Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.03.2011

15:16 Uhr

Ausblick

Dax legt Atempause ein

Die Furcht vor einer Ausweitung der Unruhen auf Saudi-Arabien hat den Ölpreis angetrieben - und am Aktienmarkt eine Konsolidierungsphase eingeleitet. Den langfristigen Aufwärtstrend dürfte dies jedoch nicht gefährden.

Der Dax-Ausblick, jede Woche bei Handelsblatt Online. Quelle: Reuters

Der Dax-Ausblick, jede Woche bei Handelsblatt Online.

Frankfurt/DüsseldorfAus Furcht vor einem Übergreifen der Unruhen auf weitere ölexportierende arabische Staaten haben sich die Anleger vor Beginn des Wochenendes risikoscheu gezeigt. Auch die als enttäuschend bewerteten US-Arbeitsmarktzahlen und die bürgerkriegsähnlichen Straßenschlachten in der libyschen Hauptstadt Tripolis hätten zu Gewinnmitnahmen geführt, sagten Börsianer. Nach einer Woche des Auf und Ab schloss der Deutsche Leitindex am Freitagnachmittag bei 7.178 Punkten.

Auch in der neuen Woche müssen sich Anleger am deutschen Aktienmarkt auf unruhige Zeiten einstellen: Der anhaltende Machtkampf in Libyen könnte den Ölpreis nach Einschätzung von Analysten zumindest kurzfristig weiter nach oben treiben – und damit auch der Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft neue Nahrung geben. „Die Märkte sind sehr nervös, weil die politische Situation in der arabischen Welt nur schwer einschätzbar ist“, sagt Markus Reinwand, Aktienstratege bei der Helaba. Er rechnet im Dax daher mit einem ähnlichen Auf und Ab, wie ihn die Anleger bereits in der abgelaufenen Woche erlebt haben. Die Sorge vor einem Übergreifen der Unruhen auf den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien hatte den Dax in den vergangenen Tagen ins Minus gedrückt.

Aller internationaler Rücktrittsforderungen zum Trotz kämpft Machthaber Muammar Gaddafi weiterhin gegen einen Volksaufstand, der zunehmend einem Bürgerkrieg ähnelt. Am Freitag wollen die EU-Staats- und Regierungschefs zu einem Sondergipfel zusammenkommen, um dort über die Lage in Libyen und anderen nordafrikanischen Ländern zu beraten. Die Auswirkungen der Unruhen auf die Ölproduktion sind nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch bereits beträchtlich. Das größte Risiko liege aber darin, dass auch Saudi-Arabien von den Unruhen erfasst werde. Das Land produziert Fritsch zufolge mehr als neun Millionen Barrel Rohöl täglich und verfügt als einziges Land über hinreichend freie Förderkapazitäten.

Europäische Schuldenkrise wieder auf der Agenda

Neben Libyen dürfte in der neuen Woche auch die europäische Schuldenkrise wieder für Gesprächsstoff in den Handelsräumen sorgen. Der Zeitpunkt, an dem richtungsweisende Entscheidungen über einen langfristigen Krisenmechanismus gefällt werden sollen, rückt näher. Auf dem Treffen der Regierungschefs der Euro-Zone am Freitag steht der von Deutschland und Frankreich geforderte Pakt für Wettbewerbsfähigkeit zur Diskussion. Über das Gesamtpaket gegen die Schuldenkrise, bestehend aus Rettungsfonds und Reformen, soll beim EU-Gipfel am 24. und 25. März entschieden werden. „Die Erwartungshaltung ist groß, sollte sie enttäuscht werden, könnte das für die Aktienmärkte ein Dämpfer sein“, sagt Helaba-Experte Reinwand.

Mittelfristig sieht Aktienstratege Andreas Hürkamp von der Commerzbank den Dax aber dennoch eher im Aufwind. Attraktive Dividendenrenditen und steigende Unternehmensgewinne dürften Anleger weiterhin an den Aktienmarkt locken, ist sich der Experte sicher. Hürkamp prognostiziert, dass die Dividenden der im Dax gelisteten Unternehmen für das Jahr 2010 um 30 Prozent steigen werden, da viele Unternehmen vom starken globalen Wachstum profitieren konnten.

Auch die Analysten der Landesbank Berlin glauben, dass die Dax-Kurve trotz der Unruhen an den Kapitalmärkten langfristig weiter zulegen wird. Nach dem geradlinigen Anstieg des Leitindex seit September des vergangenen Jahres sei eine Korrekturphase längst überfällig. Zwar werde die Korrekturphase aufgrund der Unruhen in der arabischen Welt, der anstehenden Verhandlungen über einen langfristigen Krisenmechanismus weiter anhalten. Doch günstige Rahmenbedingungen, moderate Bewertungen, hohe Liquidität sowie fehlenden Anlagealternativen sollten die Aufwärtsbewegung beim Dax weiter befeuern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×