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14.07.2011

15:22 Uhr

Auktion

Rom muss Rekordzinsen für Anleihen zahlen

Italien muss sich am Markt immer teurer refinanzieren. Für das neueste Anleihenpaket in Höhe von fünf Milliarden Euro musste die Regierung den Investoren extrem hohe Renditen bieten.

Italien gerät in den Sog der EU-Schuldenkrise. Quelle: dpa

Italien gerät in den Sog der EU-Schuldenkrise.

DüsseldorfItalien hat seine neuen Staatsanleihen mit Rekordrendite versteigert. Die 15-jährigen Papiere werfen eine Rendite von 5,90 Prozent ab, die fünfjährigen liegen bei 4,93 Prozent. So teuer waren Anleihen mit dieser Laufzeit für die Regierung in Rom seit Juni 2008 nicht mehr. Bei der letzten vergleichbaren Auktion Mitte Juni lag die Rendite für fünfjährige Anleihen noch bei 3,9 Prozent. Seitdem ist Italien an den Märkten in Verruf geraten. Anleger zweifeln an der Zahlungsfähigkeit des südeuropäischen Landes.

Die Nachfrage war jedoch robust, wie aus Zahlen der nationalen Schuldenagentur hervorgeht. Die Nachfrage nach den Anleihen mit fünf Jahren Laufzeit war 1,93 Mal höher als das Angebot. Angesichts des sehr ungünstigen Marktumfelds werteten Beobachter das Ergebnis als gut.„Italien muss deutlich mehr Zinsen zahlen, doch unter den schwierigen Umständen ist es eigentlich schon ein Erfolg, dass sich das Land überhaupt am Kapitalmarkt refinanzieren kann“, sagte Helaba-Analystin Viola Stork. Das Gesamtvolumen der fünf- und 15-jährigen Anleihe-Emissionen lag bei 4,97 Milliarden Euro. Angestrebt worden waren fünf Milliarden Euro.

Der Leitindex an der Mailänder Börse rutschte nach der Auktion ins Minus und notierte 1,2 Prozent schwächer. Der Dax verlor 0,8 Prozent auf 7213 Zähler. Der Euro hat mit starken Kursschwankungen auf die Auktion italienischer Anleihen regiert. Die Gemeinschaftswährung kletterte zunächst bis auf 1,4257 Dollar, fiel dann aber abrupt wieder unter 1,42 Dollar.

Für Verunsicherung am Markt sorgte die Debatte um ein neues Sparkpaket, die zum Zeitpunkt der Auktion noch nicht abgeschlossen war. Am Nachmittag dann hat der Senat zugestimmt. Geplant sind nach Medienberichten nun Sparmaßnahmen von 3 Milliarden im laufenden Jahr, 6 Milliarden 2012, 25 Milliarden 2013 und 45 Milliarden 2014. Der definitive Haushaltsplan soll am Freitagabend endgültig verabschiedet werden. Die Ratingagentur Fitch hat gestern außerdem ihre positive Kreditwürdigkeitseinstufung von „AA-“ für Italien bestätigt.

Am Dienstag fand bereits eine Auktion statt. Bei der Emission eines Geldmarktpapiers mit zwölf Monaten Laufzeit im Volumen von 6,75 Milliarden Euro verlangten die Investoren eine Rendite von 3,67 Prozent. Dies ist der höchste Zinssatz seit September 2008.

Zuletzt hatte das Mittelmeerland den Anlegern bei einer vergleichbaren Auktion nur 2,14 Prozent bieten müssen. Auch die Nachfrage war nicht mehr ganz so hoch wie zuletzt: Die Anleihe war 1,55-fach überzeichnet. Bei der Auktion im Juni überstieg die Nachfrage das Angebot noch um das 1,7-Fache.

Auch die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen Roms lag erstmals seit 1997 - also noch vor der Euro-Einführung - zeitweise über die Marke von sechs Prozent. An der Höhe der Rendite bemisst sich die Gefahrenzulage, die der Kapitalmarkt für das jeweilige Land verlangt.

