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19.10.2015

17:56 Uhr

Aufschwung an den Börsen

JP Morgan rechnet mit höheren Kursen in Europa

Finanzexperten von JP Morgan erwarten einen Aufschwung an den Börsen in der Euro-Zone. Gewinnsteigerungen von Unternehmen und die weiterhin unterstützende Geldpolitik trieben demnach die Kurse nach oben.

Die Kurse an den europäischen Börsen sollen steigen, erwarten Experten. dpa

Börse

Die Kurse an den europäischen Börsen sollen steigen, erwarten Experten.

FrankfurtDie Experten von JP Morgan Asset Management erwarten einen Aufschwung an den Börsen in der Euro-Zone. Ungeachtet der Sorgen um Griechenland und China habe der Wirtschaftsaufschwung im Sommer weiter Fuß fassen können und vor allem Peripherieländern wie Spanien zu großen Fortschritten verholfen, erklärte Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei JP Morgan Asset Management in Frankfurt.

„Wir denken, dass anhaltende Gewinnsteigerungen von Unternehmen, in Kombination mit der weiterhin unterstützenden Geldpolitik ein großes Aufwärtspotenzial für Aktienkurse bieten.“

Dies trifft dem Experten zufolge vor allem auf Sektoren zu, die auf den Binnenmarkt ausgerichtet seien und nun vom Aufschwung profitieren können. „Die hemmende Wirkung des starken Euro und der höheren Kreditkosten der letzten Jahre hat sich umgekehrt. Die günstigere Währung und niedrigere Fremdkapitalkosten stützen nun die Wirtschaft.“

Warum in China die Börse abstürzt

Wie tief fallen die Kurse noch?

Am 27. Juli erlebte Chinas Börse den größten Tageseinbruch seit acht Jahren. Wie weit es noch nach unten geht, kann niemand sagen. Doch der Einbruch wäre vermutlich noch schlimmer ausgefallen, wenn die Börsenaufsicht und die Zentralbank nicht neue Hilfen angekündigt hätten.

Welche Rolle spielt der Staat für die Entwicklung an den Börsen?

Indem die chinesische Regierung Privatanleger in Aktien drängt, versucht sie, das Finanzierungsproblem für Unternehmen zu lösen – und die Schwächen des Bankensektors zu vertuschen.

Welche Nachteile ergeben sich hieraus?

Einmal angefangen, kommt der Staat nun nicht mehr aus der Sache heraus: Damit die Strategie aufgeht, sich das Ersparte für Kleinanleger mehrt und Firmen an Geld kommen, müssen die Kurse oben bleiben. Einen Crash kann man sich schon wegen der Reputation im Grunde nicht leisten.

Warum greifen die staatlichen Maßnahmen nicht?

Die Hilfsprogramme der Regierung nutzen sich ab – oder besser: sie nützen nichts, wenn gleichzeitig immer mehr Anleger nicht mehr an die Börsen glauben.

Hat der Börsencrash in China Auswirkungen auf die Realwirtschaft?

Wenig. Der Aktienmarkt hat sich schon lange von der Realwirtschaft entkoppelt.

Wie hart trifft der Börsencrash die chinesischen Sparer?

Chinesen sind zwar emsige Sparer. Sie haben aber nur einen kleinen Teil ihres Geldes in Aktien investiert. Fünf Prozent der Ersparnisse stecken in Wertpapieren.

Welche deutschen Aktien geraten durch die Turbulenzen in China unter Druck?

Besonders exportorientierte deutsche Unternehmen. Für Volkswagen und Daimler ist China enorm wichtig. Auch Chemiekonzerne wie Bayer und BASF geraten unter Druck.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr an den Börsen der Welt?

Lange Zeit durften Ausländer nicht an Chinas Börsen handeln. Peking hatte seine Finanzmärkte weitgehend abgeschottet. Dadurch schlagen Turbulenzen in China nur sehr abgeschwächt auf internationale Börsen durch.

Welche Rollen spielen ausländische Anleger bei dem Börsen-Crash?

Seit den Turbulenzen ziehen viele internationale Anleger ihr Geld über die Börse in Hongkong wieder aus dem chinesischen Festland ab. Bis Wochenanfang waren auf diesem Weg bereits mehr als sechs Milliarden US-Dollar abgeflossen.

In Europa lösen laut Galler die Peripherieländer wie Spanien oder Italien die Kernländer wie Deutschland als Hauptträger des Wachstums ab. Die Reformen in einigen südeuropäischen Staaten hätten das Interesse der Anleger an den peripheren Anlagemärkten gestärkt.

Mit Blick auf die anhaltende Ungewissheit über den Zeitpunkt der Zinswende in den USA sagte der JP-Morgan-Experte: „Das Tempo der Zinsschritte ist für langfristige Anleger ohnehin wichtiger als der genaue Termin.“ Bei einem anhaltenden Aufschwung in den Industrieländern und einem steigenden Lohnniveau sollten die Anleger davon ausgehen, dass sowohl in den USA als auch in Großbritannien die Leitzinsen in naher Zukunft anziehen werden.

Galler betonte, dass steigende kurzfristige Zinsen letztendlich ein Anzeichen für wirtschaftliche Stärke seien und ein positives Umfeld für Aktien böten. So hätten sich diese historisch betrachtet in den ersten Phasen eines Zinserhöhungszyklus der Fed zumeist positiv entwickelt.

Die Lage in China schätzte Galler verhalten optimistisch ein. „Wir sind überzeugt, dass aktuell eine 'harte Landung' in China trotz ausgeprägter Schwäche im Industriesektor eher unwahrscheinlich ist.“

Aus Rücksicht auf die schwächelnden Volksrepublik und die unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft hat die US-Notenbank Fed die Zinswende bislang noch nicht eingeläutet.

Von

rtr

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