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28.02.2012

21:08 Uhr

Athener Schuldenschnitt

Unsicherheitsfaktor Ausfallversicherung

VonJörg Hackhausen, Hannes Vogel, Jan Mallien

Der Schuldenschnitt für Griechenland wird zum Test für ein beliebtes Finanzinstrument. Eigentlich soll eine Kreditausfallversicherung gegen eine Pleite schützen. Doch im Fall Griechenlands sind die Papiere wohl sinnlos.

Baufällig: Die Akropolis in Athen. dpa

Baufällig: Die Akropolis in Athen.

Der Schuldenschnitt für Griechenland ist beschlossene Sache. Dabei müssen sich die Gläubiger darauf einstellen, dass sie mehr als 70 Prozent ihres Geldes verlieren – insgesamt rund 100 Milliarden Euro. Bitter für die Investoren: Auch die Kreditausfallversicherungen, die im Falle einer Pleite eigentlich einspringen sollen, könnten in diesem Fall als Versicherung wertlos sein.

Selbst wenn die Ratingagenturen den Schuldenschnitt als Pleite werten, heißt das noch nicht, dass dies die sogenannten Credit Default Swaps (CDS) auslöst. Die Entscheidung, was mit den Ausfallversicherungen passiert, trifft allein die International Swaps and Derivatives Association (ISDA). Sie stellt die Regeln für den weltweiten Handel mit CDS auf.

Die ISDA selbst gibt sich neutral. Sie wende lediglich die vorab vereinbarten Definitionen an, lässt sie mitteilen, und verweist auf die Kreditderivatedefinitionen von 2003 - ein fast einhundertseitiges Regelwerk komplizierter technischer Bedingungen. Ob der Derivate-Verband wirklich so unparteiisch entscheiden kann, wie er vorgibt, ist jedoch fraglich.

Was hinter CDS,CAC und ISDA steckt

„Credit Default Swaps“ (CDS)

Mit Kreditausfallversicherungen versuchen Investoren, mögliche Verluste im Falle eines Zahlungsausfalls - etwa im Fall von Staatsanleihen - abzufedern. Kauft jemand ein CDS-Papier, bekommt er vom Verkäufer sein Geld für den Fall eines Zahlungsausfalls des ursprünglichen Kreditnehmers garantiert.

Warum CDS?

Von der Idee her sorgen CDS für mehr Effizienz an den Märkten, weil sich Anleger vor Risiken schützen können. Die Papiere sind aber nicht nur eine Versicherung für den konkreten Einzelfall. Im Falle Griechenlands etwa deckten sich manche Investoren mit CDS ein, obwohl sie selbst gar keine griechischen Anleihen halten.

Kritik an CDS

Kritiker meinen, dieser Handel verstärke die Spekulationen gegen Pleitekandidaten wie Griechenland und erschwere damit indirekt die Kreditaufnahme der hoch verschuldeten Staaten.

„Collective Action Clauses“ (CAC)

Umschuldungsklauseln ermöglichen es Schuldnern bei Zahlungsschwierigkeiten, mit Gläubigern über neue Bedingungen zu verhandeln. Die neuen Konditionen können von der Mehrheit der Geldgeber beschlossen werden. Üblicherweise bauen Emittenten von Schuldverschreibungen CAC schon ein, wenn eine Anleihe begeben wird.

Griechenland und CAC

Üblicherweise bauen Emittenten von Schuldverschreibungen CAC schon ein, wenn eine Anleihe begeben wird. So soll ein mögliches Umschuldungsverfahren von vornherein in geordnete Bahnen geleitet werden. Griechenland will Anleger notfalls per Gesetz zwingen, beim Schuldenschnitt mitzumachen. Dazu würde Athen alte Anleihen rückwirkend mit Umschuldungsklauseln ausstatten.

„International Swaps and Derivatives Association“ (ISDA)

Die ISDA ist ein Branchenverband, in dem sowohl Investoren als auch Emittenten organisiert sind. Die ISDA ist generell dafür zuständig, wann CDS fällig werden. Ihr obliegt die Entscheidung darüber, ob die Sonderstellung der Europäischen Zentralbank (EZB) beim griechischen Schuldenschnitt und rückwirkende Umschuldungsklauseln griechischer Bonds ausreichen, damit Kreditausfallversicherungen fällig werden.

Das maßgebliche Gremium des Verbandes hat 15 stimmberechtigte Mitglieder. Diese werden von zehn Banken und fünf großen Finanzinvestoren gestellt, darunter Deutsche Bank, Goldman Sachs, der Vermögensverwalter Blackrock und der weltgrößte Anleiheinvestor Pimco – also alles, was Rang und Namen in der Finanzbrache hat. Da liegt der Verdacht nahe, dass die großen Banken und Investoren am Ende selbst darüber urteilen, was aus ihren Ausfallversicherungen wird.

Zumindest stecken die Banken, die vom Schuldenschnitt betroffen sind, in einem massiven Interessenkonflikt: Jede Bank ist entweder Versicherter oder Versicherer oder beides gleichzeitig. Es ist das alte Problem: Der Versicherte hat den Anreiz, den Schadensfall auszulösen, um die Versicherungssumme zu kassieren. Der Versicherer will genau das verhindern. „Moral Hazard“ nennen Ökonomen das Phänomen - es gilt für Brandschutzversicherungen und CDS gleichermaßen.

Die ISDA steht unter Zugzwang. Marktteilnehmer drängen bereits auf eine Entscheidung. Am Donnerstagmittag will die ISDA eine Erklärung auf ihrer Internetseite veröffentlichen. Sollte der Verband der Meinung sein, dass ein Kreditereignis vorliegt, könnte dies zu einer Auszahlung von ausstehenden griechischen Kreditausfallversicherungen führen.

Kommentare (30)

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Baier

28.02.2012, 12:53 Uhr

an SDS ist der amerikanische Versicherer AIG beinahe pleite gegangen, hätte ihn die US-Regierung nicht gestützt. Mal sehen, was jetzt dabei rauskommt.

Account gelöscht!

28.02.2012, 12:56 Uhr

Das ist doch das Allerletzte. Griechenland ist und bleibt PLEITE. Wenn das kein Kreditereignis ist......

Account gelöscht!

28.02.2012, 12:57 Uhr

Das ist doch das Allerletzte. Griechenland ist und bleibt pleite. Wenn das kein Kreditereignis ist......

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