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26.05.2011

12:04 Uhr

Ausfallrisiko

Deutsche Banken fürchten den Fluch der Griechen-Bonds

Griechische Staatsanleihen finden selbst zu günstigsten Preisen keine Käufer. Ausfallversicherungen werden immer teurer. Für deutsche Geldhäuser könnte das zum Problem werden. Denn sie haben massiv investiert.

Griechische Staatsanleihen galten lange als sichere Anlage - nun drohen sie auszufallen. Quelle: dpa

Griechische Staatsanleihen galten lange als sichere Anlage - nun drohen sie auszufallen.

LondonBanken in Europa versuchen nach Informationen aus der Branche seit längerem verzweifelt, ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen im Volumen von 100 Milliarden Euro abzustoßen. Die Papiere seien aber angesichts der desolaten Haushaltslage des Landes und der drohenden Umschuldung nahezu unverkäuflich, sagten Banker dem zu Thomson Reuters gehörenden Informationsdienst IFR. Auch wenn die Papiere so günstig angeboten würden wie nie zuvor, fänden sich keine Abnehmer.

"Die große Mehrheit der Banken kann derzeit nichts tun", sagte ein europäischer Banker, der Dutzende dieser Geldhäuser beraten hat. "Der Schutz vor Ausfall ist zu teuer, und der Markt für die Anleihen ist nicht liquide. Daher sitzen viele Banken das Problem aus."

Griechische Banken sind mit Abstand am stärksten in heimische Staatsanleihen engagiert. Sie haben Papiere für etwa 50 Milliarden Euro im Bestand. Institute aus Deutschland sind mit 19 Milliarden Euro engagiert, französische mit 15 Milliarden. "Für die meisten Banken könnten ihre schlimmsten Alpträume wahr werden", sagt ein anderer Investmentbanker, der Institute auf dem Kontinent berät.

Wie eine Umschuldung Griechenlands aussehen könnte

Haircut

Die griechische Regierung erklärt sich für zahlungsunfähig und handelt mit ihren Gläubigern einen Forderungsverzicht (Haircut) aus. Für die Geldgeber kann das sehr teuer werden: Bei den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) untersuchten Staatspleiten zwischen 1998 und 2005 musste sie zwischen 13 Prozent (Uruguay) und 73 Prozent (Argentinien) ihres Investments abschreiben. Griechenland könnte seine Schuldenlast von mehr als 340 Milliarden Euro auf diese Weise zwar mit einem Schlag deutlich reduzieren, würde aber seine Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt auf Jahre verspielen und sich den Zugang zu frischem Geld verbauen. Auch andere Sorgenkinder wie Irland und Portugal würden dann noch größere Probleme haben, sich neues Geld am Markt zu leihen. Ein weiteres Problem: Die Gläubiger sind vor allem Banken aus Griechenland und anderen Euro-Ländern, denen milliardenschwere Verluste drohten, was wiederum eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

"Sanfte Umschuldung"

Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Euro - verbunden womöglich mit einer erneuten Senkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss.Eurogruppen-Chef Juncker will auch die privaten Gläubiger mit ins Boot holen. Dem Krisenland soll so mehr Zeit eingeräumt werden, seine Schulden zurückzuzahlen und sein Sparprogramm umzusetzen. „Reprofiling“ nennt Jucker das. Ob private Gläubiger dazu gebracht werden sollen, Griechenland eine Atempause zu gewähren und dabei auf Geld zu verzichten, ist offen. Die Commerzbank rechnet nur dann mit einem Erfolg, wenn den Anlegern dafür Rückzahlungsgarantien ausgestellt werden. Das Problem: Die über Jahre angehäuften Staatsschulden müssten auf einen Schlag mit Garantien unterlegt werden - für die am Ende die Steuerzahler in anderen Ländern haften müssen.