Der Schuldenberg Italiens

Gegenwind an den Kapitalmärkten

Mit bangem Blick verfolgt Italien die steigende Nervosität an den Märkten, denn mit höheren Risikoaufschlägen für Italiens Anleihen steigen auch die Refinanzierungskosten. Hier ein kurzer Überblick über den Schuldenberg des Landes und wie es an frisches Geld kommt.

Italien in „schlechter Gesellschaft“

Ende 2010 erreichte der Schuldenstand des Staates bereits 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und wird wohl dieses Jahr 120 Prozent übersteigen. Damit wäre die Quote doppelt so hoch wie im Maastrichter EU-Vertrag erlaubt. Italiens Schuldenberg reicht aber noch nicht an die gigantische Quote des von EU und IWF vor der Pleite bewahrten EU-Partners Griechenland (2010: 142,8 Prozent) heran. Auch Irland (EU-Prognose für 2011: 112,0 vH) und Portugal (101,7 vH) werden voraussichtlich Ende dieses Jahres mehr Schulden angehäuft haben, als sie an Wirtschaftsleistung auf die Waage bringen.

Inländische Gläubiger stützen

83 Prozent der Schuldensumme Italiens von 1,843 Billionen Euro wurden 2010 nach Informationen des Wirtschafts- und Finanzministeriums über Staatstitel abgedeckt. Den Großteil davon halten Gläubiger im Inland. Damit konnte sich das Land bislang sozusagen am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf ziehen.

Absturzgefahr

Doch das Freiburger Centrum für Europäische Politik (CEP) verweist darauf, dass das Land schon seit zwei Jahren mehr Kapital im Ausland leiht als es für Investitionen in die Erweiterung der Produktionskapazitäten ausgibt. „Wenn sich um Italien nicht schnell etwas tut, gleitet das Land bereits 2011 in die unterste Risikokategorie ab, in der sich Griechenland, Portugal, Zypern und Malta befinden“, warnte CEP-Vorstandschef Lüder Gerken.

Anstehende Emissionen

Paolo Bonaiuto, der Berater des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi, beziffert die Gesamtsumme an Emissionen „in den kommenden Monaten“ auf 120 bis 130 Milliarden Euro. Von Juli bis September sollen allein mit der Ausgabe neuer Anleihen insgesamt 40 Milliarden Euro in die Staatskasse wandern. Zudem behält sich die Regierung vor, weitere Neuemissionen aufzulegen. Außerdem will der Staat durch die Aufstockung laufender Anleihen zusätzlich frisches Geld bei Investoren einsammeln.

Kommentare (27)

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hamp

14.07.2011, 12:50 Uhr

http://www.facebook.com/groups/March.for.democracy

Der Marsch nach Brüssel, zielt darauf ab, die direkte Demokratie in
Europa zurückzugewinnen. Sie verurteilte die Diktatur nicht gewählter
Technokraten und Anforderungen, die sie verlassen. Für echte Demokratie
jetzt!
Die Ankunft in Brüssel 17. September 2011 geplant.

Account gelöscht!

14.07.2011, 12:59 Uhr

... und damit atomisieren sich auch jegliche Überlegungen zum Thema Eurobonds. Wenn nämlich Italien, Spanien, Portugal, Belgien, Irland, Griechenland und bald auch Frankreich hohe oder erhöhte Zinsen zahlen müssen, macht die Sache schon rein rechnerisch keinen Sinn mehr. Für Deutschland wären Eurobonds sowieso ein Milliardengrab in gigantischem Ausmaß, das im schlimmsten Fall unsere gesamten Zinszahlungen auf 80 Mrd. Euro jährlich verdoppeln. Damit wäre dann auch Deutschlands AAA-Ratimg in Gefahr.

Schlaumeier

14.07.2011, 13:14 Uhr

Italien will ab 2013 sparen (oder eben garnicht). Das sollte die Wirtschaftspresse doch bitte mal in dicken Buchstaben schreiben. Am Sparwillen dürfen die Ratingagenturen doch wohl mit Recht zweifeln, da Italien dies noch nie geschaffft hat. Also Rating "D" = Pleite. Wer das nicht versteht, ob Presse oder Politiker, ist ganz einfach doof - alles klar?
Lasst diesen Scheissladen EURO in die Luft fliegen, lieber heute als morgen.

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