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15.07.2015

13:02 Uhr

Auktion

Banken verschmähen neue zehnjährige Bundesanleihe

VonAndrea Cünnen

Deutschland kommt nicht mehr so leicht an Geld. Fünf Milliarden Euro wollte der Bund über eine neue zehnjährige Anleihe einsammeln. Doch so viel kam nicht zusammen – trotz der vergleichsweise hohen Rendite.

Deutschland leiht sich frisches Geld. dpa

Ein Euro-Münze vor dem Bundesadler

Deutschland leiht sich frisches Geld.

FrankfurtDas hätten Banker nicht erwartet. Angesichts der seit Mitte April deutlich gestiegenen Renditen und der noch nicht gesicherten Hilfen für Griechenland sollte die Auktion der zehnjährigen Bundesanleihe „gut unterstützt“ sein, schrieben noch am Morgen die Analysten der Commerzbank in ihrem Marktausblick. Doch gekommen ist es anders. Um 11.30 Uhr fiel der sprichwörtliche Hammer für die Versteigerung der neuen zehnjährigen Bundesanleihe im Volumen von fünf Milliarden Euro. Doch die Kaufgebote lagen bei nur 4,499 Milliarden Euro. Das ist bereits das achte Mal in diesem Jahr, dass es zunächst zu wenig Nachfrage nach einem Bundeswertpapier gab.

Dabei hat die neue zehnjährige Bundesanleihe erstmals seit November 2014 wieder einen Zinskupon von immerhin einem Prozent. Die Vorgänger-Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit hatten Zinsscheine von nur einem halben Prozent. Inzwischen sind jedoch die Kurse von Bundesanleihen im Handel wieder gefallen und die Renditen im Gegenzug gestiegen. Deshalb ist die nominale Verzinsung von einem Prozent „marktnäher“ als ein Kupon von nur einem halben Prozent.

Ausgegeben wurde die Anleihe zu einem durchschnittlichen Kurs von 101,18 Prozent. Daraus ergab sich eine Rendite von 0,88 Prozent. So viel hat Deutschland bei der Platzierung einer zehnjährigen Anleihe seit vergangenen Oktober nicht mehr bezahlen müssen.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Dennoch waren die 0,88 Prozent offensichtlich zu wenig, um Investoren anzulocken. Dabei rechnen von Bloomberg befragte Analysten im Schnitt damit, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe Ende des Jahres mit 0,83 Prozent sogar noch etwas niedriger liegen könnte. Die Entwicklung der deutschen Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit steht dabei traditionell besonders im Fokus der Investoren. „Sie gilt als Benchmark für die langfristigen Kapitalmarktzinsen“, sagt dazu Joachim Goldberg, der sich seit fast 20 Jahren mit der verhaltensorientierten Kapitalmarktanalyse beschäftigt.

Kommentare (2)

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Herr Michael Müller

15.07.2015, 13:49 Uhr

Steigen die Zinsen, und das ist nur eine Frage der Zeit, dann bekommen diejenigen Banken, welche in den letzten Monaten die Niedrigzinsanleihen des Staates kauften, riesige Probleme! Steigen die Zinsen, fallen die Kurse dieser Papiere.

Somit müssen dann in einigen Jahren wieder einmal Banken gerettet werden, diesmal Deutsche Banken! Ihr Fehler: Sie kauften Deutsche Staatsanleihen!!!

Und wieder wird dann der Ruf gegen Banken laut, die gerettet werden müssen! Dabei vergessen viele, dass diese Banken nicht immer freiwillig Bundesanleihen kauften, ohne die auch der Deutsche Staat schon längst pleite wäre!

Herr Peter Delli

15.07.2015, 15:36 Uhr

Banken verschmähen neue zehnjährige Bundesanleihe...
Versteh ich nicht, die bekommen doch das Geld in Mark zurück, also ein plus von
30% und mehr zum Euro.

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