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09.01.2004

10:43 Uhr

Auch IWF wird unruhig

Bei Anleihegläubigern Argentiniens wächst der Unmut

VonAnne Grüttner

Die internationale Anleihe-Gläubiger Argentiniens werden ungeduldig. Denn die Verhandlungen über die Umschuldung von insgesamt 94 Mrd. $ argentinischer Staatsschulden stecken fest. Da Argentinien weiter auf einen Forderungsverzicht in Höhe von über 90 % des Barwerts beharrt, versuchen immer mehr Anleger ihre Forderungen vor Gericht durchsetzen. Auf der anderen Seite bündeln immer mehr internationale Anleger ihre Interessen, um ihre Verhandlungsmacht gegenüber dem Land zu stärken. Anfang kommender Woche treffen sich große Anleger-Organisationen in Rom.

BUENOS AIRES. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und Argentiniens bisher wichtigster Verbündeter im Währungsfonds, die USA, machen aus ihrem Unmut kaum noch Hehl. US-Unterstaatssekretär Roger Noriego erklärte seine „Sorge und Enttäuschung“ über die argentinische Außenpolitik. Argentiniens Präsident Nestor Kirchner wies die Kritik mit rüden Worten von sich und dementierte energisch Gerüchte, dass Argentinien angesichts der guten Wirtschaftsentwicklung einen größeren Anteil des Haushalts für die privaten Gläubiger reservieren würde. „Wenn wir mehr wachsen werden wir mehr an internen Schulden zahlen, nicht an externen Schulden“, sagte Kirchner.

Die Gläubiger pochen derweil auf ihr Recht. Dabei dürfte sich die Tendenz, Forderungen vor Gericht zu erstreiten, durch den Beschluss des US-Bundesrichters Thomas Griesa verstärken. Er gab vor kurzem erstmals einer Sammelklage des deutschen Gläubigers H. W. Urban gegen Argentinien statt. Urban besitzt Dollar-Anleihen der Serien Global 2017 und Global 2009. Das Instrument der Sammelklage funktioniert in diesem Fall so, dass sich alle Gläubiger der beiden Serien – insgesamt 2,9 Mrd. $ – der Klage freiwillig anschließen können (opt-in). Für den einzelnen Gläubiger wird die Klage damit billiger. Zudem wachse durch die Bildung einer großen Gruppe die Verhandlungsmacht der Gläubiger gegenüber Argentinien, meint Stefan Engelsberger von der deutschen IG Argentinien.

Bei einer Sammelklage bestimmt der Richter einen Repräsentanten für jede Serie, der die Verhandlungen mit Argentinien führt. Auch die Verhandlungsergebnisse muss das Gericht absegnen. Nachdem nun eine Sammelklage zugelassen wurde, erwarten Beobachter eine Welle solcher Klagen für diverse Bond-Serien. „In sechs Monaten könnten wir ein Dutzend solcher Sammelklagen haben“, glaubt Osvaldo Prato von der argentinischen Kanzlei Luchinsky, Prato & Partner.

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