Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2010

13:19 Uhr

Ausfallrisiko

Solide Anleihen? Griechenland nein, Henkel ja

VonAndrea Cünnen, Jörg Hackhausen

Die Renditen von Unternehmensbonds sind zum Teil niedriger als die für Zinspapiere europäischer Staaten. Was früher undenkbar war, wirkt jetzt gar nicht mehr so abwegig: eine Staatspleite. Anleger bewerten die Ausfallrisiken von Staaten höher. Noch deutlicher zeigt sich das bei Derivaten.

Auch die Tradition spricht für Henkel: eine frühe Packung des Waschpulvers "Persil". Die Anleihen von Hersteller Henkel schätzen manche Anleger als solider ein als die Papiere hochverschuldete Staaten wie Griechenland. dpa

Auch die Tradition spricht für Henkel: eine frühe Packung des Waschpulvers "Persil". Die Anleihen von Hersteller Henkel schätzen manche Anleger als solider ein als die Papiere hochverschuldete Staaten wie Griechenland.

FRANKFURT. Die Investoren an den Anleihemärkten denken komplett um. Sie schätzen die Gefahr, dass Griechenland seine Schulden nicht bedienen kann, höher ein, als dass solide Unternehmen pleite gehen. Das signalisieren zumindest die hohen Renditen griechischer Staatsanleihen und die Preise, die Investoren für Credit Default Swaps (CDS) zahlen, um sich vor einem Ausfall griechischer Staatsbonds zu schützen.

Dabei gehen die meisten Investoren und Analysten davon aus, dass die hochverschuldeten Griechen im Zweifelsfall Hilfe von den anderen Euro-Ländern bekommt. Trotzdem bleibt ein Rest von Zweifel. "Anleger bewerten die Ausfallrisiken von Staaten jetzt neu", sagt Martin Wilhelm, Gründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung IfK - Institut für Kapitalmarkt.

Nicht nur Griechenland betroffen

So sind nicht nur die Renditen griechischer Staatsbonds in diesem Jahr gestiegen, sondern auch die von anderen wirtschaftlich schwächeren Ländern. Dazu gehören insbesondere Portugal, Irland und wegen der Probleme am Immobilienmarkt auch Spanien. Zudem müssen fast alle Euro-Länder für ihre Anleihen wieder deutlich höhere Renditen zahlen als Deutschland. Dabei implizieren steigende Anleiherenditen sinkende Kurse und umgekehrt.

"Früher waren lang laufende Staatsanleihen immer dann erste Wahl, wenn es der Konjunktur schlecht ging, die Inflation niedrig war und die Liquidität hoch", meint Bernd Flossbach, Mitgründer und Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch. Dieses Paradigma habe sich aber durch die Finanzkrise überholt. "Die Staatsanleihe ist nicht mehr die letzte Zuflucht", betont Flossbach. Das sieht auch Martin Wilhelm so: "Anleger haben mit zum Beispiel griechischen Staatsbonds eine Sicherheitsgeschichte gekauft - und gehen doch Kredit- oder zumindest massive Kursverfallsrisiken ein."

"Eher Schweizer Staat pleite als Nestlé"

Dabei finden Anleger laut Flossbach zum Teil größere Sicherheit bei Unternehmensanleihen: "Eher wird der Schweizer Staat pleite gehen, als dass Nestlé seine Schulden nicht mehr bedient", sagt der Vermögensverwalter. Das meinen auch Experten großer Banken. "Multinationale Unternehmen wie zum Beispiel Nestlé sind mit Blick auf ihre Ertragsquellen unabhängiger als Staaten, weil sie ihre Umsätze in der ganzen Welt generieren und nicht auf die Wirtschaftskraft eines Landes angewiesen sind", sagt Francesco Garzarelli, Chef- Zinsstratege bei Goldman Sachs in London.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×