Brady-Bonds

Diese Lösung hat in den achtziger Jahren Schule gemacht. Der damalige US-Finanzminister Nicholas Brady handelte einen nach ihm benannten Plan aus, der etliche lateinamerikanische Staaten vor der Pleite rettete. Übertragen auf Griechenland würde er wie folgt funktionieren: Banken und andere private Gläubiger tauschen die riskanten griechischen Staatsanleihen zum Marktpreis gegen Papiere ein, die von der Euro-Zone mit einer Garantie versehen werden. Die Gläubiger müssten damit auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten, denn am Markt werden die griechischen Bonds wegen des hohen Ausfallrisikos derzeit mit großen Abschlägen zum Ausgabepreis gehandelt - bei zehnjährigen Bonds sind es fast 40 Prozent. Der Vorteil: Die neuen Papiere sind gesichert, die Gläubiger haben damit Planungssicherheit. Griechenland würde auf diese Weise seine Schuldenlast drücken.

Längere Laufzeiten

Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Dollar - verbunden womöglich mit einer erneuten Absenkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss. Nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ hält der IWF die Schuldenlast für Griechenland intern für untragbar und soll daher eine Laufzeitverlängerung der Finanzhilfen auf bis zu 30 Jahre erwägen. Der IWF dementierte dies allerdings.

Pariser Club

Die Experten der Großbank UniCredit halten auf mittlere Sicht Verhandlungen zwischen Griechenland und dem Pariser Club für wahrscheinlich. Ihr Argument: Durch bilaterale Kredite und den Ankauf griechischer Anleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird der Anteil der öffentlichen Gläubiger an den Verbindlichkeiten Griechenlands auf mindestens 40 Prozent steigen. Im Pariser Club haben sich 1956 die wichtigsten Gläubigerstaaten zusammengeschlossen und seither 421 Umschuldungsabkommen mit 88 Staaten - von Afghanistan bis Vietnam - im Wert von 553 Milliarden Dollar getroffen. Von 1985 und 1993 stand dem Pariser Club ein Mann vor, der auch in der Schuldenkrise eine zentrale Rolle spielt: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

Griechische Anleihen seien aber lange Zeit zu Recht gefragt gewesen. Die Papiere seien als genauso sicher eingestuft worden wie deutsche, hätten aber mehr Rendite abgeworfen. Daher seien Banken aus ganz Europa aufgesprungen und hätten die Papiere zum Aufbau von Kapitalpuffern gekauft. "Viele Geldhäuser sind wohl deshalb eingestiegen, weil sie die Papiere als liquide und absolut risikolos angesehen haben", sagt der Banker Tim Skeet von RBS. "Es gab vernünftige Gründe für einen Einstieg."

Einigen Banken ist zu einem frühen Zeitpunkt der Ausstieg aus den Papieren geglückt. Dazu zählen etwa große europäische Geldhäuser mit eigener Investmentbanking-Sparte, dank der sie schnell reagieren können. Andere Institute aber waren zu träge, zu unentschlossen - oder davon überzeugt, dass Griechenland die Probleme in den Griff bekommt. "Viele Banken wollten einfach nicht mit Verlust aussteigen", sagt Roberto Henriques von der Bank JPMorgan. "Und als die Situation in Griechenland dann aus dem Ruder lief, bewegten sich viele Geldhäuser immer noch nicht, weil sie hofften, zu einem späteren Zeitpunkt verkaufen zu können."

Einige Institute sahen in fallenden Preisen nach Auskunft eines Bankenberaters gar noch die Chance für einen günstigen Einstieg: "Ein Finanzvorstand hat mir noch im April gesagt, ich sei ein kompletter Idiot, weil ich keine dieser Anleihen kaufe."

Kommentare (1)

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Bernd

26.05.2011, 15:45 Uhr

Tja, wenn Gier und Dummheit in Gesellschaft auftreten.....
Aber die korrupten Politiker Vasallen werden es schon richten, auf Kosten der naiven Bevölkerung.
Es ist nicht möglich und auch garnicht gedacht die Schulden abzutragen !!!
Der kommende Kollaps ist EINGEPLANT !!!!!!!!!!

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