wie erwartet seine notleidenden Dollar-Bonds umschuldet.

Die argentinische Benchmark-Anleihe, das Boden-Papier, ist am Mittwoch so stark eingebrochen wie seit November nicht mehr, der Kurs gab 1,3 Cent je Dollar Nominalwert nach. Präsidentin Kirchner hatte den Notenbankchef entlassen, weil dieser sich weigerte, Devisenreserven in Höhe von 6,6 Mrd. Dollar für die Schuldenrückzahlung zu verwenden. Redrado weigerte sich auch, zurückzutreten. Er erklärte, nur der Kongress habe die Befugnis, ihn zu feuern.

Kritik an Kirchners Plänen

"Die Umschuldung wird trotz dieser Seifenoper weitergehen. Das verankert die Kurse argentinischer Anleihen", sagt der Analyst Boris Segura von RBS in Stamford, Connecticut. "Es mag wohl weiteren Abwärtsdruck bei den Anleihen geben, aber sie haben eine gute Unterstützung."

Die Opposition, darunter der frühere Notenbankpräsident Alfonso Prat-Gay, krititiserte die Pläne Kirchners, die Reserven zu benutzen. Dies sei illegal, weil der Kongress damit die Autoritität über die Zentralbank an sich reißen würde. Der Oberste Gerichtshof Argentiniens prüft eine juristische Anfechtung der Regierungspläne durch die Provinz San Luis. "Ich lobe nicht die Geschäftsführung von Redrado, aber diesmal hat er das Richtige getan, indem er nicht zurückgetreten ist", erklärte Prat-Gay.

Der geplante Rückgriff auf die Devisenreserven zeige, dass Präsidentin Kirchner vor den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2011 die Ausgaben nicht kürzen wolle, sagte der frühere Wirtschaftsminister Roberto Lavagna. Er schätzt, dass die Regierungsausgaben in den vergangenen drei Jahren mit einer Jahresrate von 30 Prozent gestiegen sind und sich die Inflation beschleunigen dürfte. "Bare Mittel werden dringend benötig. Die Staatsausgaben sind außer Kontrolle geraten", so Lavagna.

